
Ein kurzer Blick zurück: Vom 1. bis zum 15. Januar 1966 sind die Rolling Stones auf Platz 1 der deutschen Charts mit ihrem Stück „Get Off Of My Cloud“. Den Songtitel offensichtlich beherzigend, plumpsen am 17. Januar vier Plutoniumbomben nach einem Zusammenstoß zweier Flugzeuge aus den Wolken auf Südspanien. Sie explodieren nicht, aber so ein bisschen Radioaktivität tritt schon aus. Und zwischendurch, am 14. Januar 1966, gegen halb sechs in der Früh, werde ich in der Bergarbeiterstadt Bottrop geboren. Jo, das ist jetzt 40 Jahre her, und ich wundere mich irgendwie, dass das Leben eine so extrem schnelle Angelegenheit ist. Nach jahrelanger Geburtstagsfeier-Verweigerung werde ich am Sonntag auf jeden Fall mal wieder feiern – schließlich habe ich 40 mal 365 Tage überlebt – und unsere kleine Wohnung wird voraussichtlich pickepackevoll. Die wichtigste Frage stellte mir Georg, als ich ihn zur Party einlud: „Wirst du jetzt dein Alter bei Gayromeo fälschen?“ Tja, werde ich? Mein eigenes Surfverhalten kennend, falle ich mit 40 automatisch aus den Suchrastern vieler Leute, 39 ist da so eine magische Grenze. Mein gefühltes Alter ist irgendwo in den Dreißigern. Aber da ich bislang an keinem Dorian Grey-Syndrom leide, lasse ich mein Profil synchron mit mir altern. Fürs Erste…
Archiv: Januar 2006

Seit einem Wochenendausflug nach Zürich vor ein paar Jahren bin ich stolzer Besitzer eines Starbucks-Tumblers, so eine Art Thermoskanne mit Henkel und einem aufschraubbaren Deckel mit Loch, aus dem man am Kaffee nippen kann. Mein Exemplar ist komplett schwarz – anders als auf dem Foto – und das Logo des Franchise-Unternehmens ist inzwischen durch zahlreiche Spülmaschinengänge verschwunden. Normalerweise rennt man mit dieser Monstertasse durch die Straßen von New York, organisiert sich bei der Filiale an der nächsten Ecke die Wiederbefüllung und verbrüht sich die Lippen während des Trinkens im Laufschritt. Leider wohne ich nicht in Big Apple, zudem bin ich in dieser Hinsicht altmodisch europäisch. Heißgetränke im Stehen sind akzeptabel, besser natürlich, man genießt sie sitzend. Aber während des Laufens, das ist ein „No-Go“. Stattdessen pflege ich mit meinem Tumbler daheim ein tumbes morgendliches Ritual. Frische Kaffeebohnen werden in einer elektrischen Mühle zermahlen, das Pulver landet in einer Presskanne, 100 Grad heißes Wasser wird aufgeschüttet, und das Gebräu fast bis zum Rand in die Tasse gefüllt. Drei Stück Süßstoff, ein Schuss Kondensmilch, fertig ist der Frühstückskaffee. Zum Ritus gehört auch, dass ich immer zu viel Kaffee in der Tasse habe. Zwei Drittel oder die Hälfte wird weggeschüttet. Huldige ich mit meinem Kaffeeopfer etwa Hypnos, dem Gott des Schlafes, aus dessen Fängen ich mich morgens nur allzu ungern befreie?

