A gay flat sharing community in the heart of Bangkok has to offer a free room, available from 20th of March 2009.
We are a gay community (1 Thai, 2 Germans, 1 fat cat), living together in a typical Thai shop house, located in Rama I. Rd., near Siam Square, MBK and BTS skytrain station „National Stadium“. The five-storey house lays in a quiet soi.
Wenn ich deutschen Freunden, die in Thailand Urlaub machen, das „wahre Bangkok“ zeigen möchte, führe ich sie immer nach Bang Kae. Einem weitgehend Farang-freien Stadtteil auf der anderen Seite des Flusses an der Phetkasem Road, der in den Touristen-Stadtplänen in der Regel überhaupt nicht mehr eingezeichnet ist – dort hört Bangkok am Chao Phaya auf…
Die Sperrstunde in Thailand sei eine gute Erfindung, meinte einmal mein Berliner Freund J. Er komme am nächsten Morgen immer rechtzeitig aus den Federn, habe weniger schlechten Sex nach zu vielen Drinks, spare darüber hinaus Geld und Kopfschmerztabletten.
Nun, J. war Tourist in Patong Beach, ich lebe in Bangkok. Ich bin es gewohnt, auch nach zwei Uhr nachts noch einen weiteren Long Island im DJ Station zu bestellen. Wenn denn um drei Uhr oder noch später tatsächlich mal die Lichter in Silom Soi 2 angehen, ist die Nacht noch lange nicht zu Ende. Die einen wollen dann weiterziehen ins „G.O.D.“ in Soi 2 ½, die anderen ins „Barber“ in der Narathiwat Road. Hin und wieder locken Saunen oder private „After Partys“, und manchmal zieht es uns in illegale Clubs, die in keinem Gay Guide gelistet sind.
Neulich landen wir zum Beispiel im „CNN“ in Pinklao, einem wenig einladenden Stadtteil auf der anderen Seite des Flusses. Etwa zwanzig Minuten kurven Boyfriend Khun T., Khun P., Khun N. und ich mit dem Auto in einer gottverlassenen Gegend herum, bis wir endlich den dunklen Eingang des Clubs gefunden haben. Keine Leuchtreklame, nicht einmal ein einfaches Schild zeigt den Weg. Nur zwei wartende Taxis und umherstreunende junge Männer verraten, dass wir am Ziel sind.
Mein Boyfriend Khun T. ist ein ungewöhnlicher Thai. Noch nie hat er mich in einen Tempel geschleift oder – wie mein Ex – mit „heiligem Wasser“ überschüttet. Unser Haus ist frei von Buddha-Figuren, Lotusblüten und Blumenkränzen. Selbst das Geisterhaus in unserer Soi hat er noch kein einziges Mal mit einem Wai bedacht.
Hin und wieder ist Khun T. allerdings doch anfällig für spirituelle Dinge. So trug er vor einigen Wochen bewusst ein gelbes T-Shirt, weil nur so der Fluch eines kambodschanischen Geister-Doktors über Thailand entkräftet werden konnte – so stand es zumindest in einer Ketten-Email, die ihn während des Höhepunkt des Streits um den Preah-Vihear-Tempel erreichte.
Morgen wiederum will Khun T. einer Wahrsagerin einen Besuch abstatten, um mehr Erfolg im Leben zu haben. Jene Astrologin ist nämlich dafür berühmt, dass sie aus der Sternenkonstellation der Geburtsstunde den idealen Vor- und Nachnamen für jedermann ablesen kann. Mit dem Ergebnis will Khun T. dann umgehend zur Meldestelle gehen und eine Namensänderung beantragen.
Für kurze Zeit hatten wir heute ein neues Haustier: Eine kleine, graue Ratte verirrte sich in unsere Küche und erschreckte zuerst C., der sich einen Kaffee kochen wollte. Es ist wohl doch nicht so ideal, wenn man das lästige Rollgitter Tag und Nacht einen Spalt offen lässt…
Im Urlaub auf Bali schlägt Boyfriend Khun T. nach einigen Gin-Tonic im „Mixwell“ vor, wir könnten doch mal einen Dreier probieren. Nun, warum eigentlich nicht?! Allerdings ist das einfacher gesagt als getan.
Zum einen müssen Khun T. und ich uns untereinander auf einen Kandidaten verständigen (was wirklich nicht einfach ist) – zum anderen muss in das Beuteraster des Auserwählten sowohl ein Thai (27) als auch ein Farang (40) passen.
Immerhin haben Khun T. und ich in etwa dieselbe Größe und Figur – zum Ärger meines Boyfriends, aus dessen Kleiderschrank ich mich gerne bediene.
Blog-Leser Michael hat mich vor einem Monat über die Kommentarfunktion gefragt, ob wir unsere Ex-Soi-Cat Pumpkin als reine Wohnungskatze halten werden. Nun, die Antwort lautet: nein. Letzte Woche durfte die 7 Monate alte Pumpkin erstmals nach draußen.
Endlich! Ab 10. Juli gibt es eine neue wöchentliche schwule Party in Bangkok, und zwar eine sehr vielversprechende. Jeden Donnerstag lädt der Club Culture in der Sri Ayudhaya Road zu „Colours“. Motto: „Stright or gay come out with pride“.
Meine Abenteuer letzten Monat auf Bali haben Boyfriend Khun T. keine Ruhe gelassen. Er hat bei seinem Boss einen Urlaubsantrag eingereicht („wegen einer Familienangelegenheit“), diesen sogar genehmigt bekommen – und so fliege ich Mitte Juli schon wieder auf die indonesische Insel der Götter. Diesmal nicht als Strohwitwer, sondern in Begleitung meines Boyfriends.
Es regnet derzeit viel und heftig in Bangkok – meistens fängt es genau dann an, wenn ich gerade raus bin zum Essen. So bleibt viel Zeit, durch die Kaufhäuser rund um den Siam Square zu schlendern. Als ich heute den roten Puzzle-Puffi in der „index Living Mall“ im MBK entdeckte, konnte ich nicht widerstehen…
Ich habe eine neue Mitbewohnerin in meinem großen Haus in Charoen Phon: Pumpkin, eine adoptierte Soi-Katze im zarten Alter von sechs Monaten.
Ausgesucht habe ich sie zusammen mit Boyfriend Khun T. online auf der Homepage von Thailands Non-Profit-Organisation Soi Cats And Dogs (SCAD).
Das Adoptionsverfahren war nicht ganz einfach: Ich musste ein dreiseitiges Bewerbungsformular ausfüllen – u.a. mit den Angaben, wie lange am Tag ich zu Hause bin und ob ich genug Geld für Futter besitze. Doch schon kurz nach meiner Mail meldete sich W. von SCAD und gab grünes Licht: Ich könne die frisch sterilisierte Pumpkin in Sukhumvit Soi 71 abholen.
Wo ich gerade ohne Boyfriend-Begleitung auf Bali bin, fällt mir ein, dass ich hier im Blog noch gar nichts von unserer letzten gemeinsamen Reise erzählt habe. Mitte Mai waren Khun T. und ich ein Wochenende in Ao Nang.
Vor dem Trip waren viele meiner Farang-Freunde neidisch: Während sie in der Regel ihrem Thai-Boyfriend Flugticket, Unterkunft, Verpflegung, Souvenirs und Whiskey-Coke spendieren müssen, war ich komplett eingeladen – als Begleitung von Khun T.
Mit meinem Kölner Freund P. bin ich für eine Woche von Bangkok nach Bali geflogen. Boyfriend Khun T. wollte gerne mit, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass es dort nicht nur Tempel und Reisterrassen gibt, sondern auch sehr lustig zugeht. Es gibt keine Sperrstunde, am Wochenende im „Double 6“ werden bunte Pillen angeboten und man kann bis sechs Uhr morgens tanzen. Vielleicht hat auch eine Rolle gespielt, dass ich ihm von A. berichtet hatte, meinem Urlaubs-Lover von früheren Bali-Besuchen, mit dem ich fünfmal Sex hatte in einer Nacht…
Leider hatte Khun T. wie immer keine Zeit für einen Kurztrip nach Indonesien, obwohl ich ihm sogar 30.000 Meilen von meinem Miles&More-Konto für den Flug spendiert hätte. An diesem Wochenende steht das Cover-Shooting für sein Magazin an.
So bleibt mir nichts anderes übrig, als meinem Boyfriend per Email von meinen Erlebnissen auf dieser gefährlichen Insel zu berichten.
Khun T., mein Boyfriend, denkt praktisch. Er hat sich ein neues Handy gekauft – endlich! Zufälligerweise genau dasselbe Modell wie meins. Ein Motorola KRZR K1. Nur nicht in blau, sondern in gold.
Khun T.s altes Mobiltelefon hatte eine Akkulaufzeit von etwa zwei Stunden. Immer wenn es wichtig war, ihn zu erreichen, war sein Handy natürlich tot…
Etwa 24 Stunden lang hatte ich eine Putzfrau für mein neues Haus in Charoen Phon. Die Vermieterin hatte mir Patiang wärmstens zum Wäschewaschen und Saubermachen empfohlen.
Warum nicht, dachte ich erst. Ich hasse Aufwischen und Bügeln und könnte mir auf diese Weise sogar die Anschaffung einer Waschmaschine ersparen. Patiang, eine dicke Thai-Mutti in den Fünfzigern in einer Batik-Schlabberhose, wohnt nur drei Häuser weiter und hat bereits die letzten 15 Jahre das Shophouse geputzt.
Bei unserem ersten Treffen rückte Patiang gleich mit ganz konkreten Vorstellungen raus: 5.000 Baht im Monat wolle sie haben, dafür würde sie täglich kommen, putzen, die dreckige Wäsche mitnehmen und am nächsten Tag gewaschen und gebügelt zurückbringen.
Am Freitag kommt mein Kölner Freund P. mich in Bangkok besuchen. Folgende Liste habe ich ihm geschickt, was ich gerne aus Deutschland mitgebracht hätte:
- Aromatisierter schwarzer Tee, am liebsten „Tropenfeuer“
- Teefilter aus Papier zum Aufbrühen
- 1 Original Ungarische Salami
- Ein Glas Nutella
- Eine Flasche Rotwein (den leckeren von Lidl für 2,99 Euro)
- Eine Reisepass-Hülle
- Einige neue deutsche Gay-Magazine
- Poster von der Deutschen Aids-Hilfe
- Ein paar Poppers-Flaschen
Ich habe das Gefühl, ich bin endlich angekommen in Bangkok. Nach Jahren des zunächst fast monatlichen Pendelns zwischen Deutschland und Thailand, dann der ersten günstigen Mietwohnung in Bang Kae, zwei Apartments in Silom und einem Haus mit Garten in Sathorn beginne ich nun, mich in der Stadt der Engel einzurichten.
Ich habe ein ganzes Shophouse gemietet in Charoen Phon, nicht weit vom MBK entfernt – mit 200 Quadratmetern, vier Etagen und vier Badezimmern, Küche und Dachterrasse mit romantischem Blick auf den Expressway. Obwohl es so zentral liegt, bin ich bislang der einzige Farang in der Soi.
Dem hohen Tier bei der Polizei ist der Student aus Vientiane sofort aufgefallen. Genau sein Typ. Doch er weiß, dass er bei dem jungen Laoten nicht die geringste Chance hat. Der Student schaut sich in der Babylon nach gleichaltrigen Farangs um – und nicht nach einem fast 50-jährigen Thai mit schütterem Haar und einem Körper, dem das viele Sitzen am Schreibtisch und die wöchentlichen 100-Pipers-Partys mit den Kollegen von weitem anzusehen sind.
