Irgendwie scheint sie etwas kleiner geworden zu sein, auf jeden Fall ist sie runder als noch vor gut sechs Jahren, als ich sie das letzte Mal in Wörishofen gesehen habe. Sie ist auch nicht mehr ganz die Power-Oma, als die ich sie in Erinnerung habe. Etwas kurzatmig ist sie geworden, und zwischendurch schaltet sie sich einfach mal ab, schweigt vor sich hin, um Energie zu tanken. Lustig aber ihre Selbstwahrnehmung. "Über mir im Mietshaus: Ein einziges Altersheim" Und: "In der Innenstadt gibt es mehr Gehwägelchen als Kinderwägelchen, das schreckt doch die jungen Leute ab." Meine Oma ist 76 Jahre alt.
Archiv: Mai 2004
2004 30 Mai
“Froide, Fraihait und Zärtlischkeit”
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Goldene Hochzeiten können anstrengen, zumal wenn man ein relativ unbeteiligter Gast ist. Rudi und Zenzi aus Schöneschach sind seit 50 Jahren verheiratet, eine respektvolle Leistung, in der Tat. Leider tut der Pfarrer in der Kirche St. Justina alles, um mir zu bestätigen, dass mein Kirchenaustritt seinerzeit berechtigt war. Wie kann dieser unvorbereitete Klops, der zölibatär lebt, es wagen, vor diesen beiden erfahrenen Menschen rhetorisch miserabel und inhaltlich daneben darüber zu predigen, wie es mit dem Zusammenleben zweier Menschen funktioniert? Familienfeiern sind spannend, wenn man jemanden findet, mit dem man trinken kann (ich habe aber an dem Abend die nüchterne Rolle des Fahrers übernommen), oder, man trifft spannende Menschen. Ein bisschen mehr weiß ich nun über das Leben als Bauer in Schwaben und warum der Weizenpreis von heute weniger wert ist, als der in den 50er Jahren. Aber so richtig prickelnd war es nicht. Stattdessen jede Menge Gedichte über Freude und Freiheit und so ein Schmarrn oder gar umgetextete Lieder zum Mitsingen… seufz
2004 29 Mai
Späte Ehrung für R.W. Fassbinder
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Die Bad Wörishofer Rundschau meldet heute: "Jetzt kommt Rainer Werner Fassbinder auch in seiner Geburtsstadt Bad Wörishofen zu späten Ehren. 22 Jahre nach seinem Tod wird ihm in Kürze eine Gedenktafel gewidmet. Vor dem Bad Wörishofer Kino, laut Bürgermeister Klaus Holetschek eine gute Verbindung zu seinem Schaffen, wird sie an den großen Sohn der Stadt erinnern. Fassbinder kam am 31. Mai 1945 im Handwerker-Erholungsheim in der Lindenallee 5, der heutigen Adolf-Scholz-Allee zur Welt. [...] Kinobetreiber Rudolf Huber wird die Enthüllung der Gedenktafel in eine Matinee kleiden. Die Schauspielerin Irm Herrmann hat ihr Kommen bereits zugesagt." Rudolf Huber betreibt auch das Kino im Nachbarort Türkheim, in dem im vergangenen Frühjahr ein schul-lesbischer Filmtag stattfand. In diesem Jahr musste er das schmucke kleine Wörishofer Kino dafür aufsperren, der Andrang und das Interesse waren so groß. Huber ist jemand, – das zeigen zahlreiche Aufnahmen in einem Schaukasten im Kino – der gerne Promis wie Daniel Brühl einlädt um sie fürs Foto zu umarmen.
