In Thailand gibt es nicht nur gefälschte Markenwaren und Raubkopien zu kaufen, auch originale Medikamente, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, erhält man problemlos. Depressive würden glücklich, sähen sie die ganzen Psychopharmaka in den Regalen des kleinen Drug-Shops in einer Gasse zwischen Silom Rd. und Suriwong Rd., in dem ich meine Packung Viagra letzten August gekauft hatte. Mit umgerechnet 30 Euro habe ich sicherlich einen überhöhten Preis bezahlt. Andererseits waren es vier 100 mg-Pillen. 25 mg reichen für gewöhnlich. Somit hat man sozusagen , ein geeignetes Instrument zum vierteln von harten Tabletten vorausgesetzt, 16 Schuss frei. Der Test folgte man nächsten Tag in der Babylon-Sauna. Ein arg zerbröseltes Drittel geschluckt, mit ordentlich Pepsi Max nachgespült, zu Abend gegessen und ab in den Badetempel. Eine Stunde vor dem Einsatz sollte man das Mittel einnehmen, riet der Beipackzettel. Ich machte ein paar Saunagänge und wartete, ob ich irgendetwas in mir oder auch an mir spüren würde. Nichts geschah. Dann ein Ziehen im Nacken, und ich dachte zunächst, ich würde Kopfschmerzen bekommen. Doch dann erinnerte ich mich, das dies ein Nebeneffekt von Viagra ist. Ok, ich schien also bereit für den ersten Test.
Der junge Mann, der sich an mir in der Dampfsauna zu schaffen machte, hätte auch so problemlos eine Erektion bei mir verursacht. Das war also noch kein Beleg für eine besondere Wirkung. Allerdings nahm er mich danach mit in eine Kabine. Und siehe da: Es ging noch ein zweites Mal. Normalerweise ist bei mir nach einmal Schluss und alles schlapp. Auch fünf Stunden nach der Einnahme, ich lag längst in meinem Bett, und dachte nochmal an die Szene, bewies mir der Wirkstoff, das er sich noch im Blut befand.
Letzte Woche lief in der Kölner Phoenix-Sauna ein Typ rum, der alle fünf Minuten in die Trockensauna rannte und dort jedem seinen Dauerständer präsentierte, ob es nun interessierte oder nicht. Ich grinste und dachte nur: „Viagra-Schlampe“.
