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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: März 2006

2006 11 Mrz

Voodoo-Politik

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Was soll man von einem Premierminister halten, der allen Ernstes und öffentlich erklärt, seine politischen Feinde würde Schwarze Magie und Voodoo-Zauber einsetzen, um ihn zu bekämpfen, wie die Bangkok-Post heute berichtet? Er habe aber keine Angst, zitiert das Blatt Thaksin Shinawatra, schließlich hätte er genügend Talismane und Buddha-Figuren in seinem Haus. Im vergangenen November noch hatte der thailändische Regierungschef nach zahlreichen kritischen Berichten über ihn in der Presse angekündigt, bis zum Jahresende den Medien nicht mehr für Interviews zur Verfügung zu stehen. Sein Astrologe hätte ihm gesagt, seine Sterne stünden für solche Dinge gerade zu schlecht…

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Mindestens einmal täglich laufen wir die Silom Road entlang. Um essen zu gehen, einzukaufen oder auszugehen. Inmitten des Gewusels und der unzähligen Gesichter gibt es ein paar Konstanten. Menschen – und Tiere – denen man täglich begegnet:
– Die blinden Karaoke-Bettler.
Blinde Bangkokianer – und nur sie – bitten auf eine spezielle Art um Almosen. Ausgerüstet mit einem kleinen tragbaren Hall-Verstärker samt integriertem Kasettenrecoder, Lautsprecher sowie einem Mikrofon, singen sie thailändische Volksweisen. Dabei sitzen sie in einer Ecke auf der Straße oder laufen in Begleitung einer sehenden Person durch die Gegend. Was sie singen, klingt oft nicht schön, aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist: Sie sind im brodelnden Straßenlärm nicht zu überhören und somit hoffentlich so erfolgreich, das es mehr einbringt, als die Kosten für die Batterien, die sie für ihre Karaokekisten benötigen.
– Die Wahrsagerin.
Sie sitzt an der Ecke zur Soi Convent. Eine füllige Frau auf einem sehr kleinen Klappsessel, vor sich ein niedriger Campingklapptisch, darauf ihre Tarotkarten. Wer von der bunt gekleideten Dame mit Strohhut und pinken Badelatschen die Zukunft gedeutet haben möchte, muss sich tief zu ihr hinunter begeben, auf den kleinen Plastikschemel. Ist das Wahrsagegeschäft gerade mal flau, schläft Madame selig auf ihrer kleinen mobilen Insel, ständig umbrandet von den Menschen, die geschäftig weiter wollen.
- Die DVD-VCD-Boys. "DieVieDieees, SexyVieCiDiis, Boy-CiDiies" leiern sie unablässig jedem Farang entgegen, und versuchen ihn dabei festzuhalten. Wehe dem, der anhält und einen Funken Interesse oder auch nur schlicht Verwirrtheit zeigt. Man wird nicht mehr so schnell losgelassen. Die digitalen Bild- und Tonträger DVD, Video-CD und CD, die diese Herren gerade nicht bei sich haben, werden in irgendwelchen nahe gelegenen Hauseingängen und Hinterzimmern angeboten. Der Handel mit Pornografie ist in Thailand verboten, deshalb läuft das Geschäft nur unter der Hand. Doch irgendwie scheint es zu funktionieren, sonst gäbe es die diskreten Jahrmarktschreier, die einen seit Jahren angrapschen, längst nicht mehr.
- Die Elefanten. Nun gut, im Winter laufen in der Kölner Innenstadt schon mal Lamas samt menschlicher Begleitung durch die Gegend, um Geld für den kleinen Wanderzirkus zu sammeln. Doch Elefanten hat man dort noch nicht gesehen. Die laufen jedoch abends zu zweit in der Silom Road herum. Sie ernähren ihre Besitzer dadurch, dass sie von Touristen permanent mit Bananen gefüttert werden, wofür diese Geld bezahlen. Kann Elefanten eigentlich von zu vielen Bananen schlecht werden?
– Die Rotiboy-Schlange.
Seit Wochen sind die Bangkokianer im Rotiboy-Fieber. Die aus Malaysia stammende Bäckereikette hat eine der ersten thailändischen Filialen in der Silom Road eröffnet, und seitdem stehen die Leute dort in Schlangen an. Wartezeiten bis zu einer Stunde sind normal. Absoluter Renner ist das Rotiboy, ein mexikanisches Brot, über dessen Konsistenz und Geschmack ich persönlich noch nichts sagen kann. Aber es soll legendär gut sein, und allein dieses Gerücht treibt halb Bangkok vor die Filiale.

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2006 7 Mrz

Neues Weblog, neues Glück

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Für alle, die noch hierhin verlinken oder über eine Google-Suche hier landen: Ich habe Mitte Februar 2006 die Software-Plattform zum Bloggen gewechselt. Damit hat sich auch die URL etwas verändert. Für neue Einträge folgt bitte dem Haupt-Link www.chriskoeln.de.