In der Babylon-Sauna könnte er den Laoten nicht einmal mit 1.000 Baht überzeugen, mit in eine Kabine zu kommen, so wie die Masseure in den schwulen Etablissements, die er sonst besucht. Wie viel lieber wäre er jetzt im Aqua Spa, das nur wenige Sois von der Babylon entfernt liegt. Doch der Manager hatte den Polizisten am Vormittag angerufen und gefragt, warum er denn schon lange nicht mehr vorbeigeschaut habe. Da musste er sich halt mal wieder blicken lassen.
Die ersten Werbeanzeigen sah ich schon vor Wochen in der Bangkok Post, doch weder im Villa-Supermarkt noch bei Tops konnte ich Thailands neues Bier mit dem schönen deutschen Namen „Federbräu“ (richtig gelesen: mit „ä“) bislang finden. Erst gestern im Siam Paragon habe ich durch Zufall die ersten Büchsen und Flaschen entdeckt – und natürlich prompt gekauft.
Die Bierprobe fand gleich am selben Abend vor dem Fernseher beim „Ugly Betty“-Gucken statt. „What’s that? Fi-tö-bao?“, wunderte sich Boyfriend Khun T., als ich mit zwei Dosen ins Schlafzimmer kam. Ich klärte ihn über Thailands neueste Bier-Errungenschaft auf und dozierte über das knapp 500 Jahre alte deutsche Reinheitsgebot – worauf sich Federbräu tatsächlich beruft. Nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser soll es gebraut worden sein – ganz ohne Reis, Zucker und Glutamat.
„Is it your first time here? I can show you around.“ Ein Thai mit kurzem Haar, Mitte dreißig und gut trainiert, spricht den älteren Österreicher im Umkleideraum an. Der überlegt kurz, schüttelt dann jedoch den Kopf und geht davon. In Wien hätte er den Kontaktversuch des Jüngeren sofort dankbar erwidert, in der Babylon hat er jedoch freie Auswahl. Den Exotenbonus als Farang heißt es hier auszukosten.
Der Thai nimmt’s gelassen. Nicht immer, aber doch etwa jedes vierte Mal funktioniert seine Masche, gezielt Ausschau nach Babylon-Neulingen zu halten, die den Weg zu den Umkleiden nicht finden oder das System der Schranknummerierung nicht durchschauen. Er weiß, wie er in dieser Sauna seinen Spaß haben kann – früher hat er selbst hier gearbeitet.
Schon vor einem Jahr, als ich dieses Blog aus der Taufe hob, fand es mein Kollege N. amüsant, dass ich mir mit Ende Dreißig noch eine „Boy“-Identität zugelegt habe.
Aber N. kommt ja auch aus Düsseldorf, war noch nie in Thailand und hat keine Ahnung, dass man in Bangkok mit Altersbezeichnungen etwas flexibler umgeht…
Nun habe ich gerade für den Himmelstürmer Verlag ein Manuskript für einen ernst gemeinten Ratgeber für Schwule ab 40 redigieren dürfen. Dabei habe ich erfahren, dass man sich ab dem vierten Lebensjahrzehnt in Kontaktanzeigen niemals als „jung geblieben“ oder „Jeansboy“ bezeichnen darf, sondern immer zu seinem Alter stehen sollte.
Neuer Boyfriend, neue Gewohnheiten. Mit Khun T. verbringe ich Abende, Nächte oder auch mal ganze Wochenenden vor dem Fernseher. Wöchentlich kauft er bei den Straßenbuden in der Silom Road etwa 100 DVDs mit kopierten TV-Serien, die wir dann gemeinsam anschauen.
Der deutsche Expat verschwindet mit dem hübschen Isaan-Boy in einer der Kabinen, verriegelt routiniert die Tür von innen und hängt sein Handtuch vor das kleine Fenster, damit niemand hineingucken kann.
„Oh, big one!“, sagt Isaan-Boy, als er den handtuchlosen Farang von oben bis unten begutachtet. „What you name?“
Der 35-jährige Expat verzieht leicht das Gesicht. Er will nicht reden, sondern ficken. Er ignoriert die Frage und entreißt seinem jüngeren Gegenüber kurzentschlossen das Handtuch.
„Where you come from?“, will der hübsche Isaan-Boy nun wissen. Der deutsche Expat küsst ihn als Antwort auf den Mund.
„How long stay? What hotel?“. Expat beginnt, Isaan-Boys schlaffen Schwanz zu wichsen.
„You like fuck me?“, fragt der hübsche Isaan-Boy plötzlich. Expat grinst erleichtert und nickt.
Seit einigen Wochen bin ich mal wieder am Vergleichen. Zwischen Khun E. und mir herrscht tiefste Eiszeit, aber da ist ja immer noch Khun T., den ich vor einem knappen Jahr kennengelernt habe (siehe Vergleiche eines Strohwitwers).
Der Neubeginn mit Khun T. ist schön und weitaus mehr als nur die Suche nach Ablenkung und Trost. Und doch ist Khun E. indirekt ständig präsent - vor allem dann, wenn sich Khun T. in einst eingespielten Alltagssituationen genau gegensätzlich verhält wie er.
Während in Deutschland der Start des Gay-Fernsehsenders „Timm“ immer wieder verschoben wird, soll in Thailand nun das erste schwule TV-Magazin im Kabel auf Sendung gehen.
Thais gucken gerne anderen beim Ficken zu. Schon in der Mania wundere ich mich immer über die vielen Spanner, die durch Türritzen, nicht verhangene Fenster oder gar von oben aus der Nachbarkabine auf fremde Matratzen schauen. Am Pornographie-Verbot in Thailand kann es nicht liegen. „Boy CD“ und „Sexy Movie“ sind doch an jeder Straßenecke erhältlich.
Auch in der M2M gibt es am Samstag kein Halten mehr bei den Gästen, als während der Show zwei tätowierte Muskelboys beginnen, an ihren Ständern zu spielen. Da wird mit großen Augen und offenem Mund gedrängelt, geschubst und auf Hocker geklettert, um ja einen Blick auf die blasenden und schließlich zu Techno-Beats rammelnden Darsteller zu erhaschen.
Ich glaube, ich sollte vom Thailändischen Fremdenverkehrsamt Provision verlangen.
Heute in der Babylon-Sauna treffe ich überraschend einen jungen Studenten aus Vientiane wieder, den ich erst am vergangenen Wochenende in der laotischen Hauptstadt kennengelernt habe. Meine Erzählungen über Bangkok scheinen den jungen Mann zu seinem Spontan-Trip ins “Gay-Paradies” (mit)inspiriert zu haben.
Ich weiß, ich weiß, ich bin ein wenig spät dran. Das chinesische Neujahrsfest war schon am vergangenen Donnerstag. Doch da war ich rattig und konnte mich nicht um mein Blog kümmern.
Mit Verabredungen in Thailand ist das bekanntlich so eine Sache. Ich meine jetzt nicht mal die sogenannte „Thai Time“. Jene Besonderheit im Land des Lächeln, dass bei einem ausgemachten Treffen um 19 Uhr der thailändische Part der Verabredung entweder schon um 15 Uhr auf der Matte steht oder kurz vor Mitternacht, nur nie zur ausgemachten Zeit.
Ich meine diesmal langfristige Verabredungen. Mit Khun O. hatte ich mich vor einer Woche zum Weißbiertrinken verabredet im Tawandaeng, der deutschen Brauerei in Rama III. Khun O. ist Steward bei Thai Airways und fliegt am liebsten die Strecke nach München. Der zumindest, so hatte ich mir gedacht, sollte Pünktlich- und Verlässlichkeit zu schätzen wissen.
Und da sage noch mal einer, man könne mit einem kleinen, harmlosen Blog nichts bewegen: Das Magazin „Thai Puan“ hat wegen Bangkokboy.de schon zwei Anzeigenkunden verloren…
Seit drei Ausgaben druckt das sonst englischsprachige schwule Anzeigenblatt einige meiner Blog-Einträge nach, um sich bei deutschen Lesern (und Anzeigenkunden) einzuschmeicheln. Die Rechnung ist zunächst auch aufgegangen. Viele Leser hätten meine Storys als „delightful“ gelobt, heißt es etwa im letzten Editorial.
Morgen wird in Thailand endlich ein neues Parlament gewählt, das hat seine gute und seine schlechte Seite.
Die schlechte: Damit die Thais mit klarem Kopf ihre Stimme abgeben, darf am ganzen Wochenende kein Alkohol verkauft werden. Eine große schwarze Plane verdeckt im Top’s-Supermarkt die Regale mit den Bier-, Wein- und Whiskeyflaschen. Die gute Seite: Heute hat mich Boyfriend Khun E. zum Abendessen eingeladen.
Mit zwei 100-Baht-Scheinen wedelnd, kam er heute nach Hause. Der Motorradtaxifahrer von Yenakart nach Silom hatte ihm das Geld angeboten, wenn er im Gegenzug „Palang Prachachon“ wählt – die Nachfolgepartei der verbotenen „Thai Rak Thai“ des gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra.
Zum Thema Plüschtiere in Thailand entdeckte ich heute zufällig dieses schöne Foto im Internet: Fünf typische schwule Bewohner Pattayas sitzen mit ihren kleinen Lieblingen bei Kaffee und Kuchen in Boyztown…
Als ich noch in Deutschland lebte, war ich eigentlich aus dem Stofftier-Alter raus. Nicht ein einziger Teddy machte sich mit auf den Weg in meine neue Heimat Thailand.
In Bangkok angekommen, lernte ich schnell, dass ein Thai-Leben ohne Plüschbären, -hunde oder -fische kaum möglich ist. Selbst die kleinste Studentenbude wird von mindestens fünfzig Kunsttieren mitbevölkert.
Auch ich bekam in den letzten Jahren das eine oder andere Plüschwesen geschenkt – von Freunden zum Geburtstag, vom Lover zum Valentinstag oder als Bonus vom Tops-Supermarkt. Bei jedem meiner Umzüge innerhalb Bangkoks habe ich zwar Dutzende Tiere entsorgt, dennoch wird mein kleiner Privatzoo größer und größer.
Thailändische Filme haben es schwer auf dem deutschen Markt, zu unterschiedlich sind die Geschmäcker des Publikums. Für die Berliner Edition Salzgeber war dies offensichtlich der Grund, bei der Vermarktung der neuen DVD „Right by me – An meiner Seite“ etwas zu sehr auf die Pauke zu hauen.
Statt wie üblich im Bett zu liegen und Talkshows zu gucken, sitzt Boyfriend Khun E. gestern Abend mit einem orangenen Buch am Tisch und rezitiert Verse von Buddha. Er hat beschlossen, Mönch zu werden und eine Zeitlang in einem Tempel zu leben.
Nun sollte jeder männliche Thai einmal im Leben als Novize ins Kloster gehen, das macht sich gut für die eigene Biographie und wirft zudem ein gutes Licht auf die Familie. Auch Ex-Ministerpräsident Thaksin war schon vorübergehend Mönch, und selbst der König hat in jungen Jahren seinen Palast gegen einen Tempel getauscht.
Khun E’s Entschluss ist allerdings so etwas wie eine Verzweiflungstat. Seine reiche Familie nörgelt, dass er es mit seinen 33 Jahren noch immer nicht zu etwas gebracht hat und hält ihn derzeit finanziell kurz. Freunde, denen er viel Geld geliehen hat, können es nicht zurückzahlen. Und sein Farang-Boyfriend hat ihm immer noch keine Eigentumswohnung gekauft… Im Tempel will Khun E. nun zu sich selbst finden.
