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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: Juni 2005

2005 30 Jun

Jede Menge schmutzige Worte

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Hydra Productions
Zwischen 30 und 40 Besucher kamen gestern abend zur Lesung ins Midnight Sun. In der Kellerbar war es so unglaublich schwül, dass wir alle das Gefühl hatten, in einer Dampfsauna zu sitzen. Das Publikum hatte – mit Ausnahme einer Lesbe, die offensichtlich eine andere Veranstaltung erwartet hatte – seinen Spaß, während Micha und ich mit Schweiß auf der Stirn die erotischen Texte vorlasen und interpretierten. Offensichtlich animiert von den Temperaturen schlug uns der anwesende Betreiber der Phoenix-Sauna vor, demnächst auch mal eine Lesung in seinem Schwitztempel zu veranstalten. Der Einladung folgen wir gern. Eine Bildergalerie zu “Queerotic – Dirty Talk in der Cruising Bar” gibt es hier.

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Heute ein Hinweis in eigener Sache und eine herzliche Einladung an alle, die sich am kommenden Mittwoch eventuell gerade in Köln tummeln und noch nix zu tun haben. Micha und ich lesen im Rahmen des Sommerblut-Kulturfestivals schweinische Texte vor. Die Pressemitteilung: Ganz schön doll trieben es die alten Literaten, zumindest in ihren Worten und Gedanken. Jean Genet betete den Körper des Seemannes Querelle an, Oscar Wilde ließ es heftig lustvoll zugehen in seiner Erzählung “Teleny”. Aber auch die Autoren der Moderne nehmen kein Blatt vor den Mund. Ob Detlev Meyer, der in Reimform den Körper seines Lovers erkundet, oder Michael Sollorz, der durch den dunklen Park cruist. Homoerotische Texte, spritzige Bettszenen, pornografische O-Töne und jede Menge nackter Tatsachen präsentieren Micha Schulze und Christian Scheuß in ihrer Lesung in der schwulen Cruisingbar Midnight Sun. Ein multimedialer Zuhör-Abend für homophile Erotiker und bibliophile Lustknaben, offen für Menschen jeglicher geschlechtlicher und sexueller Orientierung – und eine prima Gelegenheit für Frauen, eine schwule “Men only” Sex-Bar von innen zu sehen.
Queerotic – Dirty Talk in der Cruising Bar: Erregende Texte von Jean Genet, Oscar Wilde, Detlev Meyer und Co. Mittwoch, 29. Juni 2005, 21 Uhr, The Midnight Sun, Richard-Wagner-Str. 25, 50674 Köln

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2005 23 Jun

Berliner Momente

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Freitagnachmittag (17.6.): Komisch wenn alle Männer, die sich in der Treibhaus-Sauna im Prenzlberg an die frei zugänglichen Computer setzen, als erstes die gayromeo-Seite aufrufen , um dort mit anderen zu chatten oder sich Profilbilder anzusehen. Interessieren die virtuellen Typen inzwischen mehr als die realen? Immerhin: Peter Plate von Rosenstolz, der die Treppe Richtung Dampfraum hochsteigt, ist echt.
Freitagabend: Ich muss mich erst wieder an die berühmte Berliner Freundlichkeit gewöhnen. „Ich hätte gern zwei Weizenbier“ ordere ich in der Heilen Welt. „Was heißt`n dit?“ fragt der Kellner zurück und will damit erkunden, ob ich ein Kristallweizen, ein helles oder ein dunkles Hefeweizen möchte. Immerhin: Während ich mit Micha so ahnungslos in der Bar sitze, spricht auf einmal ein Mann im Vorbeigehen in mein Ohr: „Du bist die schweinegeilste Sau hier in dem Laden“.
Samstagvormittag (18.6.): Unser Infostand in der Fuggerstraße zum schwul-lesbischen Straßenfest ist aufgebaut, die Leute können kommen. Leider tauchen erst die Kiddies auf, die nach Kondomen und Kaugummis fragen und die Gestörten, die einfach Kugelschreiber und Deko mitgehen lassen wollen. Wir müssen unsere Augen überall haben, damit wir nicht innerhalb kürzester Zeit ausgeraubt sind.
Samstagabend: Blöd ist, wenn man schon nachmittags mit dem Weizenbiertrinken beginnt. Als wir gegen 22 Uhr den Stand verlassen und das Hotelzimmer erreicht haben, fallen wir beide beinahe augenblicklich in den Schlaf.
Sonntagnachmittag (19.6.): Beim Promitalk auf der Bühne muss Bundesumweltminister Jürgen Trittin zugeben, das er nicht weiß, aus welchem Film das Zitat „Ohne meinen Fächer kann ich nicht singen“ stammt. Georg Ueckers homosexuelles Allgemeinwissen ist intakt: „Ein Käfig voller Narren“.
Sonntagabend: Niedersachsens Schwulenreferent Hans Hengelein schaut am Stand vorbei, zusammen mit Rainer Schilling (DAH) und Michael Bochow (der mit den Umfragen zum Sexualverhalten schwuler Männer in den Zeiten von Aids). Die drei liefern so eine Art Standup comedy ab, in der sie gegenseitig über sich und andere lästern. Auch Micha wird nicht verschont: „Wann warst Du denn das letzte Mal linksradikal?“ fragt ihn Hans Hengelein spöttisch, nachdem er erfahren hat, dass Micha und ich verpartnert sind. „Weiß nicht”, kontert Micha. „Da muss ich mal im Kalender nachsehen.“

