Die irritierende Surfreise im Netz begann beim Musikportal Napster mit einem grottenschlechtem Songtext. Dort ist unter den Neuerscheinungen die Single „Boten Anna“ von Basshunter gelistet. Erst dachte ich, da singt ein holländischer Scooter-Verschnitt eine miserable deutsche Übersetzung, deren Inhalt ungefähr so geht: Der Sänger kennt ein Boot namens Anna, das in einem Kanal aufräumt, und das Boot ist gar kein Boot, sondern eine Frau. Und der Sänger hat’s geahnt, denn das Boot kam ihm schon immer so komisch vor. Äääh, ja …
Die Google-Recherche klärt auf, das der Holländer in Wirklichkeit ein langer schlaksiger schwedischer Scooter-Verschnitt ist, der seit zwei Jahren erfolgreich als DJ durch den Norden Europas tourt und der mit „Boten Anna“ bereits in seinem Land einen Riesenerfolg hatte. Und das sich sein dazugehöriges Boten-Video über die Videoplattformen schnell verbreitet hat.
In den Niederlanden landete das simple Stampf-Stampf-Liedlein übrigens auch an der Spitze der Charts. Ich vermute, weil die auch alle an ein Boot dachten, und an die vielen Grachten, in denen Anna angeblich aufräumt. Ein Riesenirrtum, den der DJ auch noch dadurch nährt, das er in dem Video auf einem Tretboot tanzt. Denn mit dem Boot (lang gezogenes O) ist in Wirklichkeit ein Bot (kurz gesprochenes O) gemeint. Eine Abkürzung für Robot, ein Programm, das automatisch bestimmte Aufgaben im Internet erledigt. Beim IRC-Chat zum Beispiel sorgen Bots dafür, das Spammer rausgeschmissen werden. Und genau darum geht es in dem Song. Der Bassjäger alias Jonas Altberg chattet über IRC und der Bot ist eben keine Software, sondern ein „super super sexy Girl“ (O-Ton deutsche Übersetzung).
Ich befürchte, das Stück ist so doof, das die eben in Deutschland veröffentlichte Maxi ein Erfolg wird. Sollte das der Fall sein, können wir uns schon auf Basshunters Album „LOL“ und die nächste Single freuen: „Vifta Med Händerna“ (Schüttel die Hände), Refrain: „Hoppan, hoppan hoppan“ (Springt, springt, springt).
Archiv: Januar 2007
Der Sturm fegt über Deutschland und hat inzwischen mit den ersten wilden Böen auch Köln erreicht. Die Ziegel liegen noch auf den Dächern, aber das Internet ist stellenweise zusammengebrochen. Sämtliche Wetterdienstseiten sind kaum noch erreichbar. Newsseiten, die die Stichworte "Sturmschäden" oder "Orkan" beinhalten, ebenfalls. In den deutschen Büros wird nicht mehr gearbeitet, sondern nur noch nach draußen gestarrt und verzweifelt auf den Reload-Button geklickt …
Bislang war es eher langweilig, was an Aushängen im Haus zu lesen war: Der Schornsteinfeger kommt, die Gastherme wird gewartet, der Hausmeister ist im Urlaub. Die üblichen Dinge halt. Doch heute morgen prangte eine ernst zu nehmende Botschaft am Stromzähler im Erdgeschoß. „Sturmwarnung für Donnerstag! Bitte rechtzeitig die Speicherluken schließen“ Es gab bereits viele Stürme über Gremberg, aber noch nie eine Warnmeldung darüber bei uns im Haus. Hat sich der Hausmeister von dem Geld, das meine Nachbarn für ihn zu Weihnachten sammelten, eine Heim-Wetterstation gekauft? Oder ist er besonders wetterfühlig? Droht uns womöglich der Jahrhundertsturm? Ich bin beunruhigt, schließlich sollen wir alle Luken schließen. Ich werde mich heute Nachmittag schnell mit den nötigen Lebensmittelvorräten eindecken. Heute Abend werde ich mir nochmals den Film „Twister“ anschauen, damit ich weiß, wie ich mit fliegenden Kühen im Wirbelsturm umzugehen habe. Reicht es eigentlich, die Vorhänge zuzuziehen, oder muss ich die Fenster mit Brettern aus dem Baumarkt (20 % Rabatt auf alles, außer Tiernahrung) zunageln? Sollte ich diesen Sturm nicht überleben, wisst ihr: Ich habe vergessen, die Luken rechtzeitig zu schließen.