Schwule Thais haben eine besondere Beziehung zu König Vajiravud alias Rama VI, der von 1910 bis 1925 Siam regierte. In der Sauna Mania hängt sein Bild an herausragendem Platz und auch in einigen Szenebars mit thailändischem Besitzer.
Nun hat Rama VI. viel für sein Land geleistet. Er stand der Demokratie positiv gegenüber, führte die allgemeine Schulpflicht ein und erließ ein Gesetz zur Gleichstellung von Mann und Frau.
Im Kupon-Restaurant des Silom Complex muss ich immer wieder schmunzeln. Fast jedes Mal sehe ich dort weiße Touristen aus Europa oder den USA, die ganz, ganz stolz mit Stäbchen essen.
Erst war ich geschmeichelt: Das Gay-Magazin Thai Puan hatte angefragt, ob es Auszüge aus meinem Blog veröffentlichen darf. Warum nicht, dachte ich mir, ein bisschen Werbung für mein kleines, junges Online-Tagebuch kann ja nicht schaden.
Seit einigen Tagen nun liegt das Heft in der Szene aus. Fünf Bangkokboy-Storys wurden darin tatsächlich erstmals auf Papier gedruckt – nur leider ohne die versprochene Quellenangabe. Auch eine Einleitung oder Erklärung fehlt, warum das sonst englischsprachige Magazin urplötzlich deutsche Inhalte veröffentlicht.
1. JJ Market
Manche nennen ihn Thailands größte Sauna: Jeden Samstag und jeden Sonntag herrscht auf dem Chatuchak-Freiluftmarkt ein Riesengedränge. Klamotten ohne Ende, Haushaltswaren und Haustiere sind hier ebenso zu haben wie gegrillter Skorpion, zweite Meter hohe Palmen oder antike Buddha-Statuen. (Skytrain-Station Mo Chit, U-Bahn Chatuchak Park)
Jedes Mal, wenn Boyfriend Khun E. auch nur die kleinsten Erkältungssymptome zeigt, rennt er in die nächste Apotheke und kauft viele kleine Tüten mit bunten Pillen. Um welche Medikamente es sich dabei genau handelt, ist unklar. Ein gesetzlich vorgeschriebener „Beipackzettel“ ist in Thailand unbekannt.
Das Handy von Boyfriend Khun E. klingelt am frühen Morgen. Khun L. ruft an, die dicke Polizistin und ehemalige Schulkameradin. Sie fragt, ob wir zufällig Interesse an zwei weiblichen Sexpuppen und drei Dildos hätten. „Nagelneu und originalverpackt.“ Sie würde uns natürlich einen sehr guten Preis machen.
Die Toys stammen aus einer Razzia in einem illegalen Sexshop, gibt die Polizistin unumwunden zu. Die beschlagnahmen Gegenstände hätten die Beamten anschließend auf dem Revier unter sich aufgeteilt.
Um es gleich vorwegzunehmen: Das schönste an der Farose 2 ist – momentan zumindest – die Anreise. C. und ich haben es nur etwa 20 Minuten in der Sauna ausgehalten, die nach einem Brand leider keine Trockensauna mehr besitzt. Die kleine Stadtrundfahrt von und nach Ramkamhaeng hat dagegen über drei Stunden gedauert.
Der netteste Weg nach Ramkamhaeng ist nämlich das Klong-Boottaxi , das alle paar Minuten am Pratunam-Pier ablegt.
Ich muss mich korrigieren. Nicht alle Partys im Rahmen des Bangkok Pride Festivals finden in Silom statt. Als ich heute mal zufällig in das aktualisierte Programm geguckt habe, entdeckte ich tatsächlich ein Alibi-Event in Rachada.
Langfristig mit einem Thai zu planen, ist bekanntlich nicht immer ganz einfach. Mit Khun T. scheint das sogar unmöglich zu sein. Und diesmal war nicht einmal Gin Tonic im Spiel…
Eigentlich wollte Khun T. am vergangenen Wochenende C., P. und mich nach Krabi ins Resort Le Passe Temps begleiten, die Nok-Air-Tickets waren sogar schon gebucht (wobei Khun T. als einziger 3.600 Baht statt 2.000 Baht bezahlt hat, da er mit dem Buchen so lange gezögert hat). Natürlich kam dem jungen Redakteur am Freitag ein Shooting dazwischen, und so buchte er seinen Vormittagsflug von Suvarnabhumi auf den Abendflug ab Don Müang um.
Bei einer Durchschnittstemperatur von über dreißig Grad im Schatten braucht man in Bangkok eigentlich keine Sauna, um ins Schwitzen zu kommen. Dennoch dürfte es keine andere Metropole auf der Welt geben, die so viele schwule Saunen zählt wie die thailändische Hauptstadt. Über zwanzig einschlägige Schwitzbäder sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt - und das, obwohl es nur sehr wenige Thais länger als fünf Minuten in einer auf 90 Grad aufgeheizten Trockensauna aushalten…
Über die Sauna Mania und die Babylon habe ich in meinem Blog ja schon geschrieben. Damit es nicht langweilig wird (und damit ich einen weiteren Grund für spannende Schwitzausflüge habe), will ich nun auch die anderen Saunen nach und nach vorstellen. Ich beginne mit der Chakran.
In wenigen Wochen ist CSD in Bangkok. Nur leider steht noch immer nicht fest, wann und wo die Parade stattfinden und ob es wieder ein schwul-lesbisches Fest im Lumpini Park geben soll.
Ob in Bangkok, am Flughafen oder auf Reisen: Khun E.s Lieblings- beschäftigung ist das Schlendern durch die Kosmetikabteilungen von sämtlichen Kaufhäusern und Duty-Free-Shops der Welt. Seit wir uns kennen, bin ich nun ebenfalls mit Lancôme, Sisley und Estée Lauder bestens vertraut. Und sehe natürlich wie mein Boyfriend von Tag zu Tag jünger und besser aus…
Denn Khun E. schlendert nicht nur durch die Kosmetikabteilungen, sondern bedient sich auch fleißig an den Gratis-Proben.
In der Silom Road gibt es gestern ein Gesundheitsfestival. Man kann gratis seinen Blutdruck messen lassen und das Bangkok Christian Hospital verteilt kostenlose Paracetamol. Sämtliche Händler und Garküchen sind verschwunden, und als Prinzessin Sirindhorn vorbeischaut, wird die Straße sogar komplett für den Autoverkehr gesperrt.
Zum Abendessen müssen Khun E. und ich deshalb in die Suriwong Road ausweichen. Wir setzen uns an einen Nudelstand gegenüber vom Starbucks, ganz in der Nähe der Soi mit den schwulen Gogo-Bars. Der junge Nudelverkäufer lauscht mit großen Ohren, als wir uns auf Englisch unterhalten.
Das Leben in einem Apartment im Herzen von Bangkok ist wirklich gefährlich. Gestern Nacht ist die Empfangsbox für mein TrueVisions- Satelliten-TV durchgeschmort.
Bereits am Abend hatte Khun E. schlechte Laune bekommen, weil der Empfang ausgerechnet bei den Polizeinachrichten, die er so gerne sieht, aussetzte. Warum die Bilder von den Mord- und Unfallopfern dauernd flackerten, konnten wir uns nicht erklären. Normalerweise passiert das nur, wenn es regnet.
Heute Nachmittag wurde ein offiziell aussehender Brief unter meiner Wohnungstür durchgeschoben. Leider nicht die erhoffte Gewinnbenachrichtigung von Coca Cola über eine Reise zu zweit nach Seoul. Und auch keine Aufenthaltsgenehmigung für Thailand auf Lebenszeit…
Das Wichtigste in Kürze vorab: Ich habe seit heute ein neues, zusätzliches Türschloss. Der Wachmann, der gestern Nacht in meine Wohnung eingedrungen ist, hat seinen Job verloren. Und mein rotes Sparschwein aus Vietnam (links im Bild) wurde von der Managerin und von der Polizei mehrfach fotografiert.
Als ich am Vormittag mit Khun E. im Büro der Hausverwaltung auftauche, um vom gestrigen Vorfall zu berichten, hat man uns schon erwartet. Offensichtlich hat der Wachmann in weiser Vorahnung seine Version der Geschichte zuerst erzählt. Danach sei ich ihm eine halbe Stunde vor dem Zwischenfall im Hausflur begegnet. Als er während meiner kurzen Abwesenheit „merkwürdige Geräusche“ aus meiner Wohnung gehört habe, habe er erst geklopft und geklingelt. Weil niemand aufgemacht habe, habe er schließlich den Schlüssel geholt und nachgesehen.
Nach einem netten Abendessen am Fluss mit Khun O. und Khun S. komme ich mit C. gegen 23:30 Uhr nach Hause. Als ich die Tür zu meinem Apartment aufschließe, wundere ich mich erstens, dass sie nicht verriegelt ist. Zweitens, dass das Licht eingeschaltet ist. Und drittens, dass ein fremder Mann mitten in meiner Wohnung steht.
„Was machst du hier?“ frage ich verdutzt.
„Ich habe verdächtige Geräusche gehört und wollte nachsehen“, behauptet der Typ. Er sei der Sicherheitsmann von der Nachtschicht. Allerdings habe ich ihn zuvor noch nie gesehen.
Lautsprecher-Durchsage heute Mittag im MBK auf Englisch: „Der Kunde, der seinen Schuh verloren hat, möchte sich bitte beim Informationsschalter im Erdgeschoss melden.“ Anschließend folgt die Durchsage auf Thai: Der verlorene Gegenstand ist nun ein Schlüssel.
Bangkoks Taxifahrer müssen der festen Überzeugung sein, dass Farangs nicht wissen, wie man ein Taxi ruft. Ich will lediglich die Silom Road überqueren, um im 7-Eleven neue Coke Zero zu kaufen, doch wenn mich die Fahrer nur am Straßenrand stehen sehen, fangen sie wild an zu hupen oder kurbeln die Scheibe herunter und winken wie blöde. Immerhin stoppen sie ihren Wagen und ich kann endlich über die Straße gehen.
Eine der absurdesten Erfindungen der Thai Immigration ist das so genannte Re-Entry-Permit. Diesen schicken Stempel im Pass braucht man, wenn man Thailand kurzzeitig verlassen möchte. Hat man kein Re-Entry-Permit, würde die Aufenthaltsgenehmigung nämlich mit der Ausreise verfallen.
Acht Minuten hat die Ausstellung meiner Wiedereinreiseerlaubnis im Thai-Immigration-Büro in der Soi Suan Plu gedauert – im Tausch gegen ein ausgefülltes Antragsformular, ein Passfoto und 1.000 Baht in cash. Für denselben Preis hätte ich zwar auch bei einer Thai-Botschaft in Malaysia oder Laos ein neues 60-Tage-Visum bekommen, dafür hätte ich aber natürlich länger warten müssen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an meinem ersten Besuch in Peking von etwa fünf Jahren. Gemeinsam mit C. und Khun S. irrte ich damals stundenlang durch die eiskalte Dezembernacht, um eine im Spartacus gelistete Gay-Bar zu finden – leider ohne Erfolg. Trotz Adresse in Chinesisch konnte uns kein Taxifahrer, kein Passant helfen.
Im September 2007 haben Khun E. und ich nicht die geringsten Probleme, den derzeit angesagtesten Gay-Club der Stadt zu entdecken. Weiterlesen… »
Hilfe, mein Masseur hat mich vergewaltigt! Warum ist es bloß so schwierig, in Bangkok eine ganz normale Thai-Massage zu bekommen?
Wenn meine Schultern verspannt sind, gehe ich normalerweise in die Babylon-Sauna – die Massagen dort sind gut, aber vergleichsweise teuer. Der Eintritt in die Sauna kommt sogar noch hinzu.
Auf der Suche nach einer preiswerteren Alternative lande ich gestern Nachmittag im Massagesalon des Malaysia Hotels. „Die sind gut und günstig“, hatte mir Khun A. empfohlen. Leider muss sich das bereits herumgesprochen haben. Zwei Stunden müsste ich warten, bis eine Matratze frei ist, sagt mir die Dame am Empfang.
Seit einigen Tagen läuft der Fernseher fast ununterbrochen. Erst war ich fasziniert vom friedlichen und schnell wachsenden Protest der mutigen Mönche in Myanmar. Jetzt fühle ich mich ohnmächtig angesichts der unglaublichen Brutalität des Militär-Regimes im Nachbarland. Ich bin so nah dran und kann doch nichts tun.
Normalerweise nehme ich meine erste Mahlzeit des Tages im Food Court des United Towers oder des Silom Complexes ein. Mein Frühstück heißt dann Tom Yam oder Gai Tohd oder Krapao Muh. Nur sehr selten, etwa einmal im Monat, übermannt mich die Lust auf eine ordentlich westliche Morgenmahlzeit.
Leider habe ich in Silom noch kein Café gefunden, das Berliner Schrippen mit Original ungarischer Salami auf der Speisekarte hat. So bleibt mir an solchen Fernweh-Tagen leider nur das „All Day Breakfast“ in Dick’s Café.
Für stolze 120 Baht gibt es in dem Tagescafé am Boyz Plaza in der Suriwong Road zwei Eier plus Toast plus Butter plus Konfitüre plus Orangensaft plus Heißgetränk. Glaubt man der Speisekarte, kann der Gast wählen, ob er die Eier mit Schinken, Speck oder Würstchen haben möchte und ob er Tee oder Kaffee dazu trinken will.
Zugegeben, DJ Station in Silom Soi 2 ist lustig, einzigartig und vor allem am Wochenende “Sanuk maak maak”. Aber immer zu denselben Charts tanzen? Sich von immer denselben Jungs in den Hintern zwicken lassen? Und ständig dieselben Fragen beantworten: Where do you come from, how long do you stay? Keine Sorge: Es gibt Alternativen!
Im Oktober kommen mich mein Mann C. und mein Freund P. in Bangkok besuchen. Mittlerweile brauchen sie sich auch keine Sorgen mehr zu machen, ein blutiges Ticket bei einer Airline des Schurkenstaates Iran gebucht zu haben (siehe Blog-Eintrag vom 2. August): Die EU hat Mahan Air kürzlich ein Start- und Landeverbot erteilt.
In der Hoffnung, das Geld für die Tickets via Teheran erstattet zu bekommen, haben C. und P. nun neue Flüge gebucht – diesmal mit Etihad Airways über Abu Dhabi. Mit rund 550 Euro waren die neuen Flugscheine nicht viel teurer als bei Mahan Air, doch statt nach Düsseldorf müssen beide nun nach Frankfurt.
Unser Hotel liegt in der Nähe des Lama Tempels. Dies ist Pekings größter und bedeutendster Tempel, verrät der Reiseführer. In der Ming Dynastie war er sogar der offizielle Sitz der kaiserlichen Eunuchen.
Boyfriend Khun E. schlägt vor, dem 1694 gebauten Gebetshaus einen Besuch abzustatten. Ich bin überrascht: Normalerweise ist er auf Städtereisen mit Shopping und Clubbing vollends ausgelastet.
Obwohl der Lama Tempel aus fünf großen Hallen und fünf Innenhöfen besteht, dauert die Besichtigung nur zwölf Minuten. Khun E. hetzt durch die Anlage und bleibt lediglich an drei Stellen kurz stehen.
Gestern gab es schon wieder einen Zwischenfall mit einem Billigflieger von One-Two-Go. Bei der Landung in Hat Yai krachte einem Passagier eine Deckeneinheit mit Lampe und Luftdüse auf den Kopf, außerdem purzelten Sauerstoffmasken herunter. Ernsthaft verletzt wurde zum Glück niemand.
Der Absturz in Phuket eine Woche zuvor mit 90 Toten war auch in China der Aufmacher der Tageszeitungen. Seitdem brauchte Khun E. auch keinem Chinesen mehr zu erklären, wo denn Thailand liegt.
Nach einer guten Woche in Peking bin ich zurück in Bangkok mit neuem Stempel im Pass für 60 Tage Aufenthalt in Thailand. Das nächste Flugticket für den 19. November führt mich dann nach Köln.
Als allererste Tat nach der Rückkehr mache ich mit Boyfriend Khun E. einen Spaziergang nach Sam Yan, wo es das beste Phad Cha von ganz Bangkok gibt. In dem Restaurant gegenüber vom Wat Hualamphong ordern wir außerdem eine große Schüssel Tom Yam. Das scharfe Essen habe ich in China dann doch vermisst….
Mein jüngster Visa-Run hat mich nach Peking geführt, dank meines Skywards-Meilenkontos hat der knapp Fünf-Stunden-Flug mit Sri Lankan nur 1.200 Baht (und 20.000 Meilen) gekostet.
Leider ist das chinesische Internet noch nicht so ganz olympiareif. So werde ich erst nach meiner Rückkehr nach Bangkok über das Min Fu Hotel berichten, in dem tagsüber Schulklassen unterrichtet werden, während man nachts die Zimmer auch stundenweise mieten kann. Auch die Geschichten über gegrillte Seepferdchen, „Boiled Coke with Coke“, die überfüllte Gay-Disco Destination und den Russian Market müssen leider warten.
Endlich kann ich wieder telefonieren. Nachdem mein deutsches Wertarbeit-Handy nach nur einem halben Jahr Betrieb den Geist aufgegeben hat, habe ich mir im MBK das Motorola K1 gekauft. Allerdings nicht das goldene, sondern das blaue in der limitierten Special-Edition zum achtzigsten Geburtstag von König Bhumipol.
Ich frage mich zwar, warum das royalistische Handy nicht gelb ist wie die Shirts, die montags zu Ehren seiner Majestät getragen werden – aber egal. Hauptsache, ich bin nun einer von maximal 3.799 Besitzern eines Telefons mit dem Logo des Königshauses. Das bestätigt mir sogar eine dreifach unterschriebene Urkunde.
Auf Ko Samui scheint das schwule deutsche Kneipengründungsfieber ausgebrochen zu sein: In Chaweng Beach eröffnete ein Klaus kürzlich die Massage-Bar Boy Zone, und am Lamai Beach kann man sein Bier seit Juli bei einem Wolfgang im One Of Us trinken.
Vielleicht sollte ich der Insel doch mal wieder einen Besuch abstatten? Wegen der abgezockten Taxi- und Tuktukfahrer habe ich Ko Samui die letzten fünf Jahre gemieden. Und weil die Monopol-Flüge mit Bangkok Airways so schweineteuer sind…
Das Foto zeigt übrigens den meiner Meinung nach süßesten aller Mitarbeiter der “Boy Zone”, die netterweise komplett auf der Homepage vorgestellt werden.
An der Skytrain-Station Sala Daeng hängt ein neues, großes Werbeplakat: Ein attraktiver, halbnackter Mann wirbt für die neue „Vaseline for Men“ (im Hintergrund des Fotos links kann man das Motiv ein wenig erahnen).
Da hat man sich für eine Gleitgel-Promo ja genau den richtigen Bahnhof ausgesucht, denke ich zunächst, liegen doch die schwulen Bars und Discos der Silom Road gleich um die Ecke. Doch dann fällt mit die alte Safer-Sex-Regel ein, dass man die fetthaltige Vaseline ja gar nicht zusammen mit Kondomen benutzen soll…
Gestern Abend noch sah es so aus, als ob ich 100 Baht verloren hätte: Anstatt des dicken, stets schlafenden Wachmanns hielt ein unbekannter, neuer Typ Wache vor unserem Haus; den Stuhl hatte er dafür aus der Lobby mitten auf den Bürgersteig gerollt. Seit heute Abend ist jedoch klar, dass ich meine 100-Baht-Wette mit Boyfriend Khun E. gewonnen habe.
Als ich heute Morgen, äh Mittag das Haus verlasse, um im Silom Complex zu frühstücken, muss ich mich in der kleinen Lobby durch eine Menschenmenge drängeln. Viele Polizisten sind da und noch mehr Neugierige stehen drum herum. Auch der dicke Wachmann von der Nachtschicht steht nervös in einer Ecke.
Ich frage den kleinen, jungen Wachmann von der Tagesschicht , was denn passiert ist. „Tief Kamm“, sagt er. Ich übersetze sein Tenglish erst ins Englische („thief come“) und verstehe allmählich, dass in der vergangenen Nacht im Restaurant im Erdgeschoss eingebrochen worden ist. Laptop und Bargeld aus der Kasse seien verschwunden.
Weil das Auswärtige Amt in dieser überaus ernsten Angelegenheit leider schläft, veröffentliche ich hier und heute eine eigene Reisewarnung für Jakarta.
Vor allem Männer und Frauen mit sehr langen Haaren sollten die indonesische Hauptstadt unbedingt meiden! Besonders gefährlich sind die öffentlichen Busse. Dort treiben gefährliche Gangster ihr Unwesen, die anderen Passagieren ungefragt die Haare abschneiden.
Erst gestern wieder machte es bei der 35-jährigen Nuryamah schnipp: Die Dame verlor 40 Zentimeter ihres gelockten Pferdeschwanzes.
Khun S. hat Pech. Es stellt sich heraus, dass sein neuer deutscher Boyfriend noch einen anderen Lover hat. Der tief enttäuschte Khun S. will den untreuen Gatten daraufhin nie wieder sehen, im Oktober allerdings trotzdem nach Deutschland fliegen und bei Bekannten unterkommen – Ticket und Visum hat er ja schon. Der Deutsche kündigt jedoch an, den von ihm bezahlten Flug wieder zu stornieren.
Um sich zu trösten, schaut sich Khun S. am späten Abend bei Gayromeo nach einem Ersatz-Boyfriend um. Dort wird er schnell fündig und startet mit einem Herrn X. einen Chat bei MSN. Leider bin ich zur selben Zeit online und muss notgedrungen den Übersetzer spielen. Denn Herr X. kann kaum Englisch und Khun S. spricht kein Deutsch.
Es gibt nicht viele Bildbilde mit erotischen Fotografien asiatischer Männer. Doch nicht nur deshalb ist das frisch erschienene Hardcover „The Asian Male - 2.AM.“ von Norm Yip ein wahrer Schatz.
Überraschung: Seit Donnerstag erscheint gar nicht mehr das blaue Zensur-Auge der thailändischen Regierung, wenn ich die schmuddeligen Seiten von YouTube aufrufe. Fünf Monate lang hatte das Informationsministerium vorsorglich das ganz Portal geblockt, weil in einigen hochgeladenen Videoclips König Bhumipol verulkt worden war. Anders als etwa einen deutschen Bundespräsidenten darf man den geliebten Thai-Monarchen nun mal nicht als extravaganten Schwuler darstellen… Die Blockade von YouTube wurde aufgehoben, weil sich das Management nun verpflichtet hat, alle Clips zu löschen, die gegen thailändisches Gesetz verstoßen oder das thailändische Volk beleidigen.
Diese beiden Herren oben sehe ich in etwa zwei Wochen. Wahrscheinlich im Paragon Cineplex. Es sind die beiden Hauptdarsteller des neuen Gay-Films Bangkok Love Story, der am 13. September mit anderthalb Jahren Verspätung endlich in die Kinos kommt. Der Thai-Name ist übrigens „Püan“, was „Freunde“ bedeutet.