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2006 7 Mrz

“Hau ab!”

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Die Gegner von Premierminister Thaksin Shinawatra meinen es ernst. Der thailändische Premierminister, der seit Monaten unter Beschuss der “People’s Alliance for Democracy” (PAD) steht, soll sofort zurücktreten und so Platz machen für eine faire Neuwahl sowie politische Reformen. Der Premier hat zwar bereits Neuwahlen für Anfang April angesetzt, aber in dieser kurzen Zeitspanne haben die drei Oppositionsparteien kaum eine Chance, Wahlkampf zu betreiben und Kandidaten bekannt zu machen. Die Parteien haben deshalb einen Boykott der Wahlen beschlossen. Mehrere zehntausend Menschen versammelten sich am Sonntagabend auf dem großen Platz Sanam Luang gegenüber der Universität. Dieser Ort ist traditionell der Treffpunkt oppositioneller Bewegungen, die, wie in den Siebziger Jahren geschehen, auch schon mal blutig niedergeschlagen wurden. Die Furcht vor gewalttätigen Auseinandersetzungen ist groß, aber bislang verliefen alle Kundgebungen und Demonstrationen friedlich. Am 14. März will man erneut eine Großdemonstration im königlichen Park abhalten und gemeinsam zum Regierungsgebäude marschieren. Da sich jetzt auch der Gewerkschaftsdachverband State Enterprise Relations Confederation beteiligen will, und man bereits zu Streikaktionen aufruft, könnte die kommende Woche noch heiß werden. Thaksin wird vorgeworfen, sein Amt als Regierungschef dazu missbraucht zu haben, mit dubiosen Geschäften seine Familie und sich bereichert zu haben. Unter anderem hat er dafür gesorgt, dass ein millionenschwerer Verkauf von Anteilen eines Telekommunikationsunternehmens im Besitz seiner Familie an eine Firma in Singapur so abgewickelt wurde, dass keine Steuern zu zahlen sind.

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Am morgigen Montag führe ich erstmals deutsche Touristen einen Tag lang durch Bangkok. Um mich keiner Peinlichkeit auszusetzen und meiner Schritte sicher zu sein, habe ich am heutigen Sonntag einen Teil der Tour durch die buddhistischen Tempel allein unternommen. Wat Pho, die Anlage aus dem 18. Jahrhundert, mit dem liegenden Buddha, mag ich ganz besonders. Mehrere hundert vergoldete Buddha-Figuren sind dort versammelt ausgestellt. Beim Lauf durch die niedrigen und einsamen Wandelgänge fiel mir heute ein asiatischer Mann in den Dreißigern auf. Sportklamotten, ein rotes T-Shirt, weiße Shorts. Zuerst dachte ich, das er ziemlich schwer bepackt ist mit irgendwelchen Gegenständen, die er in der Hose trägt. Doch beim Näherkommen stellte sich die Wölbung tatsächlich als das heraus, was mir unanständigerweise sofort in den Sinn kam. Dieser Mann hatte hier, an diesem Ort, einen Mordsständer! Cruising hier? Inmitten der heiligen goldenen Buddha-Statuen? Offensichtlich. Ich begutachtete den Herrn und seine Wölbung näher, misstrauisch und vorsichtig zunächst. Ich hatte keine Lust auf einen Raub oder ähnliches. Doch er war offensichtlich wirklich nur an einem kleinen Abenteuer interessiert. Ich folgte ihm in eine der Toilettenanlagen, und er schien mir gut vorbereitet. Er hatte ein Kondom dabei und zwischendurch betätigte er die Spülung, um toilettenübliches Verhalten zu simulieren. Schon lange hatte ich nicht mehr solches Herzklopfen wegen der möglichen Gefahr, erwischt zu werden. Doch fünf Minuten später gingen wir wieder getrennter Wege. Und die Buddha-Statuen lächelten, trotz dieses Sakrilegs, weiter still vor sich hin.

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Im Skytrain steht plötzlich jemand neben mir, dessen Gesicht ich kenne. “Hallo” sage ich, der andere schaut überrascht. “Prinz Eisenherz, stimmt’s?” frage ich, weil mir der richtige Name gerade nicht einfällt. Er gibt einen Grunzton von sich, der wohl ja bedeuten soll. Natürlich ist es nicht der Prinz aus dem Comic, sondern einer der Mitarbeiter aus dem schwulen Buchladen “Prinz Eisenherz” in Berlin. “Die Welt ist klein”, grinse ich. Er grunzt nochmal und schaut aus dem Fenster. Manche Hauptstädter schaffen es problemlos, ihre typisch charmante Berliner Art zu bewahren, selbst wenn sie sich im Land des Lächelns befinden.

