Am morgigen Montag führe ich erstmals deutsche Touristen einen Tag lang durch Bangkok. Um mich keiner Peinlichkeit auszusetzen und meiner Schritte sicher zu sein, habe ich am heutigen Sonntag einen Teil der Tour durch die buddhistischen Tempel allein unternommen. Wat Pho, die Anlage aus dem 18. Jahrhundert, mit dem liegenden Buddha, mag ich ganz besonders. Mehrere hundert vergoldete Buddha-Figuren sind dort versammelt ausgestellt. Beim Lauf durch die niedrigen und einsamen Wandelgänge fiel mir heute ein asiatischer Mann in den Dreißigern auf. Sportklamotten, ein rotes T-Shirt, weiße Shorts. Zuerst dachte ich, das er ziemlich schwer bepackt ist mit irgendwelchen Gegenständen, die er in der Hose trägt. Doch beim Näherkommen stellte sich die Wölbung tatsächlich als das heraus, was mir unanständigerweise sofort in den Sinn kam. Dieser Mann hatte hier, an diesem Ort, einen Mordsständer! Cruising hier? Inmitten der heiligen goldenen Buddha-Statuen? Offensichtlich. Ich begutachtete den Herrn und seine Wölbung näher, misstrauisch und vorsichtig zunächst. Ich hatte keine Lust auf einen Raub oder ähnliches. Doch er war offensichtlich wirklich nur an einem kleinen Abenteuer interessiert. Ich folgte ihm in eine der Toilettenanlagen, und er schien mir gut vorbereitet. Er hatte ein Kondom dabei und zwischendurch betätigte er die Spülung, um toilettenübliches Verhalten zu simulieren. Schon lange hatte ich nicht mehr solches Herzklopfen wegen der möglichen Gefahr, erwischt zu werden. Doch fünf Minuten später gingen wir wieder getrennter Wege. Und die Buddha-Statuen lächelten, trotz dieses Sakrilegs, weiter still vor sich hin.
Archiv: Sonntag, 5. März 2006
2006 5 Mrz
Der Mann mit dem goldenen Ständer
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