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Archiv: Sonntag, 13. August 2006

2006 13 Aug

Hubertusjagd

Abgelegt unter: Köln,Schwul | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

q_5_cruis.jpgBeinahe wäre ich ja frustriert aber glücklich aus der Phoenix-Sauna gekommen. Frustriert, weil an den Sonntagen die mehreren hundert Männer, die dort cruisend unterwegs sind, unglaublich zickig sind in der Wahl ihrer Partner. Ich verhalte mich da leider nicht anders. Die, die ich will, wollen mich nicht. Die, die mich wollen, will ich nicht. Glücklich aber, weil der Sonntag Wellness-Sauna mit stündlichen Aufgüssen ist, die zumindest ebenfalls ein paar Glückshormone freisetzen.
Mein Frust wäre hier keine Geschichte wert gewesen, wenn nicht plötzlich, gerade als ich mich zum Gehen aufraffen wollte, Hubertus vor mir gestanden hätte. Ein langhaariger blonder rauchender Riese, mindestens 1,90 Meter groß, höchstens Mitte 20. Er nimmt mich, der ich brummig vor der Dampfsauna sitze, kurz ins Visier, setzt sich neben mich und fragt:

„Sag mal, kommst du vielleicht aus Düsseldorf?“
„Sehe ich wie ein Düsseldorfer aus? Nein, ich komme aus Köln.“
„Ach so, ich bin hier gerade aufgewacht. Ich bin heute morgen um drei hier völlig betrunken gelandet und hab mich erstmal zum Pennen hingelegt. Und jetzt ist es schon fast acht Uhr abends. Ich bin echt durch den Wind. Magst du Hunde?“
„Nein. Ich nehme an, du hast welche?“
„Ja, zwei Stück. Ich bin übrigens Hubertus.“
„Hallo Hubertus, ich bin Christian.“
„Bist du mit dem Auto hier?“
„Nein, hab kein Auto, ich fahre mit der Bahn.“
„Hmm, das ist jetzt total asozial, dass ich das tue, aber ich wollte dich fragen, ob du mir vielleicht helfen kannst. Ich muss heute noch zurück nach Düsseldorf, und hab keine Kohle mehr. Ich war letzte Nacht auf irgendeiner Party in Köln auf so einem Boot und hab heute nacht in der Sauna mein letztes Geld für den Eintritt verbraten. Ich meine, ich könnte auch schwarzfahren, aber ich hab auch meinen Ausweis nicht dabei, und wenn ich ohne Papiere und ohne Fahrschein erwischt werde, schleppen die mich zum BGS, und das ist voll der Stress. Ich würde dir spätestens Dienstag das Geld zurückschicken, ich brauche nur deine Adresse.“
„Ich mach so was total ungerne. Ich habe selber wenig Kohle, und ich kenn dich nicht, und wenn ich Pech habe, und deine ganze Geschichte stimmt nicht, und du schickst mir das Geld nicht zurück, dann ärgere ich mich doppelt.“

Hubertus sucht bereits während seiner ersten Düsseldorf-Frage den Körperkontakt zu mir. Während des weiteren Gesprächs über Vertrauen und Glauben wird er immer kuscheliger, küsst mich dann irgendwann. Wir verschwinden in eine der Kabinen. Sex zwischen einem Nüchternen und einem immer noch Betrunkenen ist naturgemäß nicht so aufregend. Hubertus verlässt etwas später um 20 Euro reicher die Sauna. So wie er aussieht, hat er nun tatsächlich ein Bett nötig. Und ich werde spätestens Ende der Woche wissen, ob ich wenig Geld für schlechten Sex bezahlt habe, oder ob das die Zinsen für ein kleines Darlehen gewesen sind.

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