
“Die Temperaturen erreichen nachts 30 Grad, tagsüber werden 38 Grad erwartet“ Flugkapitän Wolf lässt keinen Zweifel, wir nähern uns Bangkok. Mit den Aussichten auf Extremtemperaturen und zwei Wochen Fun in Südostasien steigt meine Laune gemeinsam mit dem Thermometer. Selbst das Frühstück um 6:11 Uhr deutscher Sommerzeit (Omelette mit Würg-Geschmack) stört mich da nicht…
Archiv: März 2005
2005 27 Mrz
Im Dampfbad greift nach mir ein Monster…
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Das Cruisen in der schwulen Sauna ist ja in der Regel ein komplexer Vorgang, mit vielen Ritualen, Regeln und noch viel mehr möglichen Missverständnissen. Irgendwie muss man dem Gegenüber im Dampfbad bei Sichtweiten unter zwei Metern klar machen, dass man ihn scharf findet. Dann sollte der Andere zurück funken, dass er ebenfalls Lust auf Dich hat und schließlich muss man noch allen Anderen verdeutlichen, ob man lieber zu zweit bleiben will oder ob die Einladung zum Gruppensex gilt. Noch etwas mehr Signalisierungsarbeit hat man, wenn man zu zweit auf die Pirsch geht, wie wir gestern in der Phoenix-Sauna. Doof nur, wenn jemand beschließt, alle winkende Zaunpfähle zu ignorieren, vor allem, wenn deren Bedeutung “Nein danke!” ist… (auf “weiterlesen” klicken)

Wesley Crusher ist zurück! Wir erinnern uns: In Folge 20, siebte Season (Journey`s End) quittiert Fähnrich Crusher seinen Dienst bei der Sternenflotte, verabschiedet sich von der Crew der Enterprise, um anschließend mit einem Mann (dem Zeitreisenden aus Folge 5 der ersten Season: Where No One Has Gone Before) in neue Dimensionen zu entfleuchen. Schauspieler Wil Wheaton ist die Rolle des kuhäugigen naiven Jungen, der an Bord der Next Generation-Enterprise zum Mann reifte, nie so ganz los geworden. Wie schön, dass Wheaton – trotz Zeitreise wie wir alle gealtert – jetzt auf seinem Weblog wieder zu sehen ist (Danke an Caliban für die Entdeckung!). Der Schauspieler berichtet von seinen derzeitigen Aktivitäten. Und in seiner FAQ verrät er auch, ob er denn, wie viele damals vermuteten oder hofften, schwul ist, oder nicht…

In Köln kann man sich verkleiden wie der letzte Depp, zu jeder Jahreszeit mit Narrenkappe und Hasenkostüm auf der Straße herumlaufen, es kümmert niemanden. Aber wehe, man rennt mal mit einer Wasserpfeife durch die Gegend. Die Leute starren, als ob man ein Außerirdischer wäre, der eine ganz gefährliche Strahlenwaffe in den Tentakeln hält. So ist es uns in den vergangenen Tagen ergangen. Am Freitag haben wir unseren Freund Georg besucht, der uns ein sehr hübsches Exemplar von Wasserpfeife aus Tunesien mitgebracht hat. Eine Shisha, wie sie dort in den Teehäusern steht, sehr leicht zu rauchen und ordentlich verarbeitet. Das neue Schmuckstück, das wir an dem Abend gleich mit ein paar Leuten eingeweiht haben, wird unsere alte Pfeife ablösen, die eigentlich mehr als Dekoobjekt gedacht war und mit der man nur sehr eingeschränkt rauchen konnte. Georg ist inzwischen ein echter Experte für Wasserpfeifen, kennt jeden Trick, um aus den schmucken verzierten Türmchen außerordentlich effektive Nebelmaschinen zu machen. Um ein weit verbreitetes Vorurteil mal beiseite zu räumen: Es geht beim Wasserpfeife rauchen nicht ums kiffen (obwohl das damit auch klappen soll, hab es noch nicht probiert). Der reguläre aromatisierte Tabak – zum Beispiel Apfel, Minze, Rose – reicht eigentlich völlig aus, um sich leicht zu beduseln und seeehr entspannt zu werden. Zum Beispiel nach dem Transport einer Shisha durch die Kölner Innenstadt nach Hause…

