
Seit fünf Tagen laufe ich mir die Füße heiß. Ich habe mir nämlich vorgenommen, den Aufenthalt in Turin mit möglichst viel Bewegung zu verbinden. Was auch sinnvoll ist, da die tägliche Ernährung mit Croissants zum Frühstück und Pizza am Abend extrem kalorienreich ist. Das heißt also mindestens einmal täglich von der Piazza Vittorio Veneto zum Multisala Teatro Nuovo, wo das Filmfestival stattfindet. Damit bin ich schon mal insgesamt eine Stunde unterwegs. In der Regel kommen aber noch mehr Wege dazu. Denn um an eine aktuelle Tageszeitung aus Deutschland zu kommen, muss ich einen Umweg über den Bahnhof Porta Nuovo machen, macht eine halbe Stunde mehr. Und wenn man dann noch am Vormittag das Filmmuseum besucht, oder sonst wo herum schlendert zwischen den Vorführungen, komme ich auf zwei bis drei Stunden tägliches Wandern. Am Samstag hatte ich schrecklichen Muskelkater in den Oberschenkeln, inzwischen geht es. Theoretisch könnte ich auch die Bahn benutzen, aber die fährt entweder zur falschen Zeit, oder wegen des Nationalfeiertags (Foto) wie heute gar nicht, und die Tabaccheria-Läden, die als einzige Fahrscheine verkaufen (nein, es gibt keine Automaten in den Bahnen) haben immer zu, wenn mir einfällt, dass ich doch mal Straßenbahn fahren möchte. Eines ist sicher: Ich laufe ganz offensichtlich wie ein stinknormaler Turiner durch die Straßen, nicht wie ein Tourist. Ich bin bislang mindestens einmal am Tag nach dem Weg gefragt worden. „Scusi, no palare Italiano“ kommt mir inzwischen locker über die Lippen.
