Mindestens einmal täglich laufen wir die Silom Road entlang. Um essen zu gehen, einzukaufen oder auszugehen. Inmitten des Gewusels und der unzähligen Gesichter gibt es ein paar Konstanten. Menschen – und Tiere – denen man täglich begegnet:
– Die blinden Karaoke-Bettler. Blinde Bangkokianer – und nur sie – bitten auf eine spezielle Art um Almosen. Ausgerüstet mit einem kleinen tragbaren Hall-Verstärker samt integriertem Kasettenrecoder, Lautsprecher sowie einem Mikrofon, singen sie thailändische Volksweisen. Dabei sitzen sie in einer Ecke auf der Straße oder laufen in Begleitung einer sehenden Person durch die Gegend. Was sie singen, klingt oft nicht schön, aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist: Sie sind im brodelnden Straßenlärm nicht zu überhören und somit hoffentlich so erfolgreich, das es mehr einbringt, als die Kosten für die Batterien, die sie für ihre Karaokekisten benötigen.
– Die Wahrsagerin. Sie sitzt an der Ecke zur Soi Convent. Eine füllige Frau auf einem sehr kleinen Klappsessel, vor sich ein niedriger Campingklapptisch, darauf ihre Tarotkarten. Wer von der bunt gekleideten Dame mit Strohhut und pinken Badelatschen die Zukunft gedeutet haben möchte, muss sich tief zu ihr hinunter begeben, auf den kleinen Plastikschemel. Ist das Wahrsagegeschäft gerade mal flau, schläft Madame selig auf ihrer kleinen mobilen Insel, ständig umbrandet von den Menschen, die geschäftig weiter wollen.
- Die DVD-VCD-Boys. "DieVieDieees, SexyVieCiDiis, Boy-CiDiies" leiern sie unablässig jedem Farang entgegen, und versuchen ihn dabei festzuhalten. Wehe dem, der anhält und einen Funken Interesse oder auch nur schlicht Verwirrtheit zeigt. Man wird nicht mehr so schnell losgelassen. Die digitalen Bild- und Tonträger DVD, Video-CD und CD, die diese Herren gerade nicht bei sich haben, werden in irgendwelchen nahe gelegenen Hauseingängen und Hinterzimmern angeboten. Der Handel mit Pornografie ist in Thailand verboten, deshalb läuft das Geschäft nur unter der Hand. Doch irgendwie scheint es zu funktionieren, sonst gäbe es die diskreten Jahrmarktschreier, die einen seit Jahren angrapschen, längst nicht mehr.
- Die Elefanten. Nun gut, im Winter laufen in der Kölner Innenstadt schon mal Lamas samt menschlicher Begleitung durch die Gegend, um Geld für den kleinen Wanderzirkus zu sammeln. Doch Elefanten hat man dort noch nicht gesehen. Die laufen jedoch abends zu zweit in der Silom Road herum. Sie ernähren ihre Besitzer dadurch, dass sie von Touristen permanent mit Bananen gefüttert werden, wofür diese Geld bezahlen. Kann Elefanten eigentlich von zu vielen Bananen schlecht werden?
– Die Rotiboy-Schlange. Seit Wochen sind die Bangkokianer im Rotiboy-Fieber. Die aus Malaysia stammende Bäckereikette hat eine der ersten thailändischen Filialen in der Silom Road eröffnet, und seitdem stehen die Leute dort in Schlangen an. Wartezeiten bis zu einer Stunde sind normal. Absoluter Renner ist das Rotiboy, ein mexikanisches Brot, über dessen Konsistenz und Geschmack ich persönlich noch nichts sagen kann. Aber es soll legendär gut sein, und allein dieses Gerücht treibt halb Bangkok vor die Filiale.
