
Er fiel gleich auf unter all den Normalos, die auf den Flieger nach Berlin warteten: Zu großes, rot leuchtendes T-Shirt mit irgendeinem verwaschenen Logo, überdimensionale Kopfhörer auf dem kurzgeschorenen Schädel. Überraschung an Bord: Wir sitzen in einer Reihe. Während der Kapitän in sein Mikro nuschelt, tippt er mich an: „Entschuldigung, wo geht dieser Flug hin?“ „Äh, na ja, nach Berlin halt.“ Ich schaue ihn irritiert an. „Ah gut, ich hatte grad verstanden, wir fliegen nach Belgien.“
Kurz vor Berlin geht das Gespräch weiter. Rapper ist er, hat mit 14 angefangen, jetzt ist er 17 und macht mit bei Aggro, ein Label für deutsche Rapper. Er singt Texte über Leute, die mit einem Fernglas in anderer Leute Fenster schauen und da Goldbarren auf Tischen liegen sehen, oder so ähnlich. Vielleicht hätte ich ja schon mal “Sido” bei MTV oder VIVA gesehen. Jetzt käme er gerade aus Düren von seiner Oma. “In Düren ist die Auswahl an Mädels nicht so groß, da hat Berlin eindeutig die bessere Auswahl”, betont er. Bei dem Thema ziehe ich es vor, zu schweigen. Dann will er wissen, was ich in Berlin wolle, ich erzähle es ihm. “Und in Köln? Frau, Kinder?” “Nee, Freund!” antworte ich. “Schwul?” “Ja”. Jetzt ist er es, der verstummt. Macht aber nix, denn der Flieger landet auch schon. “Gib mir mal ein Interview, wenn Du berühmt bist”, verabschiede ich ihn lachend. Eigentlich ist das aber eine ziemlich gehässige Bemerkung…
Gerade mal bei Aggro recherchiert: Der Star dort ist der Rapper Sido, der sich auch gern den Titel “Arschfickmann” gibt. Hier der dazugehörige Text:
