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Archiv: Sonntag, 3. April 2005

2005 3 Apr

Neulich im Handtuch-Club

Abgelegt unter: Schwul | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

towelclub (4k image)
Es regnet permanent bis zum späten Samstag-Nachmittag, wir beschließen, die neue Sauna „Towel Club“ auszuprobieren. Singapur hat sich in den letzten drei Jahren ein wenig offener gegenüber Schwulen und Lesben gezeigt, was einen kleinen Boom in der kommerziellen Szene ausgelöst hat. Die neue Freiheit hat zwar ihre Grenzen, offiziell sind homosexuelle Handlungen weiterhin strafbar und vor kurzem meinte der Gesundheitsminister noch, dass das Ausrichten großer Events für Schwule die Verbreitung von Aids fördere. Doch es tut sich was im Stadtstaat.
„Aus welchem Land kommen Sie? Haben Sie ihren Ausweis dabei? Woher haben Sie vom Towel Club erfahren? Wie lange gedenken Sie in Singapur zu bleiben? Werden Sie morgen noch einmal wiederkommen?“ Der Eintritt in den Schwitztempel wird durch ein Verhör an der Kasse eröffnet. So viel wollte noch nicht einmal der Zollbeamte an der Grenze in Singapur von uns wissen. Einen Antrag auf eine Clubmitgliedschaft muss man ausfüllen, bevor man hinein darf. Wie in Italien wird hier wohl versucht, Stress mit den Behörden zu vermeiden. Was Clubmitglieder mit ihren anderen Mitgliedern so anstellen, interessiert niemanden, es ist ja schließlich eine private geschlossene „Benutzergruppe“.
Etwas streng nach Desinfektionsmitteln riecht es, selbst der heiße Wasserdampf in der Dampfsauna trägt Domestos-Flair mit sich.. Das wundert nicht in einem Land, wo das Ausspucken von Kaugummi auf der Straße mit Strafe belegt ist. Leider gibt es keine Trockensauna in der ansonsten recht schicken Einrichtung. Der Laden ist eher auf das Anbahnen sexueller Handlungen ausgerichtet, weniger aufs klassische Schwitzen. Die Rituale zur Kontaktaufnahme im mit zahlreichen Spiegeln versehenen Cruising-Labyrinth stellen uns allerdings vor ein Rätsel. Alle schauen grimmig drein, offensichtlich wird Interesse an jemanden mit vorgetäuschter Interesselosigkeit bekundet. Mehrmals beobachten wir, wie Leute sich mehrere Minuten lang regungslos gegenüber stehen, um dann plötzlich in einer der Kabinen – die offiziell als Meditationsräume deklariert sind – zu verschwinden. Das allerdeutlichste Signal, das Micha erkennen kann, ist ein Klopfen im Vorübergehen von jemandem neben ihm an die Wand. Das soll wohl so viel wie „Mitkommen!“ heißen. Fazit für uns nach entspannenden vier Stunden: Dies ist DIE Sauna in Südostasien, in der man in Ruhe gelassen wird, ob man es will oder nicht!

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