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2006 2 Mrz

Neulich im DJ Station

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23:37.: Obere Etage, neben der Bar. Micha hat sein Heineken in der Hand, ich meinen Gin Tonic. Auftritt eines jungen Thais, der auf uns zuhüpft.

“Hi! My friend send me. He said, i have to kiss you. Both!”
“Really?”
“Yes, yes! May I?”
“Öh…, ja, yes, ok…”

Zwei kurze Küsse mit spitzen Mund. Ein breites Grinsen. Ein hüpfender Abgang.

23:39.: Zweiter Akt. Der junge Thai kommt zu uns zurück.

“Sorry, my friend hasn’t seen it the first time. I have to do it again. Ok?”
“OK”

Zwei etwas längere Zungenküsse und zwei Augenpaare, die währenddessen versuchen, den vermeintlichen Freund auszumachen. Erneuter Abgang des Thais.

23:41.: Letzter Hüpfauftritt des kussfreudigen Herrn.

“Do you wanna come to my room? I stay at State Tower”
“Thank you very much for the nice offer, but not tonight.”

Kuss- und hupfloser Abgang des Thais. Zwei Männer an der Bar, die noch ein Heineken und einen Gin Tonic bestellen und die eben ein Date an einer noblen Adresse ausgeschlagen haben. Das aber nur einen ganz kurzen Moment bedauern…

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2006 1 Mrz

Babyboy und Baliboy

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Bali, die Insel im Süden Indonesiens, hat nicht vor, sich von seiner schönsten Seite zu zeigen. Als Ou, Micha und ich am Wochenende anreisen, um mal ein paar Tage aus Bangkok rauszukommen, ist es noch trocken und sonnig, doch dann ziehen mehr und mehr graue Wolkengebirge über dem Meer heran, die ihre Fracht mit Gewittern und Dauerregen am Dienstag abladen. Immerhin können wir uns so keinen Sonnenbrand am Strand holen…
Es herrscht ziemlich tote Hose im kleinen Ort Seminyak. In der Nebensaison spürt man mehr als deutlich, dass die Touristen nach den Bombenattentaten 2002 und 2005 noch nicht alle wieder zurückgekehrt sind. Viele Amüsierschuppen sind dicht, und die, die offen haben, sind überwiegend leer. Das führt dazu, dass man als Touri massiv aufgefordert wird, hier auf ein Bintang-Bier einzukehren und dort mal ein Nasi Goreng zu verspeisen, möglichst mehrere Motorroller gleichzeitig anzumieten und bitte auf jeden Fall beim nächsten Besuch wieder im selben Hotel einzuchecken. Auch in den beiden einzigen schwulen Läden, der Q-Bar und Kudos, die direkt gegenüber liegen, herrscht, abgesehen vom Samstag, starker Besuchermangel. Entsprechend häufig wird der abcheckende Sermon von “Where you come from?” bis “Are you couple?” an uns durchexerziert. Da ist es hilfreich, als Paar aufzutreten. Auch Ou kann sich nicht so recht dem großen Interesse erwehren, behauptet in der Not, er wäre mit mir zusammen und flieht irgendwann. Ou steht auf Farangs, und die sind eben rar hier.
Ou ist unzufrieden mit dem gemeinsamen Urlaub. Das traut er sich allerdings erst nach der dritten Flasche grässlich schmeckenden Bali-Weins am letzten gemeinsamen Abend offen zu sagen. Wenn Thais zusammen reisen, verbringen sie die komplette Zeit miteinander, beschwert er sich. Während Micha und ich uns immer wieder mal individualistisch für eine kleine Weile zurückgezogen haben. Wir müssen offensichtlich noch viel lernen im Umgang mit thailändischen Erwartungen und deutschen Gewohnheiten.
“You are my Babyboy” schmeichelt Agus und kuschelt sich an Micha. Der zieht einen Schmollmund. Ich hatte mir seine Bekanntschaft, die er bei einem vorigen Besuch allein auf Bali kennen gelernt hatte, irgendwie kleiner vorgestellt. Stattdessen steht da ein schlanker langer drahtiger Typ – Mitte Zwanzig – mit halblangen schwarzen Haaren vor mir. Eindeutig außerhalb Babyboys sonst üblichem Beuteraster, aber seeehr nett! Leider sind Dreier nicht immer geiler, vor allem, wenn da bereits zwei vorab für sich eine sexuelle Sprache gefunden haben, die ins Stocken gerät, wenn jemand Anderes dazu kommt. In der letzten Nacht verzichte ich auf eine Beteiligung und verziehe mich für eine Weile an den Hotel-Pool. Was ich zu meinem eigenen Erstaunen fast eifersuchtsfrei hinbekomme. Nur die Mücke hätte mich nicht in den kleinen Zeh stechen sollen, das fand ich dann doch ungerecht.

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