Es gibt Dinge, die probiert man nur einmal in seinem Leben aus, danach nie wieder. Zum Beispiel, den Bezug seiner Matratze zu reinigen. Man kennt das Problem: Wenn die Schlafunterlagen ein paar Jahre auf dem Buckel haben und darauf regelmäßig sexuell aktive Nutzer liegen, dann sammeln sich darauf im Laufe der Zeit die fleckigen Zeugnisse lustvoller Momente. Man kann dann entweder schamvoll ein altes Spannbettlaken darüber streifen und das Ganze für den Sperrmüll an den Straßenrand legen. Oder, wenn man gerade keine Kohle für eine neue Lottermatte hat, die Fleckenpracht ignorieren. Das funktionierte bei mir bis Samstag. Manchmal bekomme ich so Putzfimmelanfälle mit integrierter Absenkung meiner Ekelgrenze. Und jetzt war eben die Matratze fällig. Nachdem ich entdeckt hatte, das sich deren Bezug per Reißverschluss öffnen und abziehen lässt.
Meine Waschmaschine beherrscht kein Deep Throat, das Stoffmonster will einfach nicht in die Trommel passen. Ok, also ab zum nächsten Waschsalon neben der Post in Köln-Kalk und das dicke Ding in die „Jumbo-Waschmaschine“ gestopft. Das Wasser, das hinter dem Glas des Trommeldeckels einströmt, bringt die Eiweißrückstände im Stoff ordentlich zum Leuchten. Ich verkrümele mich schnell in eine Ecke des Salons, damit keiner angewiderte Blicke auf meine Wäsche und mich werfen kann. 37 Minuten später sind die Flecken immer noch da. Einen Hauch zarter zwar, doch weiterhin sichtbar. Egal, mehr als 40 Grad traue ich mich nicht. Ab nach Hause. Acht Euro Lehrgeld gezahlt.
Am Sonntagabend beginnt der Machtkampf zwischen dem Bezug und mir. Der ist störrisch, will nicht wieder zurück auf den Schaumstoff. Ich scheuere mir die Finger wund, ein Fingernagel knickt um, ich schwitze und fluche und benötige eine Stunde, bis ich den Reißverschluss wieder schließen kann. Beleidigt knubbelt und wölbt sich der Federkern auf dem Boden, das blöde Ding ist doch trotz aller Vorsicht ein paar Zentimeter eingelaufen. Hoffentlich liegt sich das wieder platt. Mein einziger Trost: Ich habe wahrscheinlich mehrere Millionen Hausstaubmilben gekillt. Und mein Putzfimmelanfall ist vorbei.
