
Ich gebe zu, mit Poppers kenne ich mich aus. Verblüfft bin ich, als ich die Tage bei gayromeo in einem Profil lese: „Einmal PP oder Eisspray und los geht’s.“ Eisspray? Wo um Himmels Willen sprüht man sich das denn drauf? Ich ahnungsloses Mäuschen frage bei dem Sexsuchenden nach. „Das sprüht man in ein Taschentuch und inhaliert es. Ist allerdings nur für den passiven Part zu empfehlen, weil dabei alles abschlafft“, klärt er mich auf. OK, alles klar, ein alternativer Schnüffelstoff. Statt einer Nase Amylnitrit eine Portion Chlorethyl. „Dr. Henning muss es aber sein“ bekomme ich noch mit auf den Weg. Gestern in der Apotheke frage ich forsch nach Eisspray. Der junge Apotheker verzieht keine Miene, fragt auch nicht, ob ich das günstigere Präparat von Ratiopharm haben möchte und stellt mir „Dr. Henning“ hin. „Kennen Sie sich damit aus? Damit kein größerer Schaden entsteht…“ fragt er. Ob er etwas ahnt? Ich sehe schließlich nicht aus wie ein Profisportler. Allerdings auch nicht wie ein jugendlicher Klebstoffschnüffler, der sich alles mögliche unter die Nase hält. Daheim inhaliere ich zunächst ganz vorsichtig, es passiert überhaupt nichts. Ich ziehe das leicht süßlich riechende Gas tiefer in meine Lungen, und plötzlich setzt die Wirkung ein: In meinem Nacken geht eine Heizung an. Jemand legt eine elektrische Spannung an meinen Kopf, die Haut fühlt sich ganz kribbelig an. Mein Mund steht halb offen, registriere ich zwischendurch, das sieht bestimmt dämlich aus. Meine Sehstärke erhöht sich um 100 Prozent, alles ist viel schärfer. Und dann setzt dieser komische Klingelton ein, so einer, wie man ihn bei Windows kennt, wenn man versehentlich etwas Schweres auf die Tastatur gelegt hat, und der Rechner beschwert sich mit einem permanenten „bimbimbimbimbim“. Nach zwei Minuten ist die Glocke weg, der Strom wieder abgestellt und die Wärme schwindet. Mir ist nicht klar, wieso jemand in so einem unangenehmen Zustand Sex haben kann und will.
Archiv: Juli 2005

Die Schwulen in San Francisco haben es gut. Wenn sie freiwillig für einen Syphilistest in die städtische Klinik gehen, und diesen nebenstehenden Gutschein vorzeigen, bekommen sie anschließend einen Kupon im Wert von fünf Dollar, den sie im schwulen Buchladen in der Castrostreet eintauschen dürfen. Vielleicht sollte ich morgen mal beim schwulen Buchladen „Bruno`s“ reingehen, und fragen, ob ich mir jetzt auch ein Buch aussuchen und kostenlos mitnehmen dürfe. Denn schließlich habe ich sogar eine Syphilis. Seit heute ist der rote „Ulcus am Frenulum“ amtlich als „Lues I“, sprich als Syphilis im ersten Stadium diagnostiziert. Und während ich dies schreibe, schmerzen die fetten Depotladungen an Penicillin, die ich in die Muskulatur meines zarten Hinterns gejagt bekommen habe. Jetzt heißt es abwarten, bis die rote Pocke am Dödel wieder verschwunden ist und solange keinen Sex (mit anderen).
Somit habe jetzt mehr als genug Zeit, um ein gutes Buch zu lesen. „Sie sind der Fünfte in dieser Woche. Und alles schwule Männer“, freute sich der Dermatologe, während er mich piesackte. Fünf Fälle bei einem Dermatologen, das lässt erahnen, was derzeit in Köln in der Szene los ist…

Irgendwie schon echt nett von Bundes-Horst, mit seiner Ansprache bis nach dem Wetterbericht der Tagesschau zu warten. Als höchster Mann im Staate hätte er ja auch entscheiden können, die Auflösung des Bundestages um Punkt acht bekannt zu geben. „Ich muss heim, um viertel nach acht steht das Essen dem Tisch. Last es uns mal schnell hinter uns bringen“, hätte er sagen können, und die ARD wäre ihm gefolgt. Aber so wünschte man sich nichts sehnlicher, als das Jens Riewa endlich fertig ist und der Bundespräsi vor dieser etwas schmucklosen Bundesadlertapete seine Entscheidung bekannt gibt: “Ich habe heute den 15. Bundestag aufgelöst und Neuwahlen für den 18. September angesetzt.” Vielleicht sollte er vor seiner nächsten Fernsehansprache aber nochmal etwas Ablesen vom Teleprompter üben. Sein Blick in die Kamera wirkte wie der eines verängstigten Frosches. Und dann machte er immer so unnatürliche Pausen und blickte dabei zu Boden, als ob ihm der Aufnahmeleiter im Studio zwischendurch ein Schild hinhielt mit der Aufschrift: „Hol mal Luft, Horst!“

