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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: Juli 2006

jealous2.jpgEifersüchtige und Verliebte entwickeln eine ungewöhnliche Vorliebe für den Kitsch von Popsongs. Kein Wunder, wird doch in den Stücken pausenlos über nichts anderes als über Liebe gesungen, die entweder gerade wächst und gedeiht oder aber problematisch ist und zerbricht. Was sonst einfach so an einem vorbei plätschert, bekommt plötzlich eine neue wortgewaltige Dimension. Laut M’s Gayromeo-Profil gilt für ihn gerade das musikalische Wunsch-Motto: „You can get it if you really want“. So so. C bevorzugt dagegen momentan Tomte, der gleich so viele passende Zeilen anbietet:

Es ist die Leidenschaft die treibt.
Die Passion in deinem Blick.
Ich war ein guter Junge.
Heute mache ich mich schick.

Weißt du was du mir bedeutest?
Auf einem Platz in meinem Herz
Steht dein Name an der Wand
Und ich will dass du es erfährst
Ich werde immer an dich glauben
Egal was auch passiert
Manche singen von ihm
Ich sang die ganze Zeit von dir

Und M.I.A. ist mit ihrem neuen Stück „Tanz der Moleküle“ geradezu prophetisch:

Du bist mutig,
weil du mir Treue schwörst,
zwischen all den schönen Souvenirs…

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jealous.jpgWenn frisch Verliebte das Gespräch mit dem eifersüchtigen Gatten über die momentane Situation suchen, nutzen sie Argumente, die zum klassischen Repertoire solcher Diskussionen gehören. Das ist wahrscheinlich weltweit universell. Wer im Falle des Falles ein paar Argumentationshilfen benötigt – Hier ein paar Beispiele:

M sagt: „Hey, Du bist und bleibst die Nummer 1“

C kommentiert: Ja ja, nur wie ist das mit der Nummer 1 gemeint? Im Sinne von Dienstältester? Möglicherweise nicht mehr der erste in Sachen Liebe zu sein, und teilen zu müssen, das ist es, was am meisten verunsichert.

M sagt: „So eine neue Beziehung, das muss doch nach so langer Zeit möglich sein“

C kommentiert: In dem Satz stecken mehrere Botschaften: Ich will dich nicht wegen eines anderen verlassen. Wir kennen uns nun schon so lange, das wir wissen, was wir aneinander haben und vertraue mir, dass das so bleiben wird. Möglicherweise muss „so was“ nach so langer Zeit tatsächlich möglich sein. Es gibt Beispiele, wo dies gelungen ist, die wir auch in unserem Buch „Fremdgehen macht glücklich“ dokumentiert haben. Die Freiheiten, die wir uns in der Vergangenheit gegenseitig gewährt haben, sorgten mit für dieses Grundvertrauen, das uns trägt. Alle Affären mit Männern nebenher spielten keine Rolle, denn man konnte darauf vertrauen, dass der Andere danach wieder im wahrsten Sinne des Wortes „nach Hause“ kommt. Es ist erstaunlich, wie viel Zufriedenheit man allein aus dieser Gelassenheit und Vertrautheit im Umgang miteinander ziehen kann. Dumm nur, wenn dem Partner dieser Sockel für eine Beziehung nicht mehr ausreicht, und er romantische Abenteuer erleben will, während der Andere den Wunsch nach dieser Art von Veränderung gar nicht verspürt.

M sagt: „Das ändert nichts an unserer Beziehung“

C kommentiert: Stimmt! Aber nur aus der Sicht des Verliebten. Für M haben sich seine Gefühle mir gegenüber nicht verändert. Alles ist für ihn fast, wie es vorher war. Wir leben zusammen, wir beweisen uns unsere Liebe, wir arbeiten an unseren Projekten, wir bauen uns trotz aller Schwierigkeiten unsere wirtschaftliche Zukunft weiter aus. Und wir kennen unsere persönlichen Schwächen, unsere Wünsche, unsere Grenzen. Für mich dagegen ändert sich enorm etwas in dieser Beziehung: Mein Bedürfnis nach Sicherheit an einem der zentralsten Punkte meines Lebens wird nicht mehr befriedigt.