Auf Radio 1 lief neulich eine Coverversion des Nina Simone-Klassikers „Feeling good“, dem ich hier schon mal gehuldigt habe. Eine Neufassung, die aufhorchen lässt: Die Stimme des jungen Sängers aus Vancouver und das Big Band-Arrangement dieses Songs ergeben zusammen eine wunderbare Interpretation, die bombastischer als das Original klingt. Kurz: Einfach geil! Die Website des Burschen spricht – um es mal so auszudrücken – nicht nur heterosexuelle Frauen an. Der kann so richtig schön traurig gucken und dazu seine niedlichen Segelohren! Dumm nur, dass er einen News-Bereich auf der Seite hat, der unter anderem auf das aktuelle Video eines Live-Auftritts bei David Letterman verweist. In dem Video sieht der scheinbar so schmale Bursche ziemlich aufgequollen auf. Anyway, Mr Buble ist so oder so eine musikalische Entdeckung wert.

Die Bäckerei-Kette Kamps tarnt neuerdings ihre Schoko-Croissants. Zum einen fehlt ab und an die Schokoladenverzierung obendrauf, so dass sie von gewöhnlichen Croissants nicht mehr zu unterscheiden sind. Zum anderen heißen die Schoko-Croissants jetzt Butter-Croissants. Nur im klein gedruckten auf dem Schild wird verraten, dass sie mit Schokocreme gefüllt sind. Den Zweck dieser Verschleierungstaktik konnte mir der Verkäufer auch nicht nennen. „Wir haben schon neue Schilder bestellt“, meint er achselzuckend.

Seit ein paar Wochen kreisen die Geier am Rudolfplatz. Anfang Januar haben sie ihren Horst notdürftig in einem kleinen Ladenlokal an der Ecke Friesenwall, einem ehemaligen Fotoladen, bezogen. Von dort schwärmen sie aus und umschwirren alle ahnungslosen Fußgänger: „Hallo, wollen sie mal kostenlos die Citibank-Kreditkarte testen?“ Es gibt zwei Probleme. Die Geier haben nur ein Drei-Minuten-Gedächtnis, und ich muss einfach ab und an zum Rudolfplatz, um in die Bahn zu steigen. Ich habe bereits alles versucht: Böse zurück gucken, auf den Boden starren, interessiert in die Ferne blicken, „Nein“ knurren. Nichts hält die schrägen Vögel davon ab, mir beim nächsten Mal wieder in den Weg zu treten. Gestern meinte ich noch recht höflich zu dem dicken Obergeier mit Brille: „Merken Sie sich mal mein Gesicht, ich möchte nicht dauernd von Ihnen angesprochen werden.“ „Deshalb spreche ich sie ja an“, antwortet Brilli-Vogel völlig unlogisch und wirft mir ein beleidigtes „Schönen Tag noch!“ hinterher.
Was soll ich als nächstes tun? In Gutsherrenmanier „Aus dem Weg!“ brüllen? Schwierig, ich besitze weder Pferd noch Kutsche, mit denen ich durch die lästige Meute preschen könnte. Nicht mal einen Spazierstock habe ich zum zornigen Fuchteln. In meiner bösen Fantasie ist der Konflikt längst eskaliert. Ich würde jedes Mal „Verpiss Dich“ zischen, dem Obergeier würde ich eine lautstarke Szene machen auf dem Platz („moderne Wegelagerei, lästiger als Schmeißfliegen“, usw. usf.), solange, bis die Leute zusammen strömen und mir applaudieren. Irgendwann, so hoffe ich, sind die Kreditkarten-Dealer dann so frustriert, dass sie den Laden wieder zumachen. Na ja, wahrscheinlicher ist, dass ich künftig nur noch am Friesenplatz ein- und aussteige.