2004 28 Mai
Weiß-blau ist’s am Schönsten
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Alles ist noch an seinem Platz, so wie ich es von meinem letzten Besuch vor sechs Jahren in Erinnerung habe. Warum sollte sich in Bad Wörishofen, der Stadt des Wasserdoktors und Pfarrers Sebastian Kneipp (Bild) auch groß was ändern? Selbst die Klappen am Bahnhof und unterhalb des Kirchplatzes existieren noch. Nun gut, hinzugekommen ist jetzt ein großer Vergnügungspark vor der den Toren der Stadt und seit Mai gibt es das Spaßbad "blue" mit Therme und Saunlandschaft. Langweilen brauche ich mich nicht. Wenn ich wollte, könnte ich heute Abend dem Pumuckl-Sprecher Hans Clarin lauschen, morgen das Travestie-Duo "The Red Shoe-Boys" im Kurhaus beklatschen ("Erleben Sie die legitimen Nachfolger von Mary & Gordy live! – Kinderermäßigung"). Oder ich schaue mir auf der Großleinwand die Ausstrahlung der Volksmusiksendung "Weiß-blau ist's am Schönsten" an, die hier vor ein paar Wochen aufgezeichnet worden ist. Aber das lasse ich mal lieber. Ich erwäge, den Supermarkt mit den "30 verschiedenen Weißbier-Sorten" zu besuchen. Oder den Laden mit dem Schwermer-Marzipan. Und ich gebe mich diesem unglaublichen Flashback hin, den ich hier mit allen Sinnen an allen Ecken erlebe. Warum riecht die Bettwäsche in Omas Gästebett noch genau so, wie ich es seit meiner Kindheit in Erinnerung habe?
Aaaarrrggh! Schon wieder so ein gayromeo-Profil, in dem ich lesen muss: "ich beiße nicht". Das ist zum in die Tischkante nagen, denn dieser vermeintlich neckische Spruch ist ungefähr so verbreitet wie Homosexualität unter Priestern. Ich kann ja noch all die Ja-was-soll-ich-hier-nur-Reinschreiben-Schreiber verstehen, wir alle haben mal 'ne Schreib-Blockade, aber bei der Floskel hört es bei mir auf. Besonders superoriginell ist die Variante: "Ich beiße nicht, oder nur, wenn Du es willst". Hihihi und Kicher. Kleine Erhebung bei gayromeo: Die Suche nach dem Wort "beiße" spuckt mir 859 Profile aus.
2004 25 Mai
Der Tod vor dem gelaserten Auge
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Es ist brüllend heiß. 95 Grad treiben mir den Schweiß aus den Poren.
"Ich habe mir letztes Jahr die Augen in Ankara lasern lassen", erzählt der Jüngling mit den Rosen auf dem Arm.
Ich starre dumpf vor mich hin, das wackelige Holzgestell erinnert mich an das vorgestern eingestürzte Terminal am Flughafen Charles de Gaulles. Es tropft von der Stirn auf meine Füße.
"Letzte Woche soll hier einer in der Trockensauna tot umgefallen sein", verrät der Bursche, der auch am Hintern eine Rose trägt.
ein Herzschlag beschleunigt stark. Die Brötchen, die ich morgens auftaue, sind auch nach zehn Minuten durch.
"45 Jahre alt, er ist noch raus und dann vor die Glastür zur Terasse geknallt, weg war er."
In seinem Bauchnabel glitzert ein Schmuckstück.
Ich muss hier raus, und dringend unter die kalte Dusche!
F. stammt aus Hongkong, mit seinem Freund lebt er seit ein paar Jahren in Deutschland, Eingetragene Lebenspartnerschaft. F. beschwert sich, dass er mit ihm nur einmal im Jahr Sex erlebe, ansonsten habe sein Lebenspartner kein Interesse. Als sie sich kennen lernten, war das Liebesleben noch aufregender, da gab es immerhin viermal Sex im ersten Jahr. Das komische dabei: Eine erklärt offene Beziehung führen sie auch nicht. Man redet einfach nicht drüber. Und F. sucht sich ab und an heimlich Männer…
2004 22 Mai
Every day above ground is a good one
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Ich habe gerade die letzte Folge der dritten Staffel von "Six Feet Under" gesehen, sehr schön und ein furioses Finale mit Gänsehauteffekt. HBO gibt mir SFU-Süchtigen Hoffnung: Im Juni geht es im US-Fernsehen mit der vierten Staffel weiter, der Trailer zur neuen Season ist schon geil!

gesehen von Dennis…
Nun ist es Horst Köhler geworden, welch Überraschung. Und das, obwohl – laut Welt-Kolumnist Zippert – Gesine Schwan doch "frisurentechnisch haushoch überlegen" sei…