In den Nachrichten auf Channel 7 wird über eine neue Dengue-Fieber- Epidemie in Thailand berichtet. Zurzeit wüte ein besonders heftiger Typ dieses sehr unangenehmen Virus, der ausschließlich durch Mückenstiche übertragen wird. Der Sender zeigt eine Frau mit rotem Ausschlag am ganzen Körper, die sich auf ihrem Krankenhausbett hin und her wälzt.
Ich kann mir in etwa vorstellen, was diese Frau durchmacht. Ich hatte im Frühjahr Dengue-Fieber, zwar ohne Hautausschlag, aber mit über 40 Grad Fieber, heftigen Gliederschmerzen, ständiger Übelkeit, einem Verlust der Zeitgefühls und enormen Kopfschmerzen.
Heute Morgen habe ich zum ersten Mal ein Gerät im hauseigenen Fitness-Studio benutzt, und zwar zum Auftakt die Waage. Gleich darauf habe ich aus Protest das Fitness-Studio wieder verlassen. Die blöde Waage hat nämlich angezeigt, dass ich fünf Kilo zugenommen habe.
Das gut eingerichtete Fitness-Studio hatte im Mai 2007 – neben dem großen Pool – eigentlich den Ausschlag gegeben, warum ich gerade dieses Apartment in der Silom Road für die Dauer eines Jahres angemietet habe. Damals dachte ich mir, eine Viertelstunde Training jeden Morgen im selben Haus, nur eine halbe Treppe höher, sei einfacher umzusetzen als mein zuvor gescheiterter Plan, jedes Wochenende durch den Lumpini-Park zu joggen. Naja, seitdem zahle ich halt für meine guten Vorsätze Monat für Monat einige Tausend Baht mehr Miete mehr als nötig.
Ihr Maskottchen ist ein dicker, bärtiger Mongole: Gleich zwei Shangarila- Chinarestaurants liegen im Umkreis meiner Wohnung, eines an der Skytrain-Station Chong Nonsi, das andere im Silom Complex. Man kennt und grüßt mich in beiden.
Eigentlich mag Boyfriend Khun E. trotz seiner chinesischen Vorfahren kein chinesisches Essen. Heute geht er dennoch mit mir zum Lunch ins Shangarila im Silom Complex. Einziger Grund ist die neue Werbeaktion der Restaurantkette: Mit dem „BTS Smart Pass“, dem neuen Guthaben-Ticket mit Chip für den Skytrain, bekommt man zehn Prozent Rabatt.
Prost! Heute stoße ich mit einem Glas guter thai-dänischer Milch auf den Quartalsgeburtstag meines kleinen Blogs an. Am 25. Mai gab’s den ersten Eintrag auf bangkokboy.de, dieser hier ist nun schon Nummer 65.
Mit den Visits bin ich eigentlich ganz zufrieden: Im Durchschnitt schauen rund 70 Leute am Tag vorbei, über ein Drittel interessanterweise aus Thailand. Allerdings gibt es bislang lediglich 43 User-Kommentare.
Khun T. begrüßt mich mit einem Kompliment, als ich ihn gestern Abend im Siam Paragon treffe. Heute hätte ich mal nette Klamotten an, lobt er – und schiebt sofort nach, dass dies natürlich nicht heißen soll, dass ich sonst schlecht anzogen sei.
Ihm würden jedoch meine neuen Designer-Jeans und das glitzernde Che-Guevara-Shirt, das ich mir von Boyfriend Khun E. geliehen habe, besser gefallen als meine üblichen Armeehosen und die einfarbig dunkelblauen T-Shirts.
Bis Ende letzten Jahres konnten Ausländer auch ohne Visum dauerhaft in Thailand leben, man musste lediglich alle 30 Tage einen kleinen Ausflug über die Grenze machen. Doch seit 1. Oktober 2006 ist die Aufenthaltsgenehmigung ohne Visum auf 90 Tage pro Halbjahr begrenzt.
Diese fiese Regelung versetzt die jüngere Expat-Gemeinde ohne Rentner-Dauervisum noch immer in Angst und Schrecken. Regelmäßig rufen mich verstörte Deutsche an, die von irgendjemandem meine Nummer bekommen haben, und fragen mir zu den Einreisebestimmungen Löcher in den Bauch. Selbst mein Freund J. räumt vor jeder Ausreise komplett seine Wohnung in Sathorn, weil er befürchtet, bei der Thai-Botschaft in Kuala Lumpur kein neues 60-Tage-Touristenvisum mehr zu bekommen.
Und da sage noch mal einer, die Thais seien obrigkeitshörig: Bei der Volksabstimmung am Sonntag wurde die neue Verfassung mit nur 57,8 Prozent angenommen, im Nordosten stimmte eine Mehrheit sogar dagegen. Ich bin mit dem Ausgang sehr zufrieden: Er ist ein Schritt nach vorn und ein Warnschuss an die Militärregierung zugleich.
Positiver Nebeneffekt: Frauen, Männer und Menschen “mit anderen Geschlechtsidentitäten” sind in Thailand nun offiziell gleichberechtigt.
Ich habe mir heute ein Gesellschaftsspiel gekauft: „Lost In The City“ ist so etwas wie eine Monopoly-Variante gezielt für Bangkok. Anfang des Jahres ist sie mir schon im Shop des Jim Thompson Houses aufgefallen, heute habe ich dann endlich nach einem Besuch im MBK zugeschlagen.
Zwei bis sechs Spieler düsen mit Tuktuk, Boot oder Motorrad-Taxi kreuz und quer durch Bangkok, um die Silom Road oder den Suvarnabhumi Flughafen zu kaufen. Hat man sich eine Straße oder ein Gebäude einverleibt, kann man nämlich von den anderen Mitspielern Miete kassieren. Landet man auf dem „Long Krung“-Feld, muss man dagegen eine Ereigniskarte ziehen. „Zeit, frische Luft zu schnappen: Gehe zum Lumpini Park!“, kann es da etwa heißen. Im schlimmsten Fall muss man drei Runden aussetzen.
Zu meiner Überraschung meldet sich mein schwuler Nachbar, der angeblich Krebs hat, über Gayromeo. „Wie war’s in Krabi?“, fragt er, nachdem ich über sechs Wochen nichts von ihm gehört habe. Ich berichte ihm von meinem Trip nach Chiang Mai…
An seinem gestrigen 33. Geburtstag hat Boyfriend Khun E. schlechte Laune und sagt sogar die geplante Mini-Party in DJ Station ab. Das kann mehrere Gründe haben: Erstens ruft um vier Uhr nachts seine Tante an und teilt mit, dass seine geliebte Großmutter im Krankenhaus liegt. Eine von den 20 Mangostan-Früchten, die sie am Tag zuvor verspeist hatte, war wohl schlecht. Zweitens geht seine neue Business-Idee nicht auf, Thais auf der Suche nach gutbezahlter Schwarzarbeit überteuerte Tickets nach Südkorea zu verkaufen. Und drittens habe ich ihm weder ein Diamantarmband noch ein Luxusapartment geschenkt.
Es ist schon sehr amüsant, in einer Durian-Republik zu leben: Dank der Armee dürfen die Thais an diesem Sonntag erstmals in einer Volksabstimmung über eine Verfassung entscheiden. Die Militärregierung hatte die alte, gar nicht so üble Verfassung von 1997 außer Kraft gesetzt und von einem eigens eingesetzten Gremium einen neuen Entwurf erarbeiten lassen.
Wie demokratisch die Volksabstimmung mit Sonderurlaubstag ist, zeigt allein die Tatsache, dass unklar ist, was passiert, falls das Volk den Entwurf ablehnen sollte.
Geschafft! Nun habe ich endlich auch den dritten queeren Thai-Film gesehen, der derzeit in Bangkoks Kinos läuft. Zuvor musste ich allerdings zweimal aufstehen. Nicht nur zur Königshymne vor der Vorführung: Eine leibhaftige Prinzessin kam mir zuvor im Foyer des Paragon Cineplex entgegen. Ihre königliche Hoheit hatte sich „The Simpsons“ angeschaut.
Koo Rad mit dem englischen Untertitel „The Odd Couple“ ist nicht nur etwas lebendiger, sondern auch lustiger als der gleichnamige US-Schinken mit Jack Lemmon und Walter Matthau. In der Thai-Komödie wird die Tunte Lily unfreiwillig Zeuge, wie ihre beste Ladyboy-Freundin Angie beim Sex von einem homophoben Serienmörder erstochen wird. Zu allem Unglück verliebt sich Lily in den japanischen Super-Cop Seiki, der den Fall aufklären und die einzige Zeugin beschützen soll. Seiki hat jedoch ein Auge auf eine Kollegin geworfen.
Es hat auch seine guten Seiten, dass Boyfriend Khun E. Angst vor Hunden hat. Sein dicker Ladyboy-Freund, der gestern zur Party geladen hatte, wohnt tief in einer Soi in Bang Kae. Allein traut sich Khun E. in der Nacht nicht, zur Hauptstraße zu laufen und dort ein Taxi zu nehmen. So muss er warten, bis die anderen Gäste nach Hause wollen. Das ist erfahrungsgemäß nicht vor sechs Uhr morgens der Fall.
Eine gute Gelegenheit also, mal wieder allein ins DJ Station zu gehen. Ganz ohne Hintergedanken. Einfach nur um zu gucken, wer so alles da ist, um neuen Tratsch zu erfahren, zwei, drei Heineken zu trinken und natürlich den eigenen “Marktwert” zu checken.
Mit dem langfristigen Planen ist das bekanntlich so eine Sache in Thailand. Boyfriend Khun E. und ich hatten unseren Rückflug von Chiang Mai nach Bangkok extra für den Samstagabend gebucht, um die Familienfeier zum Muttertag ja nicht zu verpassen. Immerhin war ich, „der Farang“, am Sonntagmittag mit eingeladen.
Heute Morgen stellt sich heraus: Die Feier fällt aus. Zum einen reden Khun E.s Großmutter und Großvater zurzeit nicht miteinander: Oma schmollt, weil Opa ihr keine Scheibe von ihrem süßen Lieblings-Toast abgegeben habe, erzählt der Neffe. Zum anderen ist eine von Khun E.s vielen Tanten nicht in Partylaune: Sie muss am Dienstag ins Krankenhaus und sich einer schweren Magenoperation unterziehen. Obendrein wurde einem Onkel gestern auch noch das teure, neue Auto geklaut.
In Bangkok wohne ich nur fünf Minuten von DJ Station entfernt, doch in Soi 2 war ich das letzte Mal vor etwa drei Wochen. Ein Ausflug nach Chiang Mai ohne Besuch der Mandalay-Disco ist dagegen undenkbar.
Bereits drei Stunden nach Landung in Thailands zweitgrößter Stadt betreten Boyfriend Khun E. und ich den riesigen Tanztempel, der bis morgens um acht Uhr geöffnet hat. Die Sperrstunde gilt fürs Mandalay offensichtlich nicht (wahrscheinlich gehört der Laden dem Polizeipräsidenten).
Was lange währt… An diesem Samstag ist Release-Party für das seit Monaten angekündigte neue Futon-Album „Painkiller“ im Club Culture, einmal am Nachmittag für die Groupies ohne Alkohol und dann ein weiteres Mal am Abend mit Bier und Whiskey. Leider ich kann nicht dabei sein, auf meinem Programm steht ein Kurztrip nach Chiang Mai.
