Es gibt bestimmte Menschen, die automatisch mein Agressionszentrum aktivieren, so wie andere ohne weiteres mein Lustzentrum stimulieren. Von ersteren soll jetzt mal die Rede sein. Dazu gehören zum Beispiel die besoffenen Prolos, die regelmäßig laut krakeelend aus der Kneipe am Friesenwall/Ecke Palmstraße – also einen schwulen Steinwurf vom Büro entfernt – taumeln, und meinen, sie müssten jetzt ihre Sauf-Kumpels verkloppen. Oder aber wie diese Frau, die wir gerade eben beim Italiener am Friesenwall – zwei heterosexuelle Steinwürfe vom Büro entfernt – auszuhalten hatten. Micha und ich sind ja beide darauf konditioniert, in öffentlichen Räumen diskret und leise miteinander zu sprechen. Die junge Dame hinter mir jedoch hatte so eine quäkende Stimme, die man noch zehn Meter weiter gut vernimmt. Sie näselte unüberhörbar in einem fort, selbst als sie ihre Pizza hatte und sie redete unglücklicherweise auch noch pausenlos dummes Zeug: „Also, wenn ich diese trägerlosen T-Shirts trage, sind meine Schultern immer so frei, irgendwieeee.“Wir rollen mit den Augen. „Der Samstag ist immer so aaanstrengend, irgendwie. Morgens Solarium, dann gehe ich einkaufen, danach zum Sport, und dann nochmal einkaufen. Da ist man ganz schön kaputt danaaaach.“ Wir beißen in die Tischkante. „Hat’s geschmeckt?“ fragt der Kellner. „Jaahaa, war sehr viel, aber war seehr läckaaa!“ Wir fliehen…