“Wenn drei Leut zusammenstehn, heißt einer Novak”, heißt es in Wien. Ich bin dem Novak kürzlich auf WDR4 begegnet, ein Sender, der ja inzwischen einen sehr hohen Camp- und Trashfaktor besitzt, und gar nicht mehr so omahaft und volkstümlich klingt. Manchmal laufen auch echte Raritäten dort, wie eben neulich. Cissy Kramer, eine mir bis dato unbekannte österreichische Künstlerin singt einen Chanson vom “Novak”. Ich vermute, ein Stück aus den 20er, 30er Jahren. Umwerfend frech wie Claire Waldoffs “Wer schmeißt denn da mit Lehm”, aber eben gepaart mit dem typischen Wiener Schmäh, nicht so rotzig berlinerisch. Meine Recherchen im Netz zu Cissy Kramer waren sehr unergiebig, vielleicht kann mir jemand weiterhelfen. Herausgefunden habe ich allerdings, dass es vom “Novak” drei verschiedene Versionen, genauer gesagt, zwei Fortsetzungen gibt. Auf “weiterlesen” klicken, wer den Text der ersten Version lesen möchte.
Update am 11.03.: Jetzt isses geklärt. Erstens heißt die Gute Cissy Kraner (womit wir lernen: wenn man bei Google schon falsch sucht, erhält man eben nur die Einträge, wo ebenfalls der Name verkehrt geschrieben ist). Zweitens gibt es eine alles klärende Bio hier.

Nachdem die Süddeutsche so überaus erfolgreich mit ihrer Klassiker-Roman-Bibliothek war, will das Münchner Verlagshaus es jetzt mit einer DVD-Reihe versuchen. 50 Filme in 50 Wochen erscheinen nun, zum Auftakt gab es gestern Luchino Viscontis Epos „Der Leopard“ gratis zur Samstagsausgabe der SZ dazu. Die Auswahl der Filme ist wirklich prima, es sind einige Highlights der vergangenen Jahrzehnte darunter, auch ein paar homorelevante Streifen wie „Das Fest“, „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, „Alles über meine Mutter“ oder „Tanz der Vampire“. Leider sind die DVDs nicht ganz so günstig wie die Bücher der SZ-Bibliothek, die es für 5 Euro das Stück gab. Einzelne Filme kosten 9,90 Euro. Nur wer sich im Abo alle Streifen bestellt, kommt auf sieben Euro pro DVD.
Eine Übersicht der erscheinenden Filme gibt es hier
Mehrere Besuche im queercom-Büro in den vergangenen Tagen, die zu denken geben. Sind die Hartz IV-Opfer bereits alle auf der Straße unterwegs, verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Einkommen? „Brauchen Sie Putzfrau?“ fragt die junge Frau. „Nein“ entgegne ich wider besseren Wissens und mühsam den vor Dreck starrenden Büroboden ignorierend. „Brauchen Sie Praktikantin?“ fragt sie weiter. „Für was?“ „Für Sekretariat!“ „Nein, leider auch nicht.“ Zwei Tage später: „Hey, braucht Ihr nen Fensterputzer“, fragt der langhaarige Spätdreißiger. Wieder kriege ich rote Ohren (die Fenster sind vor einem Jahr das letzte Mal mit einem Schwamm in Berührung gekommen) und lüge „Nein, leider.“ Heute betritt ein kleiner Japaner in den Fünfzigern das Büro, verneigt sich höflich: „Konnichi Wa! Ich verkaufe diese kleinen Blumen.“ „Das ist sehr süß“, bedanke ich mich und finde die kleine Kakteensammlung tatsächlich nett. „Die würden aber bei uns nicht lang überleben“, winke ich ab. Eine weitere Verbeugung, weg ist er. Wer kommt als Nächstes?
