
Es gibt Dinge, die sollte ich lieber nicht mehr tun. Den Nachbarn zuliebe. Zum Beispiel, sich wie neulich nachts um eins Kopfhörer aufzusetzen und „Living a boy’s adventure tale“ von A-ha aus dem Jahre 1985 (Album: Hunting high and low) mitzusingen. Leute meiner Altersklasse kennen das vielleicht. Morten Harket kann ja unglaublich hoch singen, und in diesem Stück macht er von seinem Talent ausgiebig Gebrauch. Leider hat meine Kopfstimme seit der fetten Grippe vergangenen Februar arg gelitten, so dass ich bei hohen Tönen eigentlich wie ein Papagei unter der Kreissäge kreische und quietsche. Erst, als ich mir kurz vor Ende des Stücks die Kopfhörer abnahm, um mal meinen verzweifelten Versuchen zu lauschen, mich klanglich in die Höhe zu schrauben, merkte ich, was ich meinen schlafenden Anrainern zumutete…
Archiv: Oktober 2005

Überdimensional groß sind die Geschlechtsorgane zu sehen, in denen Finger, Gerätschaften oder auch andere Genitalien und Gliedmaßen verschwinden. Busen, Dödel, Ärsche, Münder, Sperma, alles ist in Wallung, Bewegung und im Fluss. Willkommen auf der „Venus“, Deutschlands größter Sexmesse in Berlin, dem Treffpunkt der Erotikindustrie, die ihre Geschäfte anbahnt, während über den Köpfen der Businessleute die Pornos flimmern. Sex sells zwischen dem Label „Muschi-Movie“ und dem neuen Duft „Vulva“, der so riechen soll, wie die eben genannte… naja, Katze.
„Wird da `ne Roulade gewickelt?“ fragt entsetzt ein Mitarbeiter des Bruno Gmünder Verlags, der das Pech hat, in diesem Jahr mit seinem Homo-Hardcore-Stand direkt neben einer brüllend lauten Bühne platziert worden zu sein. SM-Performances sind nicht immer ästhetisch, egal ob homo, oder wie in dem Fall gerade, hetero. Trotz aller üppigen Busenparaden, der Trend zur Gay-Ecke scheint anzuhalten. Kaum ein Aussteller, der nicht irgendein klitzekleines Angebot in der Richtung hat. Hier das neue Gay-Gleitgel, dass ein Mix aus wasserlöslich und Silikon ist, dort das eindeutig overstylte Queer-Glide in der regenbogenfarbenen Schwanztube. In Halle 20 der Anbieter der ersten Gay-Manga-Pornos, die demnächst auf DVD herauskommen. In Halle 19 schwule Pornos aus Nigeria neben einem Gleitmittelproduzenten, der das Zeug auch eimerweise anbietet. „Is for gay parties!“. Ach so, na klar. Neben dem üblichen Puff-Muff (Mädels tanzen live nackt an Stangen, was Heerscharen wildgewordener Fotografen mit dicken Teleskoprohren anlockt) gibt es hier und da auch echt witzige und kreative Stände. So die „Fun Factory“, die quietschbunte Dildos in modernem Design ausstellt oder der Spezialist für schweinegeile Fetischbekleidung, der sich schlicht „Oink“ nennt.

Andy Warhol ahnte es in den Sechzigern voraus: “In the future, everyone will be famous for 15 minutes.” In Zukunft wird jeder einmal für 15 Minuten berühmt sein. Am vergangenen Donnerstagabend war ich gleich für zwei Stunden „berühmt“ – sprich: Im Fernsehen. Bei LoveNightTV, dem SMS-Erotik-Chat-Sender, der ab 22 Uhr an die Stelle von TraumpartnerTV tritt. Als Studiogast in der Sendung „Love-Check“, moderiert von Carmen Molinar. Um das Buch „Fremdgehen macht glücklich“ vorzustellen.
Carmen Molinar (Ist dieser schöne Name eigentlich echt?) empfängt mich mit Lockenwicklern im Haar vor den Studioräumen im Tote-Hose-Gewerbegebiet Köln-Ossendorf. Zunächst zeigt sie mir den Regieraum, in dem mit erstaunlich wenig Technik gearbeitet wird. Fast genauso viele Knöpfe finden sich am Kaffeeautomat, den sie mir anschließend in der Küche erklärt. Noch sendet TraumpartnerTV. Das plüschig-rote LoveNightTV-Interieur in dem kleinen Studio wartet auf den Einsatz. In der Maske verwandelt sich die ganz normal aussehende nette Bremerin in meinem Alter in einen einige Jahre jüngeren blonden Vamp, mit einem wirklich unglaublich mächtigen Dekolleté. So ein bisschen der dralle Rubenstyp, präsentiert mit einer Mischung aus frecher Klappe und mütterlicher Wärme. Eine gute Inszenierung. Mir wird nur die Pickelfront aus dem Gesicht und die Müdigkeit aus den Augen geschminkt. Technikerin Simone holt löblicherweise noch ein Fläschchen Sekt, dann kann es schon losgehen mit der Sendung, die eigentlich Heterosexuelle ansprechen soll, bei der sich aber auch viele Homos tummeln. Zwei Stunden lang quasseln und gibbeln wir auf dem roten Sofa herum, ein richtiges Gespräch über das Fremdgehen kommt aber nur ansatzweise zustande, weil wir ja immer auf die SMS-Botschaften eingehen müssen, die auf dem Bildschirm erscheinen. Carmen zieht dabei professionell alle Register, die Leute zum Mitreden zu animieren. Denn um nichts anderes geht es schließlich bei diesem Sender. Jede SMS kostet den Absender 99 Cent. Dennoch, mir machte es viel Spaß. Sollte LoveNightTV eine eigene schwule Sendung planen, werde ich mich mal als Moderator bewerben…
2005 14 Okt
I e*** m* m**** t** h*** w** F*** 1
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Die Online-Videothek netleih.de hat mit sexyfilms.de eine eigene Schmuddelecke eingerichtet. Auch für Schwule gibt es entsprechende Erwachsenenfilme. Um nicht mit dem Jugendschutz in Konflikt zu geraten, hat man ordentlich mit der Unscharffunktion von Photoshop bei den Covern gearbeitet. Und aus den Titeln hat man schöne Glücksrad-Worträtsel gemacht. Ich kaufe ein „I“…

Nie, nie niemals sollte man Online-Übersetzungs-Tools nutzen, um seinen Profiltext bei GayRoyal oder sonst wo vom Englischen ins Deutsche (oder auch umgekehrt) zu übertragen. Die Katastrophe, die dabei herauskommt, die wird Egvgay nicht einmal ahnen: „Sexwise bin ich vielseitige begabt… Oberseite und Unterseite. Ich mag, wenn mein Geschlechtpartner mit meinem vollständigen Körper spielt und meine Testikel berührt. Ich mag Hahn meines Partners sehr viel lecken und saugen! Ich genieße auch Steckfassung-weg eigenhändig… er und I!!! Ich bin adventerous und werde fast tun, was auch immer mein Partner mag. aber ich NICHT in schmutziges oder pain/blood Geschlecht.! bin! Ist a MUSS!! immer sicher!“