Alle meine Thai-Freunde finden Fahrrad-Touren durch Bangkok doof, so habe ich es gestern in meinem Blog formuliert. Wirklich alle? Nein, es gibt eine Ausnahme: Als ich Khun T. von der Tour erzählte, wollte er spontan mit. Obwohl sie bereits um acht Uhr morgens startet.
Am Montag ruft mich Khun T. an und fragt noch einmal nach dem Treffpunkt am Dienstagmorgen. Ich gebe ihm die Beschreibung durch. Er schwört, am Abend nicht auszugehen und nichts zu trinken, damit er auf jeden Fall pünktlich ist. Ich verspreche, ihn zur Sicherheit am Morgen gegen sieben Uhr anzurufen.
Um sieben Uhr morgens klingt mein Wecker: Heute bin ich für ein paar Stunden Tourist. D. aus Berlin und sein Freund verbringen ihren Urlaub in Thailand und haben mich zu einer geführten Fahrradtour durch Bangkok eingeladen. Ich muss mich beeilen: Um acht Uhr ist bereits Treffpunkt in Rama III.
Schon seit langem hatten mich die Touren von Recreational Bangkok Biking interessiert, doch konnte ich zuvor keinen Mitradler finden. Meine Thai-Freunde finden die Fahrrad-Tour doof und verstehen nicht, warum Farangs 1.000 Baht dafür ausgeben, sich vier Stunden lang in der Tageshitze abzustrampeln, nur um Slums, Dschungel und jede Menge Hunde zu sehen. „Dafür könnte man zehn Mal ins Kino gehen“, schüttelte auch Boyfriend Khun E. den Kopf, als ich ihm von meinem Vorhaben erzählte.
Heute bin ich Zeuge einer sexuellen Belästigung geworden, und zwar im Bus auf dem Rückweg von Pattaya nach Bangkok. Boyfriend Khun E. und ich hatten einen Mini-Ausflug an den Strand gemacht.
Wir sitzen in der allerletzten Reihe des „Bokoso“-Busses für 113 Baht, Khun E. am Fenster links, ich neben ihm. Am rechten Fenster hat ein dicker Bayer Platz genommen, dessen Nachbar ist ein vielleicht 17-jähriger Thai, der offensichtlich ziemlich krank ist. Den Mittelplatz nimmt erst eine Frau ein, die jedoch nach einer Minute den Platz tauscht, weil sie nicht neben dem fiebrigen Jungen sitzen möchte. Ein dicklicher, behaarter Thai in den Dreißigern rückt stattdessen nach.
Thailand ist so ein wunderbar tolerantes Land – wenn da nicht die vielen heterosexuellen Expats wären. Insbesondere die deutsche Rentnergeneration, die sich in Pattaya und Patong niedergelassen hat, pflegt ihre Vorurteile aus der Adenauer- oder Ulbricht-Zeit unter Palmen weiter.
Leider sind selbst die deutschen Medien in Thailand in der Hand homophober Starrköpfe, wie ein Beispiel aus der Hobbypostille TIP – Zeitung für Thailand beweist. In der letzten Ausgabe schreibt „Nachtfalke“ zum Thema Gay-Tourismus-Marketing: „Homos und Randgruppen der Gesellschaft sollen Thailands bevorzugte Gastfreundschaft genießen… Ich kann mich an Jugendjahre als Kaufmann erinnern, als man diese Krankheit auch Wüstenfieber nannte.“
Wo wir doch gerade beim Thema Fluggesellschaften sind: Den Oktober wird, wie bereits im Blog erwähnt, mein Mann C. in Bangkok verbringen, und auch mein alter Freund P. hat nun endlich seinen allerersten Thailand-Urlaub gebucht. Beide fliegen mit Mahan Air von Düsseldorf über Teheran nach Bangkok.
Für die Wahl von Mahan Air hat spontan ihr Portemonnaie gestimmt: Nur 470 Euro kostet der Hin- und Rückflug inklusive Steuern. Doch nachdem C. und P. nun ihre per Hand ausgefüllten Tickets aus dem Briefkasten fischten, plagen die beiden alten Bewegungsschwestern arge Gewissensbisse: Darf man eine Fluggesellschaft eines Schurkenstaates benutzen, in dem Schwule wegen ihrer sexuellen Orientierung gehängt werden? Erst letzte Woche wurden wieder 16 Männer hingerichtet.
„Ach, Ihr seid immer noch zusammen?!“, begrüßen uns freudig die Damen im Büro der Fluggesellschaft SriLankan im Charn Isara Tower. Boyfriend Khun E. und ich überreichen im Gegenzug eine Packung Mandelkekse. Das Geschenk war Khun E.‘s Idee, nachdem er zuvor zu Hause das nahende Verfallsdatum entdeckt hatte.
Die innige Beziehung zu den SriLankan-Damen begann in diesem Frühjahr. Nur ein gutes Dutzend Besuche in ihrem Ticket-Büro waren notwendig, um zwei Gabelflüge für Ende April zu buchen: Gemeinsam wollten Khun E. und ich von Bangkok nach Frankfurt fliegen, die Rückreise sollte er jedoch in Paris und ich vier Wochen früher in London antreten. Ein Stopover in Colombo begehrten wir obendrein – bei Aufenthalten zwischen acht und 24 Stunden spendiert SriLankan nämlich ein Hotel. Letztendlich hat auch alles prima geklappt - und außerdem sind uns nun die persönlichen Wünsche und Sorgen aller SriLankan-Ticketreservierungs-Damen in Bangkok bestens bekannt.
Um zwei Uhr nachts, ich bin schon im Bett, klingelt mein Handy. Verschlafen schaue ich auf das Display: eine unbekannte Nummer aus Singapur. Ich schalte den Ton aus, um diese Zeit gehe ich grundsätzlich nicht ans Telefon. Eine Stunde später ein weiterer Anruf. Genervt schalte ich mein Handy komplett aus.
Natürlich weiß ich, wer da angerufen hat: Khun T. Er ist zurzeit auf einer Modemesse in Singapur. Kein anderer Mensch in dem Stadtstaat hat sonst meine Nummer. Und Khun T. liebt es bekanntlich, mich nach einigen “Long Island” aus dem Bett zu klingeln. Wahrscheinlich war er gerade auf dem Weg vom Club “Zouk” zurück in sein Hotel…
Es ist noch zwei Wochen hin, aber bereits jetzt habe ich schlaflose Nächte. Am 12. August ist nämlich Muttertag in Thailand, der traditionell am Geburtstag der Königin begangen wird. Boyfriend Khun E.‘s Großmutter hat gestern gefragt, was „der Farang“ denn essen kann. Was bedeutet: Zur großen Familienfeier bin ich eingeladen.
Nun ist es in Thailand schon etwas Besonders, wenn ein schwuler Sohn oder Enkel seinen Freund an Feiertagen mitbringen darf. Ich jedoch kann solchen zwanghaften Zusammenkünften wenig abgewinnen. Bereits in Deutschland habe ich immer einen großen Bogen um die Verwandtschaft gemacht.
Und mit Grauen denke ich noch an den vergangenen Dezember, als mich Khun E. am Vatertag erstmals seiner wohlhabenden Familie vorgestellt hat. Weiterlesen… »
Ist der Film „Club M2“ in meinem Blog zu positiv weggekommen? Weil der Indie-Streifen direkt aus Bangkoks Szene kommt und einen so genannten Bewegungshintergrund hat?
Diese Frage stelle ich mir, nachdem ich mir heute nun auch die Action-Komödie Tud Soo Food (auf Englisch: “Kung Fu Tootsie”) im Siam Paragon angeschaut habe. Bei dem Kommerzstreifen habe ich deutlich mehr gelacht als gestern bei der Indie-Produktion.
In Bangkoks Kinos laufen zurzeit gleich drei Streifen für den schwulen Filmfreund: In „Tud Soo Foot“ wird der tuntige Sohn eines debilen Mafiapaten wider Willen der neue Boss, während in „The Odd Couple“ eine kleine, dicke Drag Queen die einzige Zeugin in einer Mordserie an schwulen Männern ist. Ich schaue mir jedoch zuerst den Film „Club M2“ an, über dessen Trailer ich schon vor einem Monat berichtet habe.
Das süße schwule Programmkino House ist wie immer leer, nur fünf Leute sitzen insgesamt in der Vorstellung. Der Film von Vitaya Saeng-aroon and Paul Bradley fängt gut an: Ein schwules Paar, der eine HIV-positiv, der andere -negativ, betreibt den „Club M2“, eine Gay-Sauna, die jedoch mehr schlecht als recht läuft. Um das Business anzukurbeln, beschließen die beiden, jeden Raum auf ihre Weise zu „weihen“ – und beginnen mit einem Fick am Pool.
Boyfriend Khun E. muss dienstlich in die Babylon-Sauna: Khun Bat, der Manager von Bangkoks größtem schwulen Schwitztempel, feiert heute seinen Geburtstag mit einer großen Show und Gratis-Snacks – und Khun. E. soll zusammen mit drei Kollegen des HIV-Projekts, für das er hin und wieder als Freelancer arbeitet, Blumen überreichen und Kondome verteilen. Ich begleite die vier ihn die Babylon-Sauna, weil ich Lust auf eine Massage habe.
Flughafen Wien, Zwischenstopp auf dem Rückweg von Köln nach Bangkok mit meiner Lieblings-Airline Austrian. In meinem Handy tausche ich schon mal die deutsche gegen die thailändische SIM-Card aus. Für Minuten später klingelt plötzlich mein Telefon.
Khun T. ist überrascht, dass ich abhebe. Und er ist sturzbetrunken. Ich gucke auf die Uhr: In Bangkok ist es etwa drei Uhr nachts. DJ Station hat gerade zugemacht, lallt Khun T., jetzt will er in einer Hetero-Bar in Patpong weitertanzen. Ich empfehle ihm, besser nach Haus zu fahren und ins Bett zu gehen, doch das hört er nicht mehr. Sein Akku ist alle.
Es braucht nur fünf Dinge, um eine typische deutsche Kneipe in eine Thai-Bar zu verwandeln: 1. Ein Bild des Königs an der Wand. 2. Eine Thai-Fahne vorm Eingang. 3. Eine Buddha-Statue im Regal. 4. Luk Tung aus dem Lautsprecher. Und 5. Singha Beer auf der Getränkekarte.
Gestern hat mich C. ins Eselchen geführt, Kölns lustige Thai-Bar direkt am Alter Markt.
Entschuldigung! Ich weiß, dass man in einem schwulen Blog eigentlich keine nackten Frauen zeigt. Aber bei Emmanuelle Béart muss ich mal eine Ausnahme machen: Die französische Schauspielerin weilte vor vier Wochen - ebenso wie Khun T. und ich - im Resort Le Passe Temps in Krabi.
Hätten Olivier und Kiet, die beiden Resort-Besitzer, uns nicht aufgeklärt, hätten wir allerdings nie erfahren, mit welcher Berühmtheit wir da unseren Kurzurlaub verbringen. Dabei habe ich Madame Béart in drei Filmen sogar schon gesehen: “Der große Blonde auf Freiersfüßen” (1987), “Mission: Impossible” (1996) und “8 Frauen” (2002). Nun drehte die Schauspielerin erstmals in Thailand und wollte zwischen den Shootings nicht in einem Hotelbunker weilen, sondern in einem Öko-Resort relaxen.
Offensichtlich bin ich nicht der erste Europäer, der den Reizen thailändischer Männer verfallen ist. Bereits vor acht Jahrzehnten waren die berühmt-berüchtigten Siam-Boys ein Renner bei den Farangs – und das ganz ohne Gayromeo, Babylon-Sauna und Sunee Plaza.