M sagt: „Mach dir keine Gedanken, ich weiß doch gar nicht, was in ein paar Wochen sein wird“

C kommentiert: Ja, gerade deshalb mache ich mir ja Gedanken, ich weiß nämlich auch nicht, was in ein paar Wochen sein wird. Meine Erfahrung sagt mir: Alles ist möglich bei diesen Liebesgeschichten. Und sollte E nicht der Richtige sein, weil er nicht klarkommt mit mir als dienstältester Ehemann an der Seite von M, gibt es vielleicht bald einen F, G, H, I, oder J…

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afraid5.jpgEifersüchtige fürchten nichts so sehr, als die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Der Geliebte geht eigene Wege mit der neuen Flamme, und man selber steht wie der berühmte Ochs vor dem Berge. Was planen die beiden? Was erfährt der Neue über dich? Worüber reden die beiden? Klagt M über die schlechte Laune von C? Welche Überraschungen bereitet M – der für Überraschungen immer gut ist – vor? „Ich will Dich nicht kontrollieren“, behauptet C an einem Krisengesprächsabend auf dem Balkon. Und lässt damit eine verdammt fette Lüge vom Stapel. Am liebsten würde C beim nächsten Gericht eine Überwachungsverfügung für das Mobiltelefon beantragen. Am liebsten würde C sämtliche Kommunikationskanäle rund um die Uhr überwachen, damit er weiß, was passiert. C recherchiert im Internet. KGB Spy ist ein geiles Tool. Es registriert sämtliche Tastenanschläge auf dem Rechner, macht in regelmäßigen Abständen Screenshots vom Bildschirm und verschickt das Protokoll per Email oder legt die Bilder auf einem FTP-Sever ab. C findet eine Testversion im Netz und ist beeindruckt, als er es auf dem eigenen Rechner ausprobiert. Man merkt tatsächlich nichts, das Tool arbeitet zuverlässig und versteckt im Hintergrund. Kein Chat wäre mehr ein Geheimnis…. C deinstalliert die Software wieder vom eigenen Rechner und belässt es dabei. Angst essen Seele auf. Und Eifersucht essen Vertrauen auf. Aber mehr noch würde diese Art von Vertrauensmissbrauch alles zerstören. C wird die Ungewissheit aushalten müssen. So schwer es auch fällt.

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2006 11 Jul

Pommesbuden-Dialog

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Taunaus-Grill, Taunusstraße, Köln-Humbold-Gremberg, am späten Nachmittag. Die Chefin der Pommesbude zu einem Gast: "Deine Schuhe sehen so schwul aus. Du wirst doch nicht schwul sein?" Der Angesprochene – mit sehr hässlichen weißen Slippern, die kein Schwuler je tragen würde: "Wer weiß? Siehst ja, ich sitze immer mit deinem Mann hier." 

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afraid4.jpgEifersüchtige leiden an gekränkter Eitelkeit und Verlustängsten. Dem ist frühzeitig entgegen zu wirken, man will ja schließlich nicht emotional auf der Strecke bleiben. Kleine Racheakte erfrischen das Selbstbewusstsein: C erzählt beiläufig, das er sich in dem Laden da vorn in der Straße in der Nähe des Büros ab und zu mal vom Inhaber einen bl**** lässt. Bislang war das ein unwichtiges Detail, weil diese Treffen jeweils zu Zeiten stattfanden, in denen M im Ausland war. Aber jetzt ist dies ein Beleg dafür, dass man auch von anderen begehrt wird, und die „Drohung“ schwebt im Raum, das sich dies jederzeit wiederholen lässt. C erhält über Gayromeo ein Angebot für Sex von einem Thai, der am nächsten Tag in der Stadt ist. C freut sich diebisch, denn – so der Plan – am Nachmittag würde er das Büro verlassen mit den Worten: „M, ich fahre jetzt für zwei Stunden nach Hause, ich habe ein Date.“ So etwas war in Köln bislang nicht denkbar, bzw. als wir so etwas probiert haben, war es immer für den, der zurück blieb, nervig. Leider meldet sich das potentielle Date am Nachmittag nicht mehr wie vereinbart, dieser Racheakt fällt somit ins Wasser. Das ist alles albern? Natürlich ist es das, möglicherweise beeindruckt es M noch nicht einmal, aber es betont die eigene Unabhängigkeit, und dieses Gefühl sollte man im Eifersuchts-Notfall unbedingt bewahren und stärken. Nur fair sollte man dabei bleiben. Kein Tuntenkrieg, kein Zickenterror, kleine Symbole genügen.