Heute ist ein guter Tag für einen kleinen musikalischen Ausflug in die Achtziger Keine Angst, keine NDW und auch kein Italo-Pop. Nein, es ist eine kleine avantgardistische Band, die 1984 mit ihrem ersten Album „It’ll end in tears“ in der Indie-Szene bekannt wurde. Erst 1986 mit „Filigree & Shadow“ lernte ich die Briten kennen und lieben, die sich im Dunstkreis von „Dead can Dance“ und den „Cocteau Twins“ bewegten. Das letzte Album „Blood“ von 1990, das ich gerade höre, war bereits ihr letztes. Düstere Klanggebilde, sphärische Gesänge, melancholisch-traurige Texte über Liebe und Leben und Tod bestimmen die Atmosphäre dieser Konzeptalben. Ein wunderbarer und zeitloser Soundtrack für düstere Stimmungslagen. Die Übersetzungsmaschine von Google ist übrigens scheiße. „Mortal Coil“ mit „Todspule“ zu übersetzen, gaaanz toll!. Sachdienliche Übersetzungen bitte zu mir…

Angefangen hat es vor ungefähr zwei Jahren. Da hatte ich begonnen, sämtliche CDs aus unserem Regal komprimiert auf die Festplatte zu beamen. Die MP3-Sammlung hat inzwischen die 30 GB-Marke erreicht, die meisten CDs sind im Allesschlucker ebay verschwunden, ein Rest schlummert als Backup im Keller. Jetzt sind die Bücherregale dran. Leider gibt es noch keine Möglichkeit, den Inhalt der bedruckten Seiten ähnlich komfortabel in eine digitale Form zu bringen. Also bleibt einem nur die Möglichkeit, sich den gesammelten Werken zu entledigen. Auch das ist ein kontinuierlicher Prozess in den vergangenen zwei Jahren gewesen. Jetzt aber geht es ans Eingemachte. Die Bücher, die man bislang aus diversen Gründen fälschlicherweise für unentbehrlich gehalten hat, kommen ebenfalls unter den Hammer. Das bringt pekuniär gesehen nichts, denn für vergilbte, gelesene, verknickte Mängelexemplar- und Remittenden-Taschenbücher gibt eigentlich niemand Geld aus. Der eigentliche Zweck der Übung ist, sich selbst mehr Freiraum zu verschaffen. Besitztümer abzugeben, wegzuwerfen oder zu verramschen, die man nicht wirklich braucht, das befreit. Wenn am Ende von vier vollgestopften Billy-Regalen nur noch eines übrig bleibt mit der Essenz an Dichtung und Sachbuch, die man tatsächlich noch aus dem ein oder anderen beruflichen Grund benötigt, dann erzeugt das ein gutes Gefühl. Und die Wohnung ist mit einem Mal unglaublich groß.
2005 18 Jul
Mit dem Billigflieger zum Nachtzug
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Venedig hat uns viel Spaß gemacht Anfang Juli (siehe Foto). Um diese Geschichte mal schnell noch nachzuschieben. Nach der Lesung In Linz sind wir schnurstracks mit dem Zug in die Gondelmetropole gezuckelt. Ein Tag reicht, um die schnuckelige Stadt zu erwandern, Gondoliere bei ihrer sangesträchtigen Arbeit in den italienischen Grachten zu bestaunen und sich darüber zu wundern, dass sich Touristen auf den verkackten Boden des Markusplatzes legen, um sich mit Vogelfutter zu bestreuen und freudig glucksend von den massenweise Kacke produzierenden Tauben besteigen und bepicken zu lassen…(Zum Weiterlesen auf „weiterlesen“ klicken)

Wenn ich Manager wäre und dazu gerne im Fummel rumlaufen würde: ich würde keinesfalls bei Sixt mieten. Denn die haben nur diese Business-Bonzenkarren wie den BMW 3er oder den A-Klasse-Benz, olle Familienkutschen wie den VW Passat, oder so Pseudo-Lifestyle Karren wie das Beetle-Cabrio. Dabei gäbe es für mich als Tuntenmanagerin, die es sich leisten kann, aufgebrezelt und mit keckem Blick – wie auf der Reklametafel – ins Büro zu stolzieren, nur eine Wagenklasse, die standesgemäß wäre: Den großen silbernen Bus aus „Priscilla – Königin der Wüste“, inklusive dem riesigen roten Stöckel auf dem Dach. Und den gibt es bei Sixt eben nicht zu mieten…

