Ein klitzekleines bisschen hat er sich selbst eingeladen. Tagelang ging es bei gayromeo hin und her. Nach Düsseldorf wolle er über Silvester. Vielleicht auch nach Köln. Oder aber beides. Und ob ich ihn nicht in Liège abholen möge. Das läge genau in der Mitte zwischen Lille, wo er studiert, und Köln. Ich wiegele ab. Treffen wäre ja generell schön, aber eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit für ihn. Schließlich habe ich bereits einen Freund enttäuscht, dem ich eine länger geplante Verabredung abgesagt habe. Außerdem weiß ich gar nicht, ob ich jemanden, den ich nur aus dem Chat kenne, ein paar Tage bei mir in der kleinen Wohnung haben will. Und nach Belgien fahre ich nun schon gar nicht, er suche ja schließlich eine Bleibe, nicht ich. Zudem – so denke ich bei mir – ist er erst 21. Da ist es mit der gemeinsamen Themenfindung immer etwas schwierig.
Am Freitag steht K. am Bahnhof in Köln, wo ich ihn abhole. Er ist zunächst unglaublich schüchtern, der Smalltalk kommt etwas schleppend in Gang. Doch langsam taut er auf, erst recht, nachdem wir die Phoenix-Sauna zum gemeinsamen Schwitzen geentert haben. Zwischendurch geht er ausgiebig auf Männerfang. In Lille scheint nicht so viel los zu sein. Meine eigene Befangenheit wegen des großen Altersunterschiedes stört ihn überhaupt nicht. Er lebt zwar bereits seit zwei Jahren in Frankreich, aber er ist durch und durch Thai. Da spielen diese westlichen Befindlichkeiten keine so große Rolle. Am Samstag bekomme ich von ihm einen längst überfälligen Haarschnitt verpasst. Ich bin jetzt sein „Mon Cherie“, und wie er das sagt, auf französisch mit thailändischem Akzent, klingt das unglaublich niedlich. An Sightseeing ist er nicht so interessiert. Denn es ist kalt und regnerisch. Lieber verbringt er den Tag über vor seinem Computer, während ich mein Tagesgeschäft erledige. Und seine Pläne für den Abend sind auch nicht so anspruchsvoll. „What you wanna do tonight?“ „Fuck!“ „Ok …“

Der Fernseher läuft im Hintergrund. Der WDR zeigt eine Dokumentation über den 2006 verstorbenen Entertainer Rudi Carell. Mir fällt ein, das es einen Niederländer gibt, dessen Witz wesentlich niveauvoller und intelligenter ist. Den Fernseher also aus und Herrmann van Veen in den Player. Der singt vor allem von Liebe. Und eines meiner Lieblingsstücke ist seine Interpretation von Erich Kästners „Sachlicher Romanze“:
In der Adventszeit zieht es die Menschen zueinander, Weihnachtsfeiern haben Inflation. Und mitunter erfährt man erstaunliche Dinge oder lernt Neues dazu. So ging es mir in den vergangenen Tagen. Hier eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Weihnachtsfeier-Lehren:
Zum Beispiel beim Lidl in Humbold-Gremberg. Wo ich gerne einkaufen gehe, weil es da zwischendurch immer wieder so lustige Sachen zu kaufen gibt wie einen Eierkocher für die Mikrowelle. Mit diesem Hightech-Kochgerät (ein bisschen Plastik und ein bisschen Aluminium in Form und Größe eines Straußeneis) begebe ich mich zur Kasse, und frage nach dem Preis. Der ist nämlich nirgends angegeben. Die Kassiererin fragt ihre Kollegin, die ohne lang nachzudenken sagt: „Fünfneunundneunzig“. Ich nicke zustimmend, das Spielzeug ist es mir wert. Plötzlich ruft ein Mann in der Schlange hinter mir: „Alle Fraue luge! Alle!“ Und guckt mich dabei ganz ernst an. Alle schauen verblüfft zu dem Herrn, der tatsächlich ein bisschen wie Borat, allerdings mit einem überdimensionalen Brillengestell, aussieht. Eine fiese Frauenverschwörung gegen unschuldige Männer, die Mikrowellengeschirr kaufen? „Ja, alle Fraue luge!“ bekräftigt Borat II. nochmal seine Anschuldigung. Die Kassiererin versucht wegzuhören, lächelt etwas verkniffen in Richtung Scannerkasse und ich verschwinde schnell nach draußen, an die frische kasachische Luft…
Die Premiere fand am Freitag statt. Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich live ein Fußballspiel in einem Stadion miterlebt. Nicht mal während meines Volontariates bei Radio Emscher Lippe in Gelsenkirchen habe ich es „auf Schalke“ geschafft. Jetzt erlebe ich auf Einladung von P. den 1. FC Köln im Rhein-Energie-Stadion, wie er seinen – von allen lang ersehnten – Sieg gegen Kaiserslautern vergeigt. P ist vor einiger Zeit zum Fußball-Fan mutiert, ist bereits Mitglied und hat sogar eine Payback-Karte mit dem Bild des FC-Maskottchens, dem Geißbock.
Pünktlich zu „Casino Royale“ sind die alten James Bond-Filme in einer neuen „Ultimate Edition“ auf DVD herausgekommen. Die Bilder digital aufgefrischt, der Ton neu abgemischt in Dolby 5.1-Sound. Wie sich das anfühlt, konnte ich nun mit ein paar Pröbchen (
Mein „Personal Worst Song Of The Year 2006": Heino mit dem sinnfreien Titel: "Wir tanzen Polka, denn wir lieben Germany". Dicht gefolgt von Sportfreunde Stiller, die nicht zählen können ("54, 74, 90, 2010") und dem nicht tanzen könnenden Herbert Grönemeyer mit seiner gröhlenden Samba-Combo ("Zeit, dass sich was dreht").
Mein "Personal Best Album Of The Year 2006" für fünf Euro. Geiz ist manchmal tatsächlich geil…