Bali, die Insel im Süden Indonesiens, hat nicht vor, sich von seiner schönsten Seite zu zeigen. Als Ou, Micha und ich am Wochenende anreisen, um mal ein paar Tage aus Bangkok rauszukommen, ist es noch trocken und sonnig, doch dann ziehen mehr und mehr graue Wolkengebirge über dem Meer heran, die ihre Fracht mit Gewittern und Dauerregen am Dienstag abladen. Immerhin können wir uns so keinen Sonnenbrand am Strand holen…
Es herrscht ziemlich tote Hose im kleinen Ort Seminyak. In der Nebensaison spürt man mehr als deutlich, dass die Touristen nach den Bombenattentaten 2002 und 2005 noch nicht alle wieder zurückgekehrt sind. Viele Amüsierschuppen sind dicht, und die, die offen haben, sind überwiegend leer. Das führt dazu, dass man als Touri massiv aufgefordert wird, hier auf ein Bintang-Bier einzukehren und dort mal ein Nasi Goreng zu verspeisen, möglichst mehrere Motorroller gleichzeitig anzumieten und bitte auf jeden Fall beim nächsten Besuch wieder im selben Hotel einzuchecken. Auch in den beiden einzigen schwulen Läden, der Q-Bar und Kudos, die direkt gegenüber liegen, herrscht, abgesehen vom Samstag, starker Besuchermangel. Entsprechend häufig wird der abcheckende Sermon von “Where you come from?” bis “Are you couple?” an uns durchexerziert. Da ist es hilfreich, als Paar aufzutreten. Auch Ou kann sich nicht so recht dem großen Interesse erwehren, behauptet in der Not, er wäre mit mir zusammen und flieht irgendwann. Ou steht auf Farangs, und die sind eben rar hier.
Ou ist unzufrieden mit dem gemeinsamen Urlaub. Das traut er sich allerdings erst nach der dritten Flasche grässlich schmeckenden Bali-Weins am letzten gemeinsamen Abend offen zu sagen. Wenn Thais zusammen reisen, verbringen sie die komplette Zeit miteinander, beschwert er sich. Während Micha und ich uns immer wieder mal individualistisch für eine kleine Weile zurückgezogen haben. Wir müssen offensichtlich noch viel lernen im Umgang mit thailändischen Erwartungen und deutschen Gewohnheiten.
“You are my Babyboy” schmeichelt Agus und kuschelt sich an Micha. Der zieht einen Schmollmund. Ich hatte mir seine Bekanntschaft, die er bei einem vorigen Besuch allein auf Bali kennen gelernt hatte, irgendwie kleiner vorgestellt. Stattdessen steht da ein schlanker langer drahtiger Typ – Mitte Zwanzig – mit halblangen schwarzen Haaren vor mir. Eindeutig außerhalb Babyboys sonst üblichem Beuteraster, aber seeehr nett! Leider sind Dreier nicht immer geiler, vor allem, wenn da bereits zwei vorab für sich eine sexuelle Sprache gefunden haben, die ins Stocken gerät, wenn jemand Anderes dazu kommt. In der letzten Nacht verzichte ich auf eine Beteiligung und verziehe mich für eine Weile an den Hotel-Pool. Was ich zu meinem eigenen Erstaunen fast eifersuchtsfrei hinbekomme. Nur die Mücke hätte mich nicht in den kleinen Zeh stechen sollen, das fand ich dann doch ungerecht.
