Es ist warm. Sehr warm in der Apotheke, in der ich gerade stehe. Nicht nur das Wetter, auch die grelle Beleuchtung sorgt in dem niedrigen Verkaufsraum für einen Hitzestau. Mit mir warten sechs Kunden darauf, bedient zu werden. Hinter der Theke steht eine Apothekerin. Die Apothekerin ist serviceorientiert. Das ist an und für sich löblich, das man sich so viel Zeit nimmt, wie nötig, damit der Kunde sich verstanden und beraten fühlt. Ich fühle mich unverstanden. Weil die Dame im weißen Kittel gerade umständlich bei einer Omi den Blutdruck misst. Und ihr die Werte in eine Karte mit Ampelsymbolen einträgt. Und weil der Rest des Personals beschlossen hat, im hinteren Teil des Ladens zu verweilen, um zu telefonieren oder Salben zu rühren. Bei der Omi ist alles im grünen Bereich, meinen Blutdruck sollte man im Moment lieber nicht messen. „Bitteschön?“ flötet die Apothekerin nach gefühlten drei Jahrzehnten Wartezeit. Es ist mir peinlich, mit einem Pulk im Rücken über meine Gebrechen zu sprechen, deswegen murmle ich: „Ich brauche eine Salbe gegen Hautpilz“ „Wie bitte? Ich habe jetzt kein Wort verstanden.“
„Ich brauche eine Salbe gegen Hautpilz“, wiederhole ich einen halben Dezibel lauter.
„Was soll es denn sein? Canesten? Canesten Extra?“
„Das Günstigste.“
„Das Günstigste? Dann müssen sie aber viel mehr schmieren…“
„Ist mir wurscht. Das Günstigste.“
Der Apothekerin steht trotz professionellen Lächelns ins Gesicht geschrieben, das sie in mir einen schwitzenden, nuschelnden Geizkragen sieht, als sie mir Fungizid von Ratiopharm reicht. Für meine Unhöflichkeit rächt sie sich beim Bezahlen: „Das müssen sie jetzt zwei – bis dreimal täglich einreiben. Für die nächsten zwei bis drei Wochen!“
