
Wurde an dieser Stelle noch kühn behauptet das bloggen schon längst wieder out und podcasten der neueste Schrei sei, so gibt es immerhin jetzt schon mal den allerersten deutschsprachigen schwulen Podcast-Kanal. Der kommt aus dem schwul-lesbischen Zentrum KCR in Dortmund. Zusammen mit den Machern von Homolaber, die im Bürgerfunk des Dortmunder Lokalradios senden, wurde eine Nullnummer produziert. Die rund 25 Minuten, die durch gute Sprecher moderiert werden, sind noch zu sehr mit dem Vorlesen von Nachrichten gefüllt. Und User, die es geschafft haben, die Sendung mit einem Podcast-Programm herunterzuladen und zu starten, brauchen auch eigentlich keine Erklärung mehr, was Podcast ist und wie man es empfängt. Aber es ist ja erst mal nur eine Testsendung. Mal sehen, was daraus wird. Auf jeden Fall ist es ein weiterer Schritt zu mehr Reichweite. Die schwulen Hobbyradiomacher, die es überall im Lande gibt, setzen ja bereits immer häufiger auf eine Verbreitung via Internet per Livestream und mp3-Download. Podcasting ist nun eine weitere Möglichkeit, seine Hörer zu finden.
Archiv: September 2005

“Möchten Sie die neueste Errungenschaft von Weihenstephan kostenlos ausprobieren?“ Die Verkäuferin der einzigen Bäckerei in der Innenstadt, die keiner Kette angehört und wohl deshalb das beste Brot verkauft, verblüfft mit dieser Frage. Die „Errungenschaft“, die da vor mir liegt, ist ein kleines Becherchen mit Joghurt, daneben ein kleiner Löffel, der wie ein Klappspaten zusammengefaltet ist. Eine Gratis-Warenprobe. Nun, ich bin technikaffin, habe entsprechend großes Interesse an neuesten Errungenschaften der Computer- und Unterhaltungsindustrie. Aber das inzwischen ein schnöder Joghurt eine Errungenschaft darstellt, ist mir neu. Und macht misstrauisch. Könnte ja sein, das es sich tatsächlich um ein kompliziert herzustellendes Produkt handelt, in dem sich kein einziges echtes Fruchtstückchen befindet, geschweige denn Joghurt. Er schmeckt auf jeden Fall wie jedes andere stinknormale Milcherzeugnis.

Stefan Niggemeier hatte Recht. In der Frankfurter Sonntagszeitung machte sich der Journalist über den inszenierten Hype rund um das „TV-Duell“ zwischen Merkel und Schröder lustig. „Am besten ist es um 20:30 ein-, und um 22 Uhr wieder abzuschalten“, riet er. Tatsächlich gab es eine viertel Stunde vor Beginn des Streitgespräch aber auch gar nichts Wichtiges zu sagen, wie Anne Will mit ihrer etwas hilflosen Livemoderation bewies. Und auch beim Zappen danach durch alle vier beteiligten Sender ARD, ZDF, RTL und Sat1 zeigte sich: Es wurden haufenweise Analysen und Meinungen hinterher geschoben, die man sich auch hätte sparen können.
Eine der spannendsten Einstellungen gab es ganz am Ende der Talk-Sendung. Eine Kamera von der Studiodecke zeigte die Moderatoren, die während der Sendung mindestens ebenso nervös gewesen waren wie die beiden Politiker. Maybrit Illner kuschelt sich erleichtert an die Schulter von Sabine Christiansen, die beiden Herren Peter Kloeppel und Thomas Kausch geben sich männlich-markant die Hand. Dann verteilt Christiansen Bussis, an Peter, an Maybritt, an Thomas.
Die interessanteste Frage kam von Sat1-Kausch. Mit einer Frau als Kanzlerin und einem Homosexuellen als Minister zeige sich eine fortgeschrittene Liberalität, die von Rot-Grün vorangetrieben worden sei. Ob Frau Merkel sich jetzt als Produkt von sieben Jahren Rot-Grün sähe. So wollte sie sich natürlich nicht sehen. Sie sei das Produkt ihrer Eltern, beschied sie.
