
Stefan Niggemeier hatte Recht. In der Frankfurter Sonntagszeitung machte sich der Journalist über den inszenierten Hype rund um das „TV-Duell“ zwischen Merkel und Schröder lustig. „Am besten ist es um 20:30 ein-, und um 22 Uhr wieder abzuschalten“, riet er. Tatsächlich gab es eine viertel Stunde vor Beginn des Streitgespräch aber auch gar nichts Wichtiges zu sagen, wie Anne Will mit ihrer etwas hilflosen Livemoderation bewies. Und auch beim Zappen danach durch alle vier beteiligten Sender ARD, ZDF, RTL und Sat1 zeigte sich: Es wurden haufenweise Analysen und Meinungen hinterher geschoben, die man sich auch hätte sparen können.
Eine der spannendsten Einstellungen gab es ganz am Ende der Talk-Sendung. Eine Kamera von der Studiodecke zeigte die Moderatoren, die während der Sendung mindestens ebenso nervös gewesen waren wie die beiden Politiker. Maybrit Illner kuschelt sich erleichtert an die Schulter von Sabine Christiansen, die beiden Herren Peter Kloeppel und Thomas Kausch geben sich männlich-markant die Hand. Dann verteilt Christiansen Bussis, an Peter, an Maybritt, an Thomas.
Die interessanteste Frage kam von Sat1-Kausch. Mit einer Frau als Kanzlerin und einem Homosexuellen als Minister zeige sich eine fortgeschrittene Liberalität, die von Rot-Grün vorangetrieben worden sei. Ob Frau Merkel sich jetzt als Produkt von sieben Jahren Rot-Grün sähe. So wollte sie sich natürlich nicht sehen. Sie sei das Produkt ihrer Eltern, beschied sie.