Das alles kann man nachlesen: Der dänische Reisende Ebbe Kornerup brachte in den späten zwanziger Jahren einen bebilderten Reiseführer heraus, der die Vorzüge des exotischen Landes anschaulich machte. Und dabei ging es nicht nur um unberührte Natur und leckeres Essen…
“Er ist so groß und mächtig”, schwärmt Ebbe Kornerup in der deutschen Ausgabe “Paradies Siam” vom Schiffer Titpan. Er habe “formschöne Lippen, geschwungen wie bei einem jungen griechischen Gott”.
Wenn das wahr ist, was da in thailändischen Webboards diskutiert wird, können Pattaya und Phuket einpacken. Yala und Surin werden die Top-Gay-Destinationen der kommenden Saison.
Worum geht’s? Bei meinem Blogger-Kollegen Phuchai habe ich von hochinteressanten Alltagsstudien über die Schwanzgröße von Thaiboys in Relation zu ihrer Herkunft erfahren.
Ich verbringe das Wochenende in Ostrava, der drittgrößten Stadt Tschechiens. In einem Plattenbau im Stadtteil Svinov wohnt mein Freund L., der mich schon mehrfach in Bangkok besucht hat. Nun bin zum ersten Mal bei ihm.
L. zeigt mir seine Stadt und die Umgebung. Mit einem Sessellift fahren wir auf einen Berg – und mit einem Roller wieder herunter. Sanuk maak maak!
Chirmsak Pinthong, ein 55-jähriger ehemaliger Senator und Anti-Thaksin-Aktivist aus Bangkok, kann sich nicht viel um seine Familie kümmern. Seine Frau ist Botschafterin in Norwegen, seine Tochter studiert in den USA. So verbringt er viel Zeit damit, an der neuen Verfassung mitzuschreiben – er ist einer der 100 Mitglieder der von der Militärregierung eingesetzten verfassungsgebenden Versammlung.
Seit letztem Freitag ist Khun Chirmsak der Held der thailändischen Schwulen, Lesben und Ladyboys. Der hervorragende Redner – im Fernsehen hatte er mal eine eigene Talkshow gehabt – hat seine Kollegen überraschend davon überzeugt, ein Diskriminierungsverbot aufgrund “anderer sexueller Identitäten” in den Verfassungsentwurf aufzunehmen.
Seit über einer Woche habe ich keine Nachricht von meinem schwulen Nachbarn bekommen. Ob er mich nicht mehr mag?
Wir haben noch nie persönlich miteinander gesprochen. Seit ich in dem Condominium-Haus in Silom wohne, habe ich meinen Nachbarn nur zweimal kurz im Treppenhaus an mir vorbeihuschen sehen. Allerdings chatten wir fast täglich auf Gayromeo. Schon kurz nach der ersten Besichtigung der Wohnung und noch vor Unterzeichnung des Mietvertrags bekam ich seine erste Nachricht: “Wohnst du auch im Haus? Hoffe, wir sehen uns bald! Kuss”.
Für gut zwei Wochen fahre ich auf Besuch nach Deutschland. Im Gepäck: die DVD “Ahingsa – Stop To Run”. Sie ist ein bewährtes Mittel gegen Heimweh nach Thailand…
“Ahingsa” ist einer der überraschendsten und ungewöhnlichsten Thai-Filme, aber auch einer der faszinierendsten: Die jungen Helden sind hetero, gammeln herum und dröhnen sich zu, die Schwulen sind böse, gewalttätig und dealen mit Drogen…
Das Leben in den Tropen ist abenteuerlich: Im Garten meines früheren Hauses in der Sathorn Road gab es Kröten und Eichhörnchen, Mäuse und Schaben flitzten durch die Küche, Gekkos krabbelten die Wände auf und ab, und einmal kroch sogar eine schwarze Schlange durch die kleine Soi.
Mein jetziges Apartment in Silom liegt zwar nur einen guten Kilometer entfernt, doch hierhin verirren sich bislang nur Ameisen.
Boyfriend Khun E. und ich führen eine offene Beziehung – auf thailändische Weise. Das heißt, wir erlauben uns gegenseitig ganz großzügig und offiziell, dass wir uns auch mit anderen Männern vergnügen können. Um allerdings gleichzeitig zu beschwören, dass wir so etwas gar nicht beabsichtigen.
Auf diese Weise kommt keiner von uns in Verlegenheit, von tatsächlichen Abenteuern zu berichten.
Khun T.s Laune ist wechselhaft. Am Mittwoch ist er verschlossen und weint plötzlich nachts im Bett. Am Freitag bringt er mir spontan mit dem Taxi einen Kuchen vorbei: ein Fliegenpilz in Herzform. Ob das was zu bedeuten hat?
Ich weiß: Khun T.s Laune ist wechselhaft, weil am Montag mein Boyfriend Khun E. aus Paris zurückkommt.
Hehehe! Das nächste Mal, wenn ich in der Sauna Mania von einem Thai-Boy bedrängt und belästigt werde, renne ich nicht mehr weg, sondern rufe die Polizei.
Thailands gesetzgebende Versammlung hat nämlich diese Woche mit großer Mehrheit ein neues Gesetz gegen sexuelle Gewalt beschlossen: Ab sofort werden auch Männer als Vergewaltigungsopfer anerkannt.
Juchhu, im kommenden Monat kommt ein neuer schwuler Film in die thailändischen Kinos. D.h. eigentlich kommt er nur in ein einziges Kino, denn bislang hat ihn nur das alternative House in Bangkoks Entertainment-Viertel RCA ins Programm aufgenommen.
Natürlich ist “Club M2″ eine Komödie, und wenn man sich den Trailer im Internet anschaut, eine ziemlich alberne mit Verwechslungsgeschichten auf verschiedenen Ebenen. Kurzum: Aufgrund von Missverständnissen verirrt sich ein stattlicher Hetero (auf dem Foto rechts) in eine von Bangkoks vielen schwulen Saunen, jenen fiktiven “Club M2″!
Wie kommt es, dass sich ein Thai und ein Farang in einem einsamen Resort mitten im Dschungel, ohne Fernseher, ohne Handy-Empfang und trotz Dauerregen nicht langweilen? Ganz einfach: Es gibt jede Menge Tiere.
Die erste Kreatur plumpst mir auf den Rücken, als ich unter der Dusche stehe: Der kleine, hellgrüne Frosch krabbelt ganz schnell den Duschvorhang wieder rauf und versteckt sich hinter der Brause.
Boyfriend Khun E. ruft aus Paris an, weint, ist total aufgelöst. Im Haus seiner Familie in Sathorn ist eingebrochen worden. Als seine 72-jährige Großmutter die vier Diebe ertappte, schlugen sie ihr ins Gesicht und forderten sie auf, ruhig zu bleiben. Mit dem Goldschmuck der Familie machten sie sich schließlich aus dem Staub.
Khun E. schluchzt, seine Tante habe ihm am Morgen über den gewaltsamen Einbruch informiert. Mit Großmutter selbst hat er allerdings noch nicht sprechen können.
Auch ich bin entsetzt und frage mich, wie ich Khun E.s Oma helfen kann. Sie ist mit Abstand die netteste seiner vielen Verwandten. Sie lässt mich am Telefon grüßen, und wenn sie kocht, gibt sie manchmal etwas für mich mit. Beim letzten Mal waren es ein leckeres Gaeng Som und Moo Daeng.
In meiner Wohnung in Bangkok gibt es nun ein Souvenir aus Krabi bzw. eine neue Überraschungs- Hinterlassenschaft von Khun T. (siehe auch Die orangefarbene Zahnbürste). Diesmal handelt es sich um ein Paar schwarze Flip-Flops.
Seit fünf Tagen ist Khun T. nun damit beschäftigt, sein Sandalen-Problem zu lösen.
Viele deutsche Thailand-Reiseführer warnen vor den “gefährlichen” Ladyboys, die ahnungslosen Touristen in Patpong eine echte Muschi versprechen oder ihnen gar K.O.-Tropfen in den Mekong-Coke schütten, um an ihre Brieftaschen zu gelangen.
Ein Beitrag zur Ehrenrettung der thailändischen Ladyboys ist heute in der Nation zu lesen: Demnach hat eine ehemalige transsexuelle Schönheitskönigin von ihrem Preisgeld 30 Büffel gekauft und sie an arme Bauern in Lop Buri verteilt, damit diese ihr Einkommen verbessern können.
Samstagmittag im Air-Asia-Flieger nach Krabi fange ich an zu grübeln: Ob es Khun T. gefallen wird? Das kleine Resort Le Passe-Temps ist eine Horrorvorstellung für die meisten Thais. Es liegt zwar direkt am Strand, aber mitten im gefährlichen Dschungel. Ohne Shops oder Clubs in der Nähe, ohne Fernseher auf dem Zimmer und - das Allerschlimmste! - ohne Handyempfang.
“Wohin bringst Du mich bloß?”, fragt mich denn auch Khun T., als der Wagen, der uns am Flughafen abgeholt hat, über einen Feldweg mitten durch den Regenwald ruckelt.
Warum sollte es in Thailand besser zugehen als in Deutschland? Bei den Verhandlungen über eine neue Verfassung haben sich die von der Militärregierung ausgewählten Delegierten gegen die Verankerung eines Diskriminierungsschutzes für Homo- und Transsexuelle ausgesprochen.
Was mich freut: Immerhin 23 der 79 Delegierten befürworteten am Donnerstag die Einbeziehung von “verschiedenen Sexualitäten” in die neue Verfassung. Im Bundestag wäre eine solche Quote von 29% wahrscheinlich auch nur mit großer Mühe erreicht worden.
Seitdem ich in Thailand lebe, bin ich mir meines “Deutschseins” ständig bewusst. Ob in der Sauna, in der Garküche oder im Taxi - als Farang werde ich täglich gefragt, woher ich denn komme. Die Antwort ist mir auch gar nicht mehr so peinlich wie noch vor zehn Jahren. Als Joschka Fischer Außenminister und Johannes Rau Bundespräsident wurde, habe ich mich mit meinem Herkunftsland etwas versöhnt.
“Germany football very good”, lobt der Taxifahrer heute morgen auf dem Weg nach Ploenchit.
“Die deutschen Gäste überweisen ihre Anzahlung immer pünktlich und sind perfekt organisiert”, erzählt der französische Hotelbesitzer aus Krabi beim Mittagessen im Home Pro Building.
Der kleine, junge Wachmann hält mich wahrscheinlich für einen verrückten Millionär. Nach wie vor fragt er mich jeden Tag, was ich zum Mittag gegessen habe. Und wenn ich mit Tüten voll bepackt nach Hause komme, will er zusätzlich wissen, was ich eingekauft habe.
Ich zeige ihm die beiden Erdinger Weißbier, erworben bei Foodland in Patpong. Mit stolzen 119 Baht pro Flasche ist das deutsche Hefeweizen etwa fünfmal so teuer wie das einheimische Leo, welches der Wachmann bevorzugt. Für meinen Luxus-Einkauf habe ich fast soviel ausgegeben, wie er an einem Tag verdient.
in der Nation habe ich heute gelesen, dass Du Dich im Moment zu Dreharbeiten in Thailand aufhältst. Leider habe ich Deine Telefonnummer nicht, aber vielleicht liest Du ja mein Blog…
Ich habe zwar noch nie eine der koreanischen Soap-Operas gesehen, in denen Du mitspielst, und mir bislang auch noch keinen Deiner Songs angehört. Aber in dem tollen Film “King and Clown“, wo Du den jungen Komödianten Gong-Gil spielst und den ich letztes Jahr zusammen mit J. im Siam Paragon gesehen habe, fand ich Dich soooo unglaublich schnuckelig.
