In der Wahlkampfberichterstattung der ARD reden Moderatoren wie Politiker statt von Prozentpunkten und Sitzen beim Berliner Ergebnis dauernd von "einem über den Durst" oder "sieben bis acht über den Durst". Haben die alle schon zuviel Berliner Kindl gesoffen?
Archiv: Sonntag, 17. September 2006
2006 17 Sep
Sister George darf nicht sterben
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Das Recherche-Gespräch mit dem frisch gebackenen Bundesverdienst- kreuzträger und altgedienten schwulen Aktivisten Georg Roth vor ein paar Wochen gab mir den Kick, mir jetzt doch mal endlich den Film „The Killing Of Sister George“ anzuschauen. Bislang hatte ich nur Rezensionen dazu gelesen und kurze Ausschnitte gesehen. Sister George ist die Kunstfigur, die Georg Roth seit Jahren bei regelmäßigen Auftritten pflegt. Seine Inspiration dazu kam eben aus jenem Film. Regisseur Robert Aldrich erzählt die Geschichte von June „George“ Buckridge, die für eine BBC-Serie eine naiv-grundgute Krankenschwester auf dem Lande mimt. Im Privatleben ist sie eine trinkfeste, obszöne und überaus eifersüchtige Butch-Lesbe, die ihre wesentlich jüngere Geliebte gern auch mal mit SM-Spielen abstraft. Als Sister George sturztrunken in ein mit zwei Nonnen besetztes Taxi stürzt und diese belästigt, beginnt der Stern der alternden Schauspielerin zu sinken. Ihre größter Albtraum wird wahr: Sister George soll per Unfall aus dem Serien-Leben scheiden. Und auch ihrer Freundin kann sie sich nicht mehr sicher sein. Der 1968 entstandene Film hat eine für diese Zeit ungewöhnlich offen gezeigte lesbische Sexszene. Und er zeigte erstmals wie selbstverständlich eine längere Szene in einem lesbischen Club. Der Klassiker des Queer Cinemas ist intelligent inszeniert und wird mit sehr viel Witz erzählt. Unbedingt empfehlenswert.
