
Archiv: Oktober 2006
C. hat sich im Griff, meistens jedenfalls. Nun, da er gelernt hat, das er immer die Silbe „Ex“ in allen Sätzen an die Stelle setzen muss, wo er von seinem Freund redet. M., der Ex. Aber dann gibt es diese Blues-Momente, ab und an. Dann kommt ihm dieser neue Zusatz so blöd vor. Morgens auf dem Weg zur Arbeit, wenn C. in der Straßenbahn sitzt, die gerade den Rhein überquert. Und auf dem Heimweg, wenn er über die hölzerne Brücke der Fachhochschule läuft. Dann trübt sich sein Blick. Oder wie heute, als plötzlich im Radio der alte Ton, Steine, Scherben-Song läuft: „Komm, schlaf bei mir“. Ein Liebeslied. C. berichtet M. am Telefon von dem Song und dem Blues, der daraus entsteht und M. weiß gar nicht, was er darauf antworten soll. Rio Reiser (Foto) beschwört am Ende immer und immer wieder diesen Wunsch: „Schlaf bei mir“. Es hört sich so an, als sei sein Flehen vergebens…
2006 28 Okt
Was diese Woche so geschah…
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Pimp up my Klo: Auf dem Kirchplatz vor dem Amerika-Haus (da, wo sich seit den Anschlägen vom 11. September die Polizei im Schichtdienst zu Tode langweilt, weil sich kein Terrorist blicken lässt), findet einmal wöchentlich ein Markt statt. Besonders verführerisch ist die Ecke mit den Pflanzen. Da ich eh meine Wohnung gerade von alten Staubfängern befreie und umdekoriere, fiel meine Wahl auf ein üppiges Blumenmonster, das blüht wie wild. Ein bisschen habe ich Angst vor dem Teil in meinem Nacken.
Paralleluniversen: Als nochmal der Sommer zur Mitte der Woche ausbrach, belegten die Kölner sämtliche freien Plätze in den Eiscafés und bestellten sich Maxi-Eisportionen. Zeitgleich hängten Mitarbeiter der Stadt Köln die Weihnachtsbeleuchtung in die Bäume am Neumarkt.
Anti-Aging durch Photoshop: Ein Freund zeigt mir die Passbilder, die er für sich frisch hat anfertigen lassen. Die Person auf den Bildern ist jünger, als die, die mir gegenüber sitzt „Ich habe nur erwähnt, das er mich so fotografieren soll, das man meine Augenringe nicht so sieht“, behauptet er. Der Fotograf hat das offensichtlich als Auftrag zur digitalen Retusche verstanden. Manche Fotostudios wissen, was Homos wünschen…
Früher in den Museen, da traf man auf Leute, die völlig in Gedanken versunken vor einem Gemälde standen. Regungslos hielten sie mentale Zwiesprache mit dem Künstler, oder verglichen ihr Bildungsbürger-Wissen mit dem, was sie da vor sich sahen. Sollte es diese kontemplativen Menschen noch geben, so sind sie heute nicht mehr zu erkennen. Denn nun stehen ganz viele Leute minutenlang starr vor den Werken, den Kopf leicht geneigt, und nur scheinbar meditierend. In Wirklichkeit warten sie darauf, das ihr Audio-Guide endlich aufhört zu quatschen. High-Tech ist Trumpf in den Ausstellungshallen. Was allerdings gewöhnungsbedürftig ist. In der Francis Bacon-Ausstellung im K20 in Düsseldorf zum Beispiel tippen die Besucher eifrig Nummern auf einer blau leuchtenden Tastatur. Sie rufen aber mit dem Handyähnlichen Gerät nicht Mutti an, sie lauschen schweigend hinein. In der Caravaggio-Ausstellung im Düsseldorfer „Kunst Palast“ dagegen drücken sich die Kunstinteressierten kleine Bratpfannen ans Ohr, die über den Maler aufklären. Und noch etwas ist neu. Die Gruppenführungen sind keine lautstarken Veranstaltungen mehr, bei denen Studenten gelangweilt leiernd ihre Texte in die Menge blöken. Ebenfalls bei Meister Caravaggio ist eine Frau zu beobachten gewesen, die wild gestikuliert und ihre Lippen bewegt, aber in zwei Metern Entfernung nicht mehr zu hören ist. Der kleine Mikrofonbommel vor ihrem Mund überträgt die Worte per Funk in die Walkman-Kopfhörer der umstehenden Gruppe. Das ist schade für alle, die sich sonst gern neben so eine Führung stellten, um kostenlos zu lauschen. Und es ist zu befürchten, das man der Dame akustisch näher kommt, als einem lieb ist. Sollte sie ein Röchelatem plagen oder Gase aus dem Magen entweichen, so bekommt man all dies unmittelbar mit.
