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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: Samstag, 2. April 2005

concorde (11k image)
„I believe, i can fly“ schreit es aus den Lautsprechern über den Sitzplätzen im Flieger von Air Asia. Es tut wirklich richtig weh in den Ohren. Mein schmerzhaft verzerrtes Gesicht quittiert die Stewardess cool mit dem Hinweis: „Ja ja, das ist leider nur eine schlechte Kopie auf Band, die Qualität ist nicht so gut.“ Auf die Idee, es mal leise zu stellen kommt sie nicht. Dann stürmt eine Horde aufgeregter Kinder herein und ein Baby – wenige Reihen hinter uns – beginnt ein infernalisches Geheul. „Komm,dafür hat der Flug nur zehn Euro gekostet,“ meint Micha lakonisch inmitten des tosenden Lärms. Er weiß, mit Sparargumenten kann er mich immer beruhigen.
Nach zwei Nächten in Kuala Lumpur sind wir am Freitag auf dem Weg nach Singapur. Der verspätete Inlandsflug bringt uns zunächst zum Flughafen in Johor Baru nahe der Grenze. Das Taxi fährt uns bis zur Grenzstation, von dort aus geht es weiter mit dem Linienbus in die Innenstadt von Singapur. Im Holiday Inn Atrium – einem beeindruckendem 27-stöckigen Hotelbau aus den Siebzigern – haben wir diesmal die Heilige Bibel und die Lehren Buddhas als Lektüre zur Auswahl. Und was empfiehlt uns Buddha für künftige Flüge mit Air Asia?
„Es gibt vier Zustände des Geistes, die der nach Erleuchtung Suchende anstreben sollte: Dies sind Mitleid, Zärtlichkeit, Fröhlichkeit und Gleichmut. Gier kann besiegt werden durch Mitleid; Ärger kann beseitigt werden durch Zärtlichkeit; Leiden verschwindet durch Fröhlichkeit und diskriminierendes Verhalten von Freund wie Feind überwindet man durch Gleichmut.“

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2005 2 Apr

Gay Tantra im Bambu Sa

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petrona (15k image)
"Do you come for massage or for spa?" "Both" "Massage ist 50 Ringgit for one hour. It is made by a man, and after that you can use the spa." Der freundliche Schnauzbart am Eingang der Bambu Sa-Sauna mit Massageservice reicht uns die Schlüssel für die Schließfächer, fünf Minuten später liegen wir frisch geduscht in getrennten Kabinen mit esoterisch angehauchter Pling Plang-Musik. Die abgespeckte Version eines Sumoringers betritt meine Kammer, haucht ein "Hello" und zieht sich das T-Shirt aus. Ich muss mich nackt auf den Bauch legen und prompt geht es los. Der Mann ist gut, zwischendurch scheint er drei bis vier Hände zu haben, die sanft und kräftig zugleich über meine Beine und meinen Rücken streifen. Etwas unruhig werde ich, als er auch die Muskulatur meines Hinters intensiv durchwalkt. Ich stelle mir Szenen eines Sumoringkampfes vor, um erfolgreich eine Erektion zu verhindern, und bete darum, seinen Dödel nicht zu spüren, als er sich auf meinen Hintern setzt, um die Rückenpartie zu bearbeiten. Glücklicherweise ist er diskret genug. Als ich mich auf den Rücken legen muss, lässt es sich leider nicht mehr vermeiden, dass ich auf seine Berührungen reagiere. Was aber vor allem daran liegt, dass seine Massagewellen von der Brust runter immer erst unterhalb des Schamhaares enden. Während ich noch überlege, ob ich mich für mein ungebührliches Verhalten entschuldigen soll, nimmt er nochmal eine ordentliche Portion vom Massageöl, um sich die Hoden und die Prostataregion dahinter vorzunehmen. Warum hat mich niemand vorgewarnt? Ich muss auch nochmal im Gay Tantra-Buch nachschauen, wie diese einzelnen Massagetechniken heißen, die er da anwandte, aber es hatte nichts mit Sex zu tun. Da bin ich mir sicher. Ein wenig froh bin ich, dass Mr. Sumo auch kurz danach von der Region ablässt und mich mit ein wenig Chiropraktik, bei der die Gelenke ordentlich knacken, wieder auf den Teppich bringt.

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2005 2 Apr

Mr. Come on

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comeon (6k image)
Die Blue Boy Bar – der einzige richtig einschlägige Laden – ist ein dunkles muffiges Loch, aber ein sehr kommunikatives. Hinter der Theke regieren Transen mit großen Zähnen, die das Tigerbier großzügig bis an Rand einschenken. Man darf nur nicht zu früh dort auftauchen, wie wir, die wir ja nur mal ein Bier trinken gehen und dann schlafen gehen wollten. Die Aussicht auf die „Miss Blue Boy International“-Wahl, sprich eine aller Voraussicht nach trashige Tuntenshow – hält uns dann doch länger. Und natürlich die netten Männer, die – sagen wir es mal so – für eine ausgesprochen cruisy Atmosphäre sorgen. Gegen Mitternacht taucht dann Irwan auf, betrunken aber niedlich. „Come on“ ist eine seiner Lieblingsfloskeln, die er in seinem Redeschwall immer wieder loslässt. Wir verstehen fast gar nichts von seinem Englisch und umgekehrt geht es ihm wohl auch so, aber beide Seiten lächeln freundlich und nicken wissend. Erstaunlich: Homosexualität ist in Malaysia verboten, Oral- und Analsex kann mit bis zu 20 Jahren Gefängnis und öffentlichem Auspeitschen bestraft werden. Und dennoch gibt es diese kleine lustige Partyszene, die zusammengerechnet sicherlich mehrere tausend Jahre Knast und nicht endend wollende Auspeitschungen auf dem Buckel hat. Auch im Hotel gibt es keinen Stress, als wird dort zu dritt auftauchen, mit der Absicht, uns strafbar zu machen.

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2005 2 Apr

Tuntutan Bagasi

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koran (5k image)
Regenbogen begleiten unsere Reise. Der erste leuchtet über dem Rollfeld des Köln-Bonner Flughafens, während wir wegen des Gewitters auf eine andere Startbahn gelenkt werden. Das zweite Mal scheint er kurz vor der Landung in Kuala Lumpur durch das Fenster. Malaysia ist die erste Station unserer Tour.
„Tuntutan Bagasi“ heißt hier das Gepäcklaufband, immerhin kann man hier die Schriftzeichen – anders als in Thailand – lesen. Auf Anhieb verblüfft uns, wie viele orientalische Einflüsse in diesem südostasiatischen Land zu finden sind. Im Hotelzimmer liegt statt der Bibel der Koran (Foto), viele Frauen laufen mit Kopftuch herum, arabische Musik dudelt aus dem Radio im Taxi, die Nationalmoschee, an der wir vorbei fahren, ist ein beeindruckend schöner wie großer Bau. Von weitem sehen die 421 Meter hohen Petrona Tower-Doppeltürme mickrig aus. Das zweithöchste Gebäude der Welt wirkt erst so richtig, wenn man davor steht, wie wir später merken werden.

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