Träume sind manchmal komische Schäume. Ich träumte letzte Nacht, ich würde mir einen Film im Fernsehen anschauen. In diesem wirren TV-Streifen tauchte ein FDP-Generalsekretär auf, der einen jungen unsicheren Mann zu einer Geburtstagsparty bei Parteigenossen mitnahm. Dort standen ganz viele Omas und gelangweilte Liberale herum. Ich fand den Film daraufhin ziemlich schlecht. Und den Traum sowieso. Ich will nicht von solchen Parties träumen. Aber dann stand da plötzlich diese blonde Frau vor dem Spiegel und sang ein Lied, das ich seitdem als ziemlich hartnäckigen Ohrwurm mit mir herumtrage: Song To The Siren von This Mortal Coil, die ich hier bereits einmal lobend erwähnte. Jetzt wo ich mir das Stück gerade in der Dauerschleife anhöre, merke ich, sie singt passenderweise: “Did i dream? You dreamed about me…”
Archiv: Februar 2006
2006 24 Feb
Internet-Zensur jetzt auch in Thailand
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Lange Zeit machte es einfach keinen Spaß, in Thailand online zu gehen. Die Leitungen waren zu schlecht. Die Daten tröpfelten zeitweise nur aus dem Web, und wenn es regnete, brach die Verbindung komplett zusammen. Inzwischen gibt es DSL-Verbindungen, und meistens reicht die Geschwindigkeit für ein akzeptables Arbeiten aus. Wenn nicht gerade am späten Nachmittag kurz vor Büroschluß nochmal sämtliche Angestellten in der Umgebung online gehen. Das hat nämlich den selben Effekt, wie ein Regenschauer. Nun hat der thailändische Premierminister Anfang des Jahres den “Krieg gegen die Pornographie” ausgerufen, und prompt stößt man auf die ersten Hürden. Der Versuch, das schwule Linkverzeichnis gaydemon aufzurufen endete auf einer furchtbar häßlichen Seite des Informationsministeriums, mit dem Hinweis, dass der Zugriff nicht erlaubt sei. Ich fürchte, die Zensoren werden bei der Fülle pornographischer Seiten im Netz in der nächsten Zeit sehr viel zu tun haben, bevor sie sich auf einer Höhe mit den chinesischen Kollegen befinden.
2006 23 Feb
Fake-Alarm in der Blogosphäre
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Die Story war einfach zu schön. Ein junger, schnuckeliger Mormone kommt aus den USA nach Deutschland, um hier zu missionieren. Über die Erlebnisse mit seinen Glaubensbrüdern berichtet er in einem Weblog. Und weil er stark im Glauben, jedoch unsicher ob seiner sexuellen Orientierung zu sein scheint, bekommt das Blog einen sehr homoerotischen Unterton. Wenige Wochen später ist der Mormone Aaron wieder aus dem Netz verschwunden. Dafür taucht plötzlich ein selbsternannter Blogbeobachter auf, und behauptet: Alles war Schwindel. Viele Blogrolls, die zu Aaron verlinkt hatten, müssen nun aktualisiert werden. Von dem vermeintlichen Mormonen sind nur noch Textschnipsel über die Google-Blogsuche greifbar.
Fakeblogs sind nicht neu. Wer sich ein wenig bei den Bloggern umhört, wird schnell ähnliche Geschichten hören. Obwohl seit der Erfindung des Webs allen Internetnutzern irgendwie klar ist, das sich in Chats und Kontakteplattformen immer Scheinidentitäten verbergen können, ist die Enttäuschung immer dann besonders groß, wenn sich ein Weblog als große Lüge enttarnt. Gerade den privaten Logbüchern wird automatisch eine große Authentizität zugesprochen. Und der persönliche Kontakt gesucht. Stellt sich dann heraus, das sich der Blogger eine Scheinwelt im virtuellen Raum aufgebaut hat oder gar nicht existiert, fühlt man sich betrogen.
Interessant am Fall Aaron ist: Der Blogbeobachter kann den Urheber der Fälschung ausmachen. Juliaan B. Schnitter sei der Übeltäter. Das würde passen. Schließlich hat sich der Herr aus dem Raum Hamburg bereits mit seiner Website www.gaywinner.info eine komplett gefakte schwule Onlineredaktion mitsamt nicht existenter Firma und vielen Mitarbeitergeistern erschaffen. Über seine dort veröffentlichten aggressiven Attacken gegen das Portal Eurogay, das Magazin Queer und viele andere reale Personen, hat er es hinbekommen, über alle Gebühr Aufmerksamkeit zu erlangen. Nur: woher weiß der Blogbeobachter so viele Details über den Mann, der ein A zu viel im Vornamen hat? Eine Möglichkeit: Er selber hat den Schwindel auffliegen lassen, und erklärt ihn jetzt allen Gehörnten als vermeintlich neutrale Instanz. Das wäre dann ein Doppelfake, den wahrscheinlich nur Herr Schnitter lustig findet.
