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Archiv: Donnerstag, 22. September 2005

Es gibt Filme, die man nicht vergisst. Die graben sich aus den unterschiedlichsten Gründen ins Langzeitgedächtnis und landen auf der persönlichen Liste der „Lieblingsfilme“ Der „Blade Runner“ gehört bei mir zum Beispiel dazu. Oder „Psycho“. Aber auch „Blue Velvet“, David Lynchs mysteriöser Thriller aus dem Jahre 1986 mit Isabella Rosselini, Kyle MacLachlan und Dennis Hopper. Der amerikanische Professor Nicholas Rombes aus Detroit unterrichtet an der Uni nicht nur „Digitales Kino“, er betreibt auch ein Weblog, in dem er sich mit dem (digitalen) Cinema beschäftigt. Sein ungewöhnlichstes Projekt hat er jedoch vor wenigen Wochen gestartet. Er hat sich die Analyse des Lynch-Klassikers vorgenommen, und zwar Bild für Bild (Frame by Frame). Jeden Tag eines. Da der Streifen 120 Minuten läuft bei 24 Bildern pro Sekunde, muss sich Rombes ein paar hundert Jahre Zeit nehmen für seine neue Art der Filmkritik. Wenn auch die Bilder sich gleichen, die Assoziationen, die er dazu niederschreibt, sind spannend. „Was ich mir hier erhoffe, ist möglicherweise etwas über Blue Velvet zu erfahren“, erklärt er. „Aber viel wichtiger ist, das ich etwas verstehe über die Transformation von Kritik oder Theorie über das Interface eines Computerbildschirms.“ Eine Bild für Bild-Analyse in ein Buch zu packen sei unmöglich, meint Rombes. Mit dem Computer und dem Internet jedoch sei es möglich, anders als bisher einen Zugang zu einem Film zu erlangen.