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2005 13 Jun

Nicht schuldig!

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Just beat it! Nach 14-wöchigen Gerichtsverhandlungen im Prozeß um mögliche Kindesmißhandlung ist Michael Jackson frei gesprochen worden! In allen zehn Anklagepunkten befand die zwölfköpfige Jury aus vier Männern und acht Frauen um 23:15 Uhr deutscher Sommerzeit: Nicht schuldig. Der Sänger, der in Begleitung seiner Familie das Gericht in Santa Monica, Kalifornien betrat, verließ unmittelbar nach Verlesung des Urteils ohne jede Stellungnahme und ohne jedes “I love you all” eilig das Gerichtsgebäude. CNN überträgt seit viertel vor elf das Gerichtsdrama, das sich spannender gestaltet, als alle bisherigen Sendungen von TV-Richterin Barbara Salesch zusammen. Zahlreiche Fans vor dem Gericht feiern den Freispruch. Kommt jetzt das neue Album? Wird es “Touch me” heißen? Wird er dafür die Wiener Sängerknaben engagieren und mit ihnen eine Coverversion von “I will survive” einspielen? Und wird er sich jemals wieder auf der Bühne in den Schritt fassen?

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podcast (6k image)
So schnell geht das mit den Trends im Internet. Die deutsche Blogosphäre ist gerade noch im Aufbau, da gibt es schon wieder eine neue Möglichkeit, sich und seine Sicht der Welt den restlichen Erdbewohnern mitzuteilen. Bloggen ist out, podcasten ist in. Hier werden keine Texte, sondern Töne produziert und zum Download angeboten. Wer einen Computer mit Soundkarte und Mikrofon hat, hat eigentlich schon alles, um zum Podcaster zu werden. Man nimmt auf, was man möchte, konvertiert es zu einem mp3-file und stellt es per RSS-Feed ins Netz. Eine Software, ein so genannter Podcatcher, auf der Hörerseite ist in der Lage, die RSS-Feeds auszulesen. Man wählt den Beitrag aus, dem man lauschen möchte und lädt ihn auf die Festplatte. Es ist also so eine Art Bürgerfunk, nur das man keine Radiostation benötigt und keine teuren Tonstudios. Zwei Sachen habe ich mir angehört, die überraschenderweise nicht so grottig waren, wie es sonst häufig die Bürgerfunksendungen im Lokalradio sind. Ein norddeutscher Tankwart mit komödiantischem Talent erzählt von seinen Stammkunden, und welche Sorte er mag und welche nicht. Und ein gewisser Herbert beschäftigt sich mit neurolinguistischer Kommunikation und wie man die in der Werbung einsetzen kann: Ein Telefoninterview über Skype mit einem anderen Experten, dem ich als Laie sogar mühelos folgen kann. Geile Sache also das Podcasten, hier die deutsche Anlaufstelle www.podcast.de.

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grott (15k image)
Für alle, die unter ähnlichen Dialogen leiden wie den unten stehenden, gibt es bei gayromeo nun den wunderbaren Club der Chatgeschädigten „Grott“, mit einer Sammlung der schönsten schrecklichen Dialoge. Ebenfalls nett zu lesen die dazu passende Website www.grott.de

-> User “xxxxx” möchte dich zum Chat einladen…
xxxxx: »Hi geil?«
FootballMurx: »Nein, nicht wirklich, bin grade im Büro«
xxxxx: »bist echt nich geil«
FootballMurx: »Nö, sorry«
xxxxx: »später?«
FootballMurx: »Wäre gut möglich«
xxxxx: »siehst geil aus«
FootballMurx: »Danke. Kann das Kompliment leider nicht zurück geben, du hast ja keine Fotos im Profil…«
xxxxx: »hab keienn scanner. schau aber gut aus. bock auf treffen?«
FootbalMurx: »*seufz*«

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2005 9 Jun

Willst Du mit mir gehen?

