Die Premiere fand am Freitag statt. Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich live ein Fußballspiel in einem Stadion miterlebt. Nicht mal während meines Volontariates bei Radio Emscher Lippe in Gelsenkirchen habe ich es „auf Schalke“ geschafft. Jetzt erlebe ich auf Einladung von P. den 1. FC Köln im Rhein-Energie-Stadion, wie er seinen – von allen lang ersehnten – Sieg gegen Kaiserslautern vergeigt. P ist vor einiger Zeit zum Fußball-Fan mutiert, ist bereits Mitglied und hat sogar eine Payback-Karte mit dem Bild des FC-Maskottchens, dem Geißbock.
Wir sind zu viert, P., H., H. und ich, und kommen fast zu spät, denn die "EffZeeeh-Hymne" wird bereits gespielt. Dazu stehen alle, und halten ihren FC-Schal vor sich ausgebreitet auf Stirnhöhe. Ich habe keinen Schal und den Text kenne ich nicht, deshalb schunkle ich nur ein wenig verhalten mit. Die Mannschaften marschieren zwischen den Cheerleader-Mädels ein, der Stadionsprecher nennt die Vornamen der FC-Spieler, die rund 50.000 Zuschauer – außer den Kaiserslauterner Fans – ergänzen den Nachnamen. Dann geht es los. Ein Fußballspiel live zu verfolgen, ist viel schwieriger als am Fernseher. Dauernd wird man abgelenkt. Durch den jungen hübschen Brezelverkäufer, durch die Polizei, die mal präventiv in den Gästeblock einmarschiert, weil die erste Rauchbombe gezündet und Gegenstände geworfen wurden. Dann verfolgt man den Ball, während in einer anderen Ecke gefoult wird, und man weiß gar nicht genau, was geschehen ist, das der Spieler die gelbe Karte zu sehen bekommt. Wie beim Hochamt in der Kirche muss man dauernd aufstehen, weil der Ball sich in Richtung gegnerisches Tor bewegt. Rollt er zurück, setzt man sich wieder.
P. zuckt immer so komisch auf seinem Sitz, wenn die Kaierslauterner dem FC-Tor zu nahe kommen. Er schimpft, wenn „seine Spieler“ Chancen vergeben. Und er brüllt los, wenn ein Ball im richtigen Netz landet. Ich bemühe mich nach Kräften, den Ritualen zu folgen, klatsche, und juble, summe mit wenn gesungen wird und bekomme so langsam ein Gefühl dafür, was das packende und verbindende des Fußballs ist. Sogar den Sportteil des Kölner Stadtanzeigers habe ich anderntags gelesen, das mache ich sonst nie. Ich brauche, jetzt, wo es langsam kalt wird, einen neuen Schal. Ob ich mal in den FC-Fanshop gehen soll?