Kein Problem. Für alle Beschnittenen, die unter dem Trauma einer fehlenden Vorhaut leiden, gibt es jetzt den Gummi-Ersatz zum Reinschlüpfen. Passt perfekt, sieht doof aus, und ist garantiert ungeeignet für sexuelle Aktivitäten. Die Anbieter warnen selbst davor. Es könnte, öh, irgendwo stecken bleiben.
2006 19 Okt
Ich blogge, also gewinne ich
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Bloggen wird von manchen nicht ernst genommen, von anderen gehegt und gepflegt. Und ganz viele bekommen davon gar nichts mit. Um Weblogs bekannter, beliebter und besser zu machen, gibt es inzwischen diverse Blog-Preise. Zum Beispiel den „Best Of The Blogs-Award" der Deutschen Welle, bei dem gerade das Voting für die Preisträger 2006 läuft. Die schwule Blogosphäre hatte bislang keinen solchen Preis. Jetzt gibt es derer gleich zwei. Zum einen ruft das texanische Lonestar Verve Blog dazu auf, Nominierungen einzusenden. Zum anderen feiert man beim englischsprachigen Portal QueerClick das zweijährige Bestehen mit dem Gaybloggies Award. Während bei Ersterem nicht ganz klar ist, ob der Finalist zum Steakessen auf die Ranch des Texaners geladen wird, gibt es bei den Gaybloggies handfeste Sponsoren für Preise. Bei beiden dürfen auch Blogs nominiert werden, die aus Europa stammen und eben nicht englischsprachig sind. Außerdem sind Eigennominierungen erlaubt. Dann mal los, ich hab mich schon vorgeschlagen… 
Trailer und Website sehen vielversprechend aus. Am 25. Oktober startet in den französischen Kinos die Komödie „Poltergay“. Saturday Night Fever und Village People treffen auf schwule Poltergeister. Kann mal bitte schnell jemand deutsche oder englische Untertitel besorgen? Ein möglicher Starttermin in Deutschland ist noch nicht angekündigt.
Es gibt Dinge, die probiert man nur einmal in seinem Leben aus, danach nie wieder. Zum Beispiel, den Bezug seiner Matratze zu reinigen. Man kennt das Problem: Wenn die Schlafunterlagen ein paar Jahre auf dem Buckel haben und darauf regelmäßig sexuell aktive Nutzer liegen, dann sammeln sich darauf im Laufe der Zeit die fleckigen Zeugnisse lustvoller Momente. Man kann dann entweder schamvoll ein altes Spannbettlaken darüber streifen und das Ganze für den Sperrmüll an den Straßenrand legen. Oder, wenn man gerade keine Kohle für eine neue Lottermatte hat, die Fleckenpracht ignorieren. Das funktionierte bei mir bis Samstag. Manchmal bekomme ich so Putzfimmelanfälle mit integrierter Absenkung meiner Ekelgrenze. Und jetzt war eben die Matratze fällig. Nachdem ich entdeckt hatte, das sich deren Bezug per Reißverschluss öffnen und abziehen lässt.
Meine Waschmaschine beherrscht kein Deep Throat, das Stoffmonster will einfach nicht in die Trommel passen. Ok, also ab zum nächsten Waschsalon neben der Post in Köln-Kalk und das dicke Ding in die „Jumbo-Waschmaschine“ gestopft. Das Wasser, das hinter dem Glas des Trommeldeckels einströmt, bringt die Eiweißrückstände im Stoff ordentlich zum Leuchten. Ich verkrümele mich schnell in eine Ecke des Salons, damit keiner angewiderte Blicke auf meine Wäsche und mich werfen kann. 37 Minuten später sind die Flecken immer noch da. Einen Hauch zarter zwar, doch weiterhin sichtbar. Egal, mehr als 40 Grad traue ich mich nicht. Ab nach Hause. Acht Euro Lehrgeld gezahlt.