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nena (7k image)
Mein neuer Ohrwurm, seit der Titel gestern bei Radio1 lief: Nenas zweite Singleauskopplung aus dem gleichnamigen Album „Willst Du mit mir gehen?“. Klingt irgendwie pubertär, aber Nena hat sich wohl neu erfunden, ihr Leben neu entdeckt, oder irgend so etwas: “Mein Leben fängt von vorne an, mein Leben ist ganz neu, und wenn du dabei sein willst, dann bist du jetzt dabei.” Ist auf jeden Fall zum lauten Mitsingen geeignet, während man die Kopfhörer auf hat. Und klingt wesentlich besser, als dieses asthmatisch geschnaufte „Liebe ist“, das zuvor wochenlang in den Charts war.

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geheim (11k image)
Es ist keine gute Idee, in der Straßenbahn Bücher wie „Geheimwissen männlicher Multi-Orgasmus“ zu lesen. Die Leute auf der anderen Seite der Sitzbank gucken so komisch. Etwas erschrocken und leicht amüsiert zugleich. Mit einem abschätzenden Blick, so als wollten sie heraus finden, ob man mir mehr als einen Höhepunkt zutrauen kann. Ist aber interessant das Büchlein von Mike Kleist. Er hat sich lange Zeit mit taoistischer Liebeslehre sowie tantrischen Lustritualen beschäftigt und räumt mit vielen Vorurteilen auf. Zum Beispiel dem, das Ejakulation und Orgasmus ein und dasselbe sind. Das nur Frauen zu multiplen Orgasmen fähig und das „trockene Orgasmen“ nicht so befriedigend seien. Der Schlüssel zum männlichen multiplen Orgasmus liegt im permanenten Training des Pubococcygeus-Muskel. Das ist der, der in der Prostatagegend hängt und mit dem man zum Beispiel das Pinkeln steuert. Im Tao nennt man die Stelle den „Punkt der Million Goldstücke“. Multiple Orgasmen und Erektion, so Kleist, erhält man durch das Unterbinden der Ejakulation, gesteuert durch den PC-Muskel. Potenzsteigernd und Penisvergrößernd soll das Ganze auch noch wirken. Ich bin schon fleißig dabei, meinen PC-Muskel zu trainieren…

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2005 7 Jun

Teste Deine Vorurteile

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gaystraight (3k image)
Welche Vorurteile schleppst Du mit Dir herum? Keine, denkst Du? Schließlich bist Du schwul, und kennst daher die unangenehmen Situationen, in denen andere Dir gegenüber Vorbehalte haben? Nun, kann sein, das an dieser Theorie etwas dran ist. Allerdings nutzt auch das erfolgreichste Coming Out nichts, um wirklich alle negativen Gefühle gegenüber anderen Menschengruppen abzubauen. Schwule sind zum Beispiel gern mal frauenfeindlich. Ein neuer psychologischer Test, entwickelt von mehreren amerikanischen Universitäten, den man online ausprobieren kann, bringt aufschlussreiche Erkenntnisse über die eigenen Vorurteilsstrukturen. In mehreren Kategorien wird man in zehnminütigen englischsprachigen Abfragen durchgecheckt. Begriffspaare wie „homosexuell“ und „gut“ oder „heterosexuell“ und „schlecht“ werden im raschen Wechsel gezeigt und müssen zugeordnet werden. Dabei wird die Reaktionszeit gemessen. Zusammen mit der Selbsteinschätzung, die man für sich abgibt, spuckt die Testmaske am Ende aus, wie distanziert man gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen ist. Vorsicht: der Gay-Test ist für Heterosexuelle geschrieben, das mögliche Ergebnis, man bevorzuge Heteros, ist da etwas irritierend.

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drusus (16k image)
Ich war richtig gerührt, als Pa heute ein kleine Schatulle vor mir auf den Tisch stellte und fragte, ob ich die Taschenuhr von seinem Pa haben wolle. Opas Erbstück ist zwischen 60 und 70 Jahre alt, tickt aber weiter munter vor sich hin, und scheint die meiste Zeit in dem kleinen Kästchen mit dem Lederetui geschlummert zu haben. Es gibt kaum Gebrauchsspuren. Die Sprungdeckeluhr Marke Drusus ist vom Uhrenhersteller Paul Drusenbaum produziert worden. Im Internet finden sich nur wenige Hinweise, ein paar Auktionen von Drusus-Uhren, die um 1930 fabriziert wurden. Im Deckelinneren befindet sich eine Gravur, die ineinander verschlungenen Buchstaben H und S für Heinrich Scheuß. Ein sehr schönes (Erinnerungs-)Geschenk für mich, den Uhrenfetischisten…

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