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afraid31.jpgSonntagnachmittag, M und C machen eine Ausflug mit dem Rad an den Rhein. E ruft an, und M tritt einmal kräftig in die Pedale, um den Abstand zu C zu vergrößern. M will ungestört turteln. Verliebte haben keine Interesse daran, ihre frische Liebe zu einem Anderen gegenüber dem langjährigen Lebensgefährten offen zu legen. Das hat strategische Gründe. Man will dem Ehemann nicht zu viel zumuten. Und man will sich alle Optionen offen halten. Liebeleien sind immer Abenteuer, die gut gehen, aber auch scheitern können. Der Gatte dagegen hat das entgegengesetzte Interesse. Er will exakt wissen, was die beiden umtreibt. Schließlich hat er keine Kontrolle mehr über die neue Situation, das verunsichert enorm. Und jedes kleine Geheimnis, das sich durch Zufall enthüllt, verstärkt dieses Gefühl. Freitagmorgen: M sucht seine Krankenkassen-Karte in seinem Portemonnaie, C beobachtet, wie M in seiner umfangreichen Bonus-, Member- und Rabattkarten-Sammlung wühlt. Für einen Moment blitzt in einem der Fächer etwas auf, das wie ein Foto aussieht, M klappt eine Spur zu hektisch das Fach wieder zu. C linst später misstrauisch in jenes Fach. Tatsächlich: Ein Foto von E…

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afraid2.jpgVerliebte haben es gut. Ihnen wird von allen Seiten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Von der neuen Flamme sowieso, vom gehörnten Ehemann aber erst Recht. M und E chatten miteinander, E ruft gerne mal zwischendurch an, die Liebesbotschaften fliegen durch den virtuellen Raum. C besinnt sich, das er ja als Journalist mit dem Wort ein mächtiges Instrument in der Hand hat, um seine Zuneigung zu M zu dokumentieren und darzulegen. C’s Analyse der Situation ist als Liebesbrief deklariert, weil er ihn als solchen verstanden wissen will. In Auszügen ist er hier dokumentiert…

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afraid1.jpgC liebt M, M liebt C. So ist das in schöner Kontinuität seit fast 14 Jahren. Daran hat sich nichts geändert. Und so soll es auch bleiben. M und C leben zusammen, arbeiten zusammen und wohnen zusammen. Manch Außenstehender hat sich in der Vergangenheit darüber gewundert, das so eine „Rund-Um-Die Uhr-Leben-Und-Lieben-Beziehung“ funktionieren kann. Das klappte aber lange Zeit ziemlich prima. Das 24/7-Schema hat sich im vergangenen Jahr geändert. M und C verbringen nun einige Zeit des Jahres in Bangkok, M jedoch mehr Monate als C. Die Zeit allein in Köln genießt C, weil er zu alten Gewohnheiten und Hobbies zurückkehren kann, die er zugunsten der Beziehung vernachlässigt hat. Die Zeit mit M zusammen in BKK genießt er ebenfalls, denn es ist ein neues und aufregendes Leben dort. Vor fünf Jahren trat J in BKK in das Leben von M und C. Eine Dreierbeziehung begann, die inzwischen allerdings mehr eine innige Dreierfreundschaft ist. Nun ja, Fernbeziehungen sind halt besonderen Gesetzmäßigkeiten und Begrenzungen unterworfen. Und nun ist da plötzlich E in BKK. E ist in M verknallt, M hat sich in E verguckt. Und C ist auf einmal eifersüchtig in einem Maße, wie er es noch nie zuvor erlebt hat. Oder vielleicht auch verdrängt hat, es gab ja schließlich noch andere Beziehungen und Affären vor M, und die waren manchmal kompliziert. Die Abteilung „Eifersuchtsblog“ wird hier künftig die aktuellen Geschehnisse aufgreifen und versuchen, dem Leser praktische Ratschläge für eigene Eifersuchtsattacken an die Hand zu geben. Laughing

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