2006 20 Feb
Warum ich Mr. Scaramanga verpasste
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Für viele Kritiker und Fans gehört „Der Mann mit dem goldenen Colt“ zu den schlechtesten aller Bondfilme. Darüber kann man streiten, für die Organisatoren des Bangkok Film Festivals war es keine Frage der Qualität. Sie haben den Streifen aus dem Jahr 1974, der zum Teil auf einer kleinen thailändischen Insel in der Nähe von Phuket spielt, ins Programm genommen, um damit auch den Schauspieler
Seit letzten Freitag läuft das vierte Internationale Bangkok Filmfestival. 200 Dokus, Kurz- und Spielfilme werden in den Kinos des gerade neu errichteten Luxus-Shoppingtempels „Siam Paragon“ gezeigt. Zum Teil werden dort noch die Klos tapeziert, so knapp ist man fertig geworden mit dem Bau. Was die internationalen Besucher, die zum ersten Mal thailändische Kinos betreten, verwirren wird: Vor Beginn jeder Aufführung wird ein kleiner Film zu Ehren des Königs gezeigt, den man sich im Stehen ansieht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Einem König, der zudem ein Sympathieträger ist, bringt man gern mal etwas Respekt entgegen. Zu den Klängen der Nationalhymne werden dann in der Regel blühende Landschaften, schöne Strände, glückliche Leute und vor allem der König in jüngeren Jahren gezeigt, der mit seinem Volk spricht. In der gestrigen Vorstellung gab es neue Bilder und erstmals wird damit sehr direkt auf aktuelle politische Probleme eingegangen. Es gibt seit längerem Unruhen, Anschläge und Tote in den muslimisch geprägten südlichsten Provinzen des Landes. Der Trailer zeigt nun immer wieder traditionell muslimisch gekleidete Thais, die friedlich mit ihren buddhistischen Landsleuten beisammen stehen.
Das Bangkok Transport System (BTS) ist inzwischen eines der Wahrzeichen in der Stadt der Engel. Auf geschwungenen Betonstelzen in zehn Metern Höhe sirrt der Skytrain seit Ende 1999 zwischen einigen Stationen auf zwei Linien hin und her. Das futuristisch anmutende Massenverkehrsmittel hat verstopfte Straßen zwar nicht verhindern, vermutlich aber vor dem totalen Verkehrskollaps bewahren können. BTS tut eine Menge, um seine Kunden zufrieden zu stellen. Zum Beispiel gibt es an jeder Station militärisch gekleidetes männliches Sicherheitspersonal. Die gucken meist finster oder ermahnen schon mal, den Vanille-Frappucino vom Starbucks bitte woanders zu trinken, aber nicht am Bahnsteig.
An der Station Chong Nonsi hat man offensichtlich dafür gesorgt, dass sich auch schwule Kunden wohl fühlen. Das fiel mir gestern das erste Mal auf. Zunächst grüßte der Wachmann mit einer Handbewegung rüber zu mir auf die andere Seite des Gleis. Irritiert über so viel Mimik dieser ansonsten so teilnahmslosen Herrschaften blickte ich hinter mich, aber da war niemand. Er grinste, und bekam auf einmal so einen Blick, so, naja, lüstern halt. Die Bahn kam, ich entschwand verblüfft. Heute früh wurde er eindeutig. Ein kurzes Grinsen, ich grinse zurück. Mache Micha auf das seltsame Spiel aufmerksam, der gestern von nichts mitbekam. Plötzlich hatte der Wachmann ganz viele imaginäre Fuseln am Hosenstall, die er wegzupfen musste, um dabei immer wieder rüberzuschauen. Schließlich nahm er seinen schwarzen Holzknüppel – ja, genau so einer, der in Pornos immer zu was anderem als zum Schlagen verwendet wird – in die Hand, um eine obszöne Geste zu machen. Die Bahn rettete uns vor weiteren Entblößungen. Mal schauen, was morgen geschieht. In den Erwachsenenfilmen schließen die Wachmänner dann ja immer irgendwelche verborgenen Unterkunftsräume auf…

Gin Tonic ist irgendwie ein sehr sehr leckeres Getränk. Aber es hat auch einige seltsame Nebenwirkungen. Zunächst muss ich aber einiges vorausschicken: Wenn Jay, Micha und ich ausgehen, laufen wir der Einfachheit halber meistens in die Silom Soi 4. Die ist gut fünf Minuten vom Appartment entfernt. Der Lifetime-Membership-Karte von Micha – und der damit verbundenen zehn Prozent Rabatt – wegen sitzen wir immer im Balcony, und zwar stets draußen an den kleinen Tischchen. Drinnen kann man nämlich nicht die Männer von der gegenüberliegenden Telephone Bar beobachten, sondern muss dauernd die griesgrämig dreinschauenden Eigentümer anschauen. Und dann bestellen wir, weil es günstiger ist, eine Flasche Whiskey für 900 Baht. Die Softdrinks zum Mixen und das Eis sind im Preis mit drin. Wenn wir die Flasche nicht leeren, wird sie für den nächsten Besuch aufbewahrt. Nach zahlreichen Whiskey-Cokes in den vergangenen Monaten sind wir jetzt mal umgestiegen auf Gin Tonic, den es für den selben Preis gibt. Leider merkt man im Vergleich zum Whiskey nicht so schnell, das man betrunken ist. Man denkt, man ist noch ziemlich nüchtern, in Wirklichkeit ist man aber schon ziemlich stramm. Zweimal ist es mir inzwischen passiert, das ich mein Limit schlicht verpasst habe. Und das merkwürdigste ist: Ich bekomme Albträume danach. In den frühen Morgenstunden bin ich mehrmals mit Herzklopfen wach geworden, weil in meinen Träumen Verwandte und Bekannte gestorben sind und dauernd irgendwelche Toten herumlagen oder –saßen.

