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Archiv: Freitag, 19. August 2005

2005 19 Aug

Aloha für Benedetto

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papamobil (14k image)
Die Mobilisierung per eMail funktionierte perfekt. Hatte doch der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) – sonst Ausrichter des Cologne Pride – Wochen zuvor dazu eingeladen, den Papst zum Weltjugendtag mit Regenbogenfahnen zu begrüßen. Der Tag, an dem Benedikt XVI. in seinem Papamobil durch die Stadt rollen sollte, stand lange fest. Nicht jedoch der genaue Zeitpunkt und Ort für die homosexuelle Präsenz am Wegesrand. Die eMail mit diesen wichtigen Daten wurde am Donnerstagmorgen los geschickt und über zig Kanäle in Windeseile weitergeleitet. Der Erfolg: Mehrere hundert Schwule und Lesben versammelten sich um 18 Uhr unweit des Doms, und machten das Warten auf „Bendetto“ zu einem kleinen Happening. Köln erlebte seinen zweiten, kleinen CSD.

Die Lesbentrommelgruppe übte erfolgreich, lautstarke Rhythmen mit sechs Instrumenten auf zwei Quadratmetern Platz zu erzeugen, die La-Ola-Wellen der katholischen Gruppen diesseits des Absperrgitters wurde mit Aloha-Rufen und Knickhändchen jenseits gekontert. Lesbische Halleluja-Rufe wurden per Megafon verstärkt, „Ich glaube. Ich bin schwul!“ und „Ich lebe in Sünde“-Transparente ragten in den blauen Himmel. Der Geschäftsführer des Lesben-und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) Klaus Jetz trug gar ein mannshohes Kreuz in Regenbogenfarben.

Das Getümmel war mitunter so groß, dass die Mitarbeiter der Aids-Hilfe mit ihren Bauchläden voller Kondome keinen Meter weiter kamen. Sie waren dennoch heilfroh, hier zu sein, denn mitunter waren sie von fanatischen Christen ziemlich übel angemacht worden. „Ein amerikanischer Priester hat uns angeschrien, und meinte, man solle uns verbrennen“, empörte sich eine der Präventionshelferinnen. Als das Papamobil endlich mit über einer Stunde Verspätung heranrollte, kochte die Stimmung auf dem Höhepunkt. Die Lesben trommelten sich die Seele aus dem Leib und immer lauter skandierte die bunte Menge „Wir sind alle homosexuell, homosexuell, homosexuell“ frei nach „Zieht den Bayern die Lederhose aus“. Der Bayer Ratzinger mag sich für einen kurzen Moment gefreut haben über die vielen bunten Fahnen und winkte huldvoll seinen schwul-lesbischen Schäfchen zu. Sekunden später war der Spuk vorbei.

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