Ok, ich verstehe es ja, der Freizeitpark in Bottrop-Kirchhellen muss irgendwie an seine Gäste kommen. Aber welches halbwegs aufgeweckte Kind formuliert solche Stoßgebete? „Willse wat auf’n Kopp dropp, gezze mal nach Bottrop“, fällt mir dazu ein. Oder der Mantafahrer-Blondinenwitz. Sie stöhnt: “Küss mich! Da, wo es am schönsten ist“ Er erbost: „Bisse bekloppt? Ich faah doch jezz nich nach Bottrop!“ Bevor ich jetzt böse beschimpft werde: So wie Schwule sich Homowitze erzählen dürfen, so dürfen sich Bottroper über Tegtmeier-City lustig machen. Ja, ich bin dort geboren, und habe es erstaunlich lange 27 Jahre dort ausgehalten. Dann war der Fluchtinstinkt größer und ich zog in die große Metropole Berlin um letztlich hier in Köln zu landen. Seitdem habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis zum Heimatort im Pott. Einerseits fahre ich gern ab und an mal dorthin, um die Familie zu besuchen. Andererseits ist die „Großstadt“ mit ihren 120.000 Einwohnern für mich der Inbegriff des Stillstandes. Es kommt mir jedes Mal vor, als würde ich in die Vergangenheit reisen, so wenig ändert sich dort. Für ein paar Stunden ist diese „Rückreise“ ok, aber ich würde dort nicht wieder leben wollen. Also bitte, bitte, nicht nach Bottrop.

Ach, was war das schön, damals in den Achtzigern, als die „Golden Girls“ regelmäßig über den Bildschirm flimmerten, und die ganze Homogemeinde sah den vier eitlen Damen im reiferen Alter zu: Blanche, die Männer jagende Südstaatenschönheit, bringt immer wieder neue Eroberungen mit nach Hause, was Dorothy, einer geschiedenen Ex-Lehrerin, nicht wirklich in den Kram passt und das macht sie auch immer mit viel Sarkasmus deutlich. Rose, die Naivität in Person, kann den Gesprächen der anderen meist nicht so recht folgen, hat jedoch ein gutmütiges Herz. Dorothys Mutter Sophia gibt zu jedem Thema ihren speziellen Kommentar ab und komplettiert die Damen-Runde mit Geschichten aus ihrer Jugend. Die daraus resultierenden Zwistigkeiten werden aber spätestens am Abend in der Küche bei einem Stück Käsekuchen bereinigt…
Die Golden Girls wurden damals Kult, weil sie zickige Tunten und Schwulenmuttis zugleich verkörperten. Alle, die sie damals nicht sehen konnten, weil sie zu jung waren, können sich jetzt gemeinsam mit den Kennern darüber freuen, dass zum ersten Mal die mehrfach ausgezeichnete Comedy TV-Serie um das ungewöhnlichste WG-Quartett von Miami seit heute auf DVD erhältlich ist. Also Käsekuchen auf den Tisch und die vier Girls genießen.

Lesung aus dem Fremdgehen-Buch Anfang Juli in Oberösterreich. Genauer gesagt in Linz. Nach rund einem Dutzend Lesungen in Homozentren, Buchhandlungen und Stadtbibliotheken unser erster Auftritt in einem kleinen Varieté-Theater mit Bühne, Beleuchtungsprobe und Künstlergarderobe. Auch inhaltlich passte es: Gerade vor unserem Abend lief zum letzten Mal „Offene Zweierbeziehung“ von Dario Fo, im Herbst soll das Stück „Der perfekte Ehebrecher“ aufgeführt werden. Das Publikum reagiert so offen und neugierig – auch hinterher mit Fragen – wie keines zuvor. Selbst beim späten Abendessen nach dem Auftritt beim Türken auf dem Hauptplatz reden alle nur über offene Beziehungen und Fremdgehen. Ich mag die Linzer. Erst recht, als wir mit Helga (Foto Mitte – Ihr Lieblingswort: „Supaa“) – Michas alter Freundin, die uns beherbergt – noch ins „Insass“ gehen. Am Mittwoch gibt es alle Getränke zum halben Preis. Entsprechend voll und lustig war`s.