Am Sonntagabend beginnt der Machtkampf zwischen dem Bezug und mir. Der ist störrisch, will nicht wieder zurück auf den Schaumstoff. Ich scheuere mir die Finger wund, ein Fingernagel knickt um, ich schwitze und fluche und benötige eine Stunde, bis ich den Reißverschluss wieder schließen kann. Beleidigt knubbelt und wölbt sich der Federkern auf dem Boden, das blöde Ding ist doch trotz aller Vorsicht ein paar Zentimeter eingelaufen. Hoffentlich liegt sich das wieder platt. Mein einziger Trost: Ich habe wahrscheinlich mehrere Millionen Hausstaubmilben gekillt. Und mein Putzfimmelanfall ist vorbei.
2006 15 Okt
Wenn Spiegel Online über Gayromeo schreibt…
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…dann kann das schon mal in die Designer-Hose gehen. Die Autorin, die hier mal schnell über ein Thema drüber recherchiert hat, um dann oberflächlich Gefahren, Suchtpotentiale und Risiken aufzubauschen, ohne konkrete Belege dafür zu präsentieren, bekommt zurecht Prügel aus der Community (hier und hier, und passend dazu auch der Beitrag hier). Ein Gutes hat die Sache: Die schwule Blogosphäre diskutiert nun mal über Gayromeo und die Folgen der virtuellen Vernetzung. Das war überfällig.
In Thailand gibt es nicht nur gefälschte Markenwaren und Raubkopien zu kaufen, auch originale Medikamente, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, erhält man problemlos. Depressive würden glücklich, sähen sie die ganzen Psychopharmaka in den Regalen des kleinen Drug-Shops in einer Gasse zwischen Silom Rd. und Suriwong Rd., in dem ich meine Packung Viagra letzten August gekauft hatte. Mit umgerechnet 30 Euro habe ich sicherlich einen überhöhten Preis bezahlt. Andererseits waren es vier 100 mg-Pillen. 25 mg reichen für gewöhnlich. Somit hat man sozusagen , ein geeignetes Instrument zum vierteln von harten Tabletten vorausgesetzt, 16 Schuss frei. Der Test folgte man nächsten Tag in der Babylon-Sauna. Ein arg zerbröseltes Drittel geschluckt, mit ordentlich Pepsi Max nachgespült, zu Abend gegessen und ab in den Badetempel. Eine Stunde vor dem Einsatz sollte man das Mittel einnehmen, riet der Beipackzettel. Ich machte ein paar Saunagänge und wartete, ob ich irgendetwas in mir oder auch an mir spüren würde. Nichts geschah. Dann ein Ziehen im Nacken, und ich dachte zunächst, ich würde Kopfschmerzen bekommen. Doch dann erinnerte ich mich, das dies ein Nebeneffekt von Viagra ist. Ok, ich schien also bereit für den ersten Test.
Der junge Mann, der sich an mir in der Dampfsauna zu schaffen machte, hätte auch so problemlos eine Erektion bei mir verursacht. Das war also noch kein Beleg für eine besondere Wirkung. Allerdings nahm er mich danach mit in eine Kabine. Und siehe da: Es ging noch ein zweites Mal. Normalerweise ist bei mir nach einmal Schluss und alles schlapp. Auch fünf Stunden nach der Einnahme, ich lag längst in meinem Bett, und dachte nochmal an die Szene, bewies mir der Wirkstoff, das er sich noch im Blut befand.
Letzte Woche lief in der Kölner Phoenix-Sauna ein Typ rum, der alle fünf Minuten in die Trockensauna rannte und dort jedem seinen Dauerständer präsentierte, ob es nun interessierte oder nicht. Ich grinste und dachte nur: „Viagra-Schlampe“.
