Das Bangkok Transport System (BTS) ist inzwischen eines der Wahrzeichen in der Stadt der Engel. Auf geschwungenen Betonstelzen in zehn Metern Höhe sirrt der Skytrain seit Ende 1999 zwischen einigen Stationen auf zwei Linien hin und her. Das futuristisch anmutende Massenverkehrsmittel hat verstopfte Straßen zwar nicht verhindern, vermutlich aber vor dem totalen Verkehrskollaps bewahren können. BTS tut eine Menge, um seine Kunden zufrieden zu stellen. Zum Beispiel gibt es an jeder Station militärisch gekleidetes männliches Sicherheitspersonal. Die gucken meist finster oder ermahnen schon mal, den Vanille-Frappucino vom Starbucks bitte woanders zu trinken, aber nicht am Bahnsteig.
An der Station Chong Nonsi hat man offensichtlich dafür gesorgt, dass sich auch schwule Kunden wohl fühlen. Das fiel mir gestern das erste Mal auf. Zunächst grüßte der Wachmann mit einer Handbewegung rüber zu mir auf die andere Seite des Gleis. Irritiert über so viel Mimik dieser ansonsten so teilnahmslosen Herrschaften blickte ich hinter mich, aber da war niemand. Er grinste, und bekam auf einmal so einen Blick, so, naja, lüstern halt. Die Bahn kam, ich entschwand verblüfft. Heute früh wurde er eindeutig. Ein kurzes Grinsen, ich grinse zurück. Mache Micha auf das seltsame Spiel aufmerksam, der gestern von nichts mitbekam. Plötzlich hatte der Wachmann ganz viele imaginäre Fuseln am Hosenstall, die er wegzupfen musste, um dabei immer wieder rüberzuschauen. Schließlich nahm er seinen schwarzen Holzknüppel – ja, genau so einer, der in Pornos immer zu was anderem als zum Schlagen verwendet wird – in die Hand, um eine obszöne Geste zu machen. Die Bahn rettete uns vor weiteren Entblößungen. Mal schauen, was morgen geschieht. In den Erwachsenenfilmen schließen die Wachmänner dann ja immer irgendwelche verborgenen Unterkunftsräume auf…
