
Freitagnachmittag (17.6.): Komisch wenn alle Männer, die sich in der Treibhaus-Sauna im Prenzlberg an die frei zugänglichen Computer setzen, als erstes die gayromeo-Seite aufrufen , um dort mit anderen zu chatten oder sich Profilbilder anzusehen. Interessieren die virtuellen Typen inzwischen mehr als die realen? Immerhin: Peter Plate von Rosenstolz, der die Treppe Richtung Dampfraum hochsteigt, ist echt.
Freitagabend: Ich muss mich erst wieder an die berühmte Berliner Freundlichkeit gewöhnen. „Ich hätte gern zwei Weizenbier“ ordere ich in der Heilen Welt. „Was heißt`n dit?“ fragt der Kellner zurück und will damit erkunden, ob ich ein Kristallweizen, ein helles oder ein dunkles Hefeweizen möchte. Immerhin: Während ich mit Micha so ahnungslos in der Bar sitze, spricht auf einmal ein Mann im Vorbeigehen in mein Ohr: „Du bist die schweinegeilste Sau hier in dem Laden“.
Samstagvormittag (18.6.): Unser Infostand in der Fuggerstraße zum schwul-lesbischen Straßenfest ist aufgebaut, die Leute können kommen. Leider tauchen erst die Kiddies auf, die nach Kondomen und Kaugummis fragen und die Gestörten, die einfach Kugelschreiber und Deko mitgehen lassen wollen. Wir müssen unsere Augen überall haben, damit wir nicht innerhalb kürzester Zeit ausgeraubt sind.
Samstagabend: Blöd ist, wenn man schon nachmittags mit dem Weizenbiertrinken beginnt. Als wir gegen 22 Uhr den Stand verlassen und das Hotelzimmer erreicht haben, fallen wir beide beinahe augenblicklich in den Schlaf.
Sonntagnachmittag (19.6.): Beim Promitalk auf der Bühne muss Bundesumweltminister Jürgen Trittin zugeben, das er nicht weiß, aus welchem Film das Zitat „Ohne meinen Fächer kann ich nicht singen“ stammt. Georg Ueckers homosexuelles Allgemeinwissen ist intakt: „Ein Käfig voller Narren“.
Sonntagabend: Niedersachsens Schwulenreferent Hans Hengelein schaut am Stand vorbei, zusammen mit Rainer Schilling (DAH) und Michael Bochow (der mit den Umfragen zum Sexualverhalten schwuler Männer in den Zeiten von Aids). Die drei liefern so eine Art Standup comedy ab, in der sie gegenseitig über sich und andere lästern. Auch Micha wird nicht verschont: „Wann warst Du denn das letzte Mal linksradikal?“ fragt ihn Hans Hengelein spöttisch, nachdem er erfahren hat, dass Micha und ich verpartnert sind. „Weiß nicht”, kontert Micha. „Da muss ich mal im Kalender nachsehen.“