Auf einmal war sie da, die orangefarbene Zahnbürste in meinem Badezimmer. Seit ein paar Tagen leistet sie meiner alten grünen Dr. Best Gesellschaft. Niemand hat mir den Eindringling vorher angekündigt. Ich war weder dabei, als die fremde Zahnbürste gekauft wurde, noch habe ich mitbekommen, wann und wie genau sie in mein Badezimmer geschmuggelt worden ist.
Aber die orangefarbene Systema Lion mit elastischem Schwingkopf kann eigentlich nur von einem stammen: Khun T.
Sie ist die thailändische Antwort auf James Bond, Emma Peel und Johnny English: Iron Pussy, die transsexuelle Spitzenagentin im Dienst seiner Majestät König Bhumipol.
Im wahren Leben ein unauffäliger Kassierer in einem der unzähligen 7-Eleven-Shops in Bangkok, läuft Iron Pussy in Stöckeln, Perücke, Kleid und Make-Up zur Hochform auf, wenn es darum geht, gegen das Böse und für Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe zu kämpfen.
Heute habe ich mir die geniale Agentenfilm-Parodie zum zehnten Mal auf DVD angeschaut
Heute vor einem Jahr ist Khun Sali gestorben, an den Folgen von HIV und Aids.
Sali war mein schwuler Lieblingsnachbar in meiner ersten Bangkoker Wohnung im Stadtteil Bang Kae. Wenn ich krank war, brachte er mir Frühlingsrollen von seiner Arbeit im MK-Restaurant mit. Und als ich einmal nachts in der Farose-Sauna in Saphan Kwai zuviel vom Gratis-Whiskey probierte, packte er mich am Schlawittchen und schleppte mich nach Haus.
Mein Boyfriend Khun E. ist noch zwei weitere Wochen in Frankreich. Geld verdienen, d.h. Schwarzarbeiten in zwei Pariser Thai-Restaurants. Mit den Worten “Have fun, I let you free” ließ er mich in Bangkok zurück. Ich habe Khun E.s großzügiges Angebot ausnahmsweise wörtlich genommen und verbringe viel Zeit mit dem süßen Khun T., der mich vor gut zwei Wochen auf Gayromeo überraschte.
Fünf spontane Vergleiche eines Strohwitwers:
Jede SMS von Khun T. beginnt mit “Hey cute Mic!“. Boyfriend Khun E. meint immer, sein letzter Freund sei hübscher gewesen und ich erinnere ihn an Popeye.
Nicht viele Filme aus Europa schaffen den Weg ins thailändische Kino, und wenn, dann sind es meist Streifen, die in der Heimat nicht besonders erfolgreich waren. So bin ich auch auf Poltergay zum ersten Mal in Bangkok gestoßen. Mit Khun T. habe ich mir die französische Komödie neulich im Lido am Siam Square angeschaut. Eine Mischung aus Tunten-Klamotte und Geister-Geschichte - das ist genau das Richtige für das Thai-Publikum.
Der Plot: Das Hetero-Paar Marc und Emma zieht in ein Haus, das seit dreißig Jahren leer steht. Was sie nicht wissen: Im Keller befand sich in den Siebzigern eine schwule Disco, die nach einen Kurzschluss während einer Schaumparty ausbrannte. Fünf Schwuletten kamen dabei ums Leben, geistern seitdem in Schlaghosen im Haus herum und nerven nun die neuen Bewohner mit Boney-M.-Songs in jeder Nacht.
Mein persönliches Jahr des Schweins neigt sich dem Ende entgegen: Meine rote, singende Sparsau, erworben im Juli letzten Jahres in Hanoi, ist fast voll. Fast täglich habe ich sie mit meinem Wechselgeld gefüttert: von der 25-Satang-Münze bis zum 500-Baht-Schein.
Ich habe keine Ahnung, wie viel Geld insgesamt im Schweinebauch schlummert. Anfangs kamen nur Münzen hinein, was sogar soweit ging, dass ich im Restaurant lieber einen 50-Baht-Schein als Trinkgeld gab, um mit den Wechselmünzen neues Futter zu haben. Heute bin ich schlauer, gebe als Tipp lieber die Münzen und schiebe dann zu Hause einen oder mehrere Scheine durch den Schlitz.
Khun S. ruft kurz vor seinem Feierabend um 17 Uhr an, ob ich hungrig bin. In der Regel heißt das, er ist knapp bei der Kasse und sucht jemand, der ihn zum Abendessen einlädt. Ich hab’ nichts dagegen und verabrede mich mit ihm im Jim-Jum-Restaurant am Lumpini-Park. Die etwa 200 Baht sind gut investiert: Allein das lecker-scharfe Thai-Fondue zu essen macht schließlich keinen Spaß, und außerdem erfahre ich dabei den neuesten Tratsch.
So hat Khun S. ein schwerwiegendes Problem: Er sucht händeringend einen Boyfriend in Europa, muss sich aber zwischen drei Farangs entscheiden.
Manche schwulen Businesskonzepte aus Thailand verstehe ich nicht. Heute fiel mir zum Beispiel eine Werbung der Bangkoker Basecamp Co., Ltd. für ihren neuen Onlineshop www.tenga.co.th in die Hände. Im Angebot: so genannte Ona-Cups, die versprechen, unser aller Sexleben zu maximieren.
Die aus Japan importierten Wichs-Tassen mit Luftschleuse sind in fünf Variationen erhältlich. Während man beim Deep Throat Cup den Vakuumdruck im Inneren regulieren kann, soll man bei der Soft Tube-Tasse die außen knetende Hand spüren können. Die Rolling Head-Tasse stimuliert angeblich gezielt die Eichel, und bei der Air Cushion-Variante soll man Luft- wie Außendruck bestimmen können. Für supersafe Partnerspiele wiederum ist der Double Hole Cup mit zwei Löchern gedacht.
Vom Äußeren her ist er überhaupt nicht mein Typ. Zu maskulin, zu jung, ja irgendwie zu durchschnittlich. Aber er ist mit Abstand mein Lieblingskellner hier in Bangkok: Mark, 24, aus Buriram.
Er ist noch nicht allzu lange im Balcony-Team dabei. Im Mai habe ich ihn zum ersten Mal gesehen, als ich mit L. bei einer Flasche 100 Pipers seine gescheiterte Beziehung mit einem anderen Buriram-Boy erörterte. Wir hatten bei Mark geordert - und in den folgenden beiden Stunden kam er stets im richtigen Moment vorbei, um uns beiden nachzuschenken. Im Gegensatz zum Nachbartisch, den Khun B. betreute, mangelte es uns nie an Eis, Mixgetränken und einem frechen Spruch. Lothar vergaß sein gebrochenes Herz, und mir machten an diesem Tag selbst die ewig muffelig dreinschauenden britischen Barbesitzer nichts aus. Als ich die Bottle Card für die angebrochene Whiskeyflasche auf Thai verlangte, grinste Mark.
Durch meinen Lebensmittelpunkt in Bangkok unterstütze ich nicht nur die thailändische Wirtschaft, sondern auch die philippinische. Wie kommt’s? Nein, ich beschäftige keine illegale Putzfrau aus Manila. Es ist der Ginebra San Miguel, den C. zufällig mal im Spirituosenregal des Villa-Supermarkts am Trinity Tower entdeckt hat.
Dieser Gin von den Philippinen ist mit 199 Baht pro 700ml-Flasche nicht nur der günstigste im Sortiment. Er fällt auch auf durch das wunderbar altmodische Design von Flasche und Etikett, letzteres gestaltet von Nationalkünstler Fernando Amorsolo Anfang des vergangenen Jahrhunderts.
Ich öffne die hintere Tür des grün-gelben Taxis und frage höflich auf Thai, ob der Fahrer mich zum Stadtteil Ekamai bringen würde. Der Mann, etwa Mitte Fünfzig, schüttelt den Kopf. Das ist normal in Bangkok: Entweder ist es ihm zu weit oder er fürchtet den Verkehr in der Sukhumvit Road, vielleicht will er Feierabend machen oder er kennt den Weg einfach nicht. Für das schöne deutsche Wort “Fahrgastrecht” gibt es auf Thai keine Entsprechung.
Bei meinem ersten Besuch in Bangkok im Jahr 1999 hatte ich Kopf schüttelnden Taxifahrern noch versucht, den Weg auf einem Stadtplan zu erklären. Einer schaute sehr interessiert auf die Karte, drehte sie dreimal im Kreis und gab sie dann lächelnd zurück. Ein anderer steckte den Plan, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, ins Handschuhfach und bedankte sich höflich für das vermeintliche Geschenk.
Gerade habe ich es mir auf der Hollywoodschaukel auf der Dachterrasse bequem gemacht, kommt schon wieder einer angeschlichen. Bleibt erst in einiger Entfernung stehen, starrt zu mir rüber, läuft vor und zurück, umkreist mich. Angestrengt gucke ich in die jeweils entgegen gesetzte Richtung, vermeide hartnäckig jeden Blickkontakt. In der Berliner Treibhaus-Sauna wird das verstanden: “Ich habe kein Interesse an Dir!” Nicht jedoch so in der Sauna Mania in Bangkok. Nach zwei weiteren Minuten kommt der Typ auf mich zugestürzt und fasst mir in den Schritt.
Normalerweise zwickt oder kitzelt mich der kleine, junge Wachmann nur, wenn ich das Haus betrete oder verlasse. Heute Morgen hat er mir Blumen geschenkt, einfach so.
Zwei thailändische security guards teilen sich die verantwortungsvolle Aufgabe, die mehrheitlich ausländischen Bewohner des siebenstöckigen Hauses rund um die Uhr zu bewachen. Die Nachtschicht von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens übernimmt ein älteres Dickerchen, das meistens in seinem Ledersessel neben der Eingangstür schläft oder Thai-Boxen im Fernsehen guckt. So wie die meisten anderen Wachmänner in Bangkok auch.
Khun T. schien beleidigt. Er ist Redakteur bei Cheeze, einem Modemagazin für Thai-Girlies, und hatte mir neulich zwei Ausgaben seines Magazins gezeigt - das reguläre Heft, wo sein Foto veröffentlicht ist, und eine alte Sonderausgabe mit den “Top 100 Stylish Guys 2006″. Ich interessierte mich jedoch mehr für das Sonderheft als für sein albernes Bild, das ihn mit einer übergroßen Sonnenbrille zeigt.
Den Grund verriet ich ihm erst am Abend in DJ Station nach einigen Drinks, weil es mir doch etwas peinlich war: Mit immerhin drei der “hundert modischsten Thaiboys” war ich schon im Bett. Was wohl weniger an meinem ausschweifenden Sexleben und unwiderstehlichen Charme liegt als vielmehr daran, dass schwule Redakteure vor allem schwule Freunde und Bekannte als Models engagieren. Und das schwule Bangkok überhaupt ein Dorf ist.
Nudeln sind in Thailand nicht einfach nur Nudeln. Will man eine Suppe essen, hat man die Qual der Wahl und muss sich zwischen sen yai (breite Bandnudeln), sen mii (schmale Bandnudeln) oder sen lek (Fadennudeln) entscheiden.
Am tom-yam-Stand im Food Court des United Towers bin ich jetzt auf sen lek abonniert. Schon bei meinem zweiten Besuch dort hatte ich mich die ältere Nudelköchin wiedererkannt und mich freundlich mit “sen lek, chai mai?” (sen lek, nicht wahr?) begrüßt.