Es ist mal wieder pickepackevoll im DJ Station. Und das an einem Dienstagabend. Wenige Monate nach dem Umbau ist der schwule Tanztempel in der Silom Soi 2 in Bangkok so angesagt, wie schon lange nicht mehr. Im Erdgeschoss kommt man nach Mitternacht kaum noch durch, und selbst in der dritten Etage, wo sonst immer gähnende Leere herrschte, kann es jetzt eng werden. Eine neue Bar und etwas 70er Retro-Mobiliar bewirken Wunder. Ich weiß nicht, wie oft ich bereits im DJ gewesen bin. In manchen Nächten eher gelangweilt, an anderen Tagen wiederum ekstatisch tanzend. Aber momentan macht der Schuppen wirklich richtig Spaß. Trotz der vorhersagbaren Playlist aus den Dance-Charts und der vielen Leute, die noch öfter als ich hier sein müssen, weil ich sie jedes Mal sehe, wenn ich hier bin. Der verstrahlte Franzose, der uns immer in seiner Sprache anquatscht, ist auf jeden Fall neu. Er lächelt jeden an, und alle lächeln zurück. Das ist das schöne am DJ. Es ist egal, auf wen oder was du stehst, es verkneift sich beinahe niemand einen Flirt mit dem, der einem gerade gegenüber steht. Das macht locker und entspannt. Und wenn auf den Flachbildschirmen plötzlich Madonna auftaucht, und alle zu den ersten Takten von „Sorry“ aufkreischen, kocht die Stimmung auf dem Höhepunkt. „I’ve heard it all before, i’ve heard it all before…“

Ich bin ein AIDS-Aktivist! Seit exakt 4 Tagen, 20 Minuten und 42 Sekunden stehe ich in Diensten einer weltweiten Bewegung, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Immunschwächekrankheit zu besiegen. Allerdings bin ich nicht einer der radikalen Sorte, die auf Welt-AIDS-Konferenzen das Pressezentrum stürmen, die wüste Beschimpfungen gegen die Bush-Administration schleudern, oder Kunstblut auf Gängen ausgießen. Nein, ich bin einer von der ruhigen Art. Ich bin ein Couchpotato-Aktivist, ich bekämpfe AIDS von zu Hause aus. Sogar im Schlaf. Ehrlich gesagt, lasse ich eigentlich nur meinen Computer schuften. Ich stelle ihn mit einer kleinen Software in ein weltweites Netzwerk von derzeit rund 260.000 privaten Rechnern, die gemeinsam an einer Aufgabe tüfteln: Herauszufinden, welche Moleküle am besten an Proteine im Körper andocken, um so bessere und wirksamere Medikamente gegen das HI-Virus zu finden. Das Programm zeigt den Fortschritt dieser Test- und Irrtum-Berechnungen mit Diagrammen und einer Grafik verschlungener wurmähnlicher Proteine an. Man muss es nicht verstehen, es sieht aber sehr wichtig aus. Gayromeo promotet das seit längerem bestehende „World Community Grid“, und hat bereits rund 1.000 neue Aktivisten rekrutiert. Allerdings braucht man ziemlich viel freien Arbeitsspeicher, die CPU ist stets bis zum Anschlag ausgelastet und die Lüfter im Computer pusten permanent. Man kann aber per Timer einstellen, wann und wie viel Rechenleistung man zur Verfügung stellen möchte.
