
Bereits am ersten Abend fielen sie uns auf. Junge Männer fahren mit ihren Rädern durch die Straßen von Ho Chi Minh City und klappern dabei eifrig mit selbstgebauten Instrumenten. Eine Art Spießzange, deren zwei Enden mit einem Stück Draht verbunden sind, auf dem mehrere runde Blechplättchen aufgereiht sind. Vielleicht haben die keine Fahrradklingel und versuchen auf diesem Wege im Hupkonzert aufzufallen. So dachten wir ganz naiv. Vielleicht sind es auch Sammler von Altpapier, Metall oder sonstigen Dingen. Zumindest wiesen die Fahrradkörbchen, die jeder vorne an seinem Gefährt hat, darauf hin. „Das sind Moneyboys“, klärte uns schließlich ein Niederländer auf, der schon länger in Saigon lebt. Und man solle vorsichtig sein. Es passiere häufiger, das die Jungs später mehr Geld haben wollten als ursprünglich vereinbart. Ha Bac, Eigentümer der halb schwulen Bar „Eden“ konnte uns zudem noch berichten, dass es diese Art der Rassel-Akquise seit 20 Jahren gibt. Und das ursprünglich nur reine Massagedienste angeboten wurden. Doch das die Jungs sehr bald gemerkt hätten, dass sich mit Sex mehr Geld verdienen lässt.
Archiv: Montag, 21. November 2005
2005 21 Nov
Wie man in Ho Chi Minh City lebend über die Straße kommt
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Wer meint, Bangkok sei eine laute, schmutzige Stadt, mit einem Verkehr, der nirgendwo schlimmer sein kann, der wird, wie wir bei unserem Wochenendflug nach Ho Chi Minh-City in Vietnam, eines besseren belehrt. Es gibt zwar kaum Autos, doch dafür besitzt jeder der rund sechs Millionen Einwohner mindestens ein Moped, einen Roller oder ein Motorrrad. Zur Not auch ein Fahrrad. Auf den motorisierten Zweirädern sitzen ganze Kleinfamilien, oder sie werden zum Transport sämtlich nur vorstellbarer Güter genutzt, in Mengen, für die man in Deutschland bereits einen Kleintransporter verwenden würde. Der Verkehr fließt langsam aber stetig, es ist ein ständiges Brausen und Brummen in der Luft, und es wird eifrig gehupt. Das macht zwar keinen Sinn, denn es räumt eh niemand freiwillig seinen Platz auf der Straße, und jeder fährt, wie er gerade lustig ist. Aber das treibt die Dezibelzahl wenigstens ordentlich in die Höhe. Wer bremst, hat verloren. Das gilt auch für Fußgänger, die auf die andere Straßenseite wollen. Langsam in den Strom hinein gleiten und den Motorrädern die Möglichkeit geben, vor oder hinter einem vorbei fahren zu können. Nur so funktioniert es.