Was am Wochenende so geschah: Wie Teenager die Ohrstöpsel vom iPod teilen und in der Straßenbahn Buddha-Bar hören. Wünsche nach Geburtstagspartys absagen, weil der Büro-Umzug genug Stress macht. Schlecht schlafen, weil der Wochenendbesuch mit einer Bronchitis angereist kommt, die er Nachts ausführlich vorführt. Das Schokoladenmuseum erstmals besuchen, und sich freuen, das dort tatsächlich noch Schokolade produziert wird. Am Samstagabend gemeinsam im Kini essen gehen, und das zur kleinen Mini-Geburtstagsparty deklarieren. So richtig schmeckt nur mir das Menü. Auf YouTube Filmschnipsel schauen von der thailändischen Transenwahl „Miss ACDC 2006“. Am Sonntag das Frühstück ausfallen lassen und gleich das Mittagessen zubereiten. Der Rindfleischsalat und die Kokosnuss-Hühnersuppe schmeckt beiden. Bei einem unglaublich blauen Himmel die 509 Stufen im Turm des Kölner Doms erklimmen, am Rhein entlang spazieren, im Starbucks einen Kakao bestellen und über die Hohenzollernbrücke laufen. Sich fragen, ob alle, die uns beobachten, sich fragen, was denn das für ein seltsames Gespann ist. Und sich wundern, das ich gleich nach seiner Abreise am Sonntagnachmittag Ausschau halte nach einem neuen Termin, an dem man sich wiedersehen könnte …
Achtung Spoiler! Wer unbedingt warten möchte, bis RTL II eventuell mal Ende 2008 die 6. Staffel im deutschen Fernsehen zeigt, der sollte jetzt nicht weiterlesen. Ich verrate nämlich alles! Eigentlich ist die US-Premiere der neuen Season am kommenden Sonntag, und dann gibt es zum ordentlichen Anfüttern gleich ganze vier Folgen am Stück. Doch wahre Fans haben bereits seit einer Woche die Möglichkeit, den Auftakt zu begutachten. Dumm gelaufen für den Fernsehsender Fox, der sich gedacht hat: „Hey, die ersten vier Folgen werden wir nicht nur im Fernsehen zeigen, die werden wir auch gleich schon mal als DVD rausbringen, damit die gierigen Fans uns ordentlich Kohle rüberschieben.“ Tja, die DVDs sind wohl schon vor der TV-Ausstrahlung bei den Fans im Briefkasten gelandet, und schwupps, liegen sie nun in den torrent-Tauschbörsen zum Download bereit.
Jack Bauer zeigt in den ersten vier Stunden erstaunliche Supermann-Kräfte. Gerade kommt er noch völlig verlottert und verstört aus zweijähriger chinesischer Gefangenschaft zurück nach Los Angeles – er wird gerade mal wieder gebraucht – ist er keine 15 Minuten später frisch rasiert, geschniegelt und mit einem schicken Haarschnitt versehen. Eine halbe Stunde später wird er brutal gefoltert, erhält zwei ziemliche fiese Stichverletzungen, die ihn beinahe töten, und eine Stunde später kämpft er schon wieder mit einem Terroristen in der U-Bahn, als wäre nichts passiert. Ach ja, und am Ende explodiert eine Atombombe in der Innenstadt. Ist zwar nur eine niedliche kleine Kofferbombe, nicht so ein dicker Hiroshima-Brummer, aber auf den Fallout und die hundertausende von Opfern können wir uns für die restlichen 20 Stunden schon mal freuen. Die Drehbuchschreiber haben vermutlich gedacht, sie müssten alles toppen, was sie sich bislang haben einfallen lassen, und nach dem 11. September ist alles möglich und denkbar. Nur wie kommt Jack Bauer da wieder raus? Wird er in Folge 5 aus einem bösen Traum erwachen? Zieht die CTU aus dem sonnig verstrahlten Los Angeles nach Washington? Und nehmen sie dann auch ihre Telefonanlage mit dem schönen Klingelton mit? Schalten sie auch in nächster Zeit wieder ein: The following takes place between 10 am and 11 am …
Seit Dienstag schon hat der Trauerkloß bei sich daheim den Stummfisch zu Gast. Der kam zurück aus dem fernen Südostasien, nach langen Wochen. Trauerkloß ist zwar gerade guter Dinge, doch weiß er nicht, ob das Wiedersehen glücken wird. Schließlich waren die beiden lang zusammen durchs Leben geschwommen und tun es seit kurzem nicht mehr. Stummfisch ist erkältet. Hat Halsweh. Ist erschöpft und müde. Schweigt viel und gern. Trauerkloßens Onkel, der ein erfahrener Heilpraktiker ist, würde jetzt sicherlich entzückt ausrufen: „Aha! Psychosomatik!“ Und Trauerkloß würde nicken, und denken: „Stimmt. Ausgerechnet jetzt, wo es sicherlich viel zu bereden gäbe, um das gemeinsame Schwimmen auf getrennten Bahnen zu lernen, da versagt die Stimme. Da stimmt doch was nicht!“ Damit die Stille nicht unerträglich wird, üben sich Stummfisch und Trauerkloß in lang eingeübten Ritualen. Der eine kocht ein Frühstücksei, der andere brät das Steak. Der eine wischt den Tisch ab, der andere holt die Zeitung. Und Brötchen. Und zwischendurch läuft die Waschmaschine. Die macht auch vertraute Geräusche.
„Was hat sich bei dir getan in den vergangenen Monden?“, fragt Trauerkloß, und Stummfisch lächelt und schweigt und zeigt auf seinen Hals. „Was sind deine Pläne für dieses Jahr?“ möchte Trauerkloß wissen, und Stummfisch blubbert böse, das er nichts weiß. Noch nicht mal, ob er lieber im fernen Asien oder woanders schwimmen möchte. Trauerkloß wird jetzt auch böse. Einen Stummfisch habe er gar nicht haben wollen, eigentlich hätte er sich lieber einen wortgewandten Papagei gewünscht, der kann und weiß und will. Trauerkloß bläht sich auf und droht, den Stummfisch demnächst nicht mehr im eigenen Wohnwasser mit schwimmen zu lassen. Stummfisch verstummt jetzt völlig. Packt empört sein ganzes großes Schwimmgepäck. Und verlässt Trauerkloßens Behausung.
Und die Moral von der Geschicht? Stummfisch ist in Wirklichkeit ein riesengroßer Angsthase. Und Trauerkloß sucht eigentlich noch immer Stummfischs Nähe. Die aber will der ihm keinesfalls mehr schenken …
2007 2 Jan
Was von 2006 übrig blieb …
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Die Erkenntnis, dass es viel schöner ist, zu Weihnachten von den Geschäftskunden Kuchen statt Karten geschickt zu bekommen. Vorbildlich war da gay-parship.de, die uns eine leckere Schokotorte geschickt haben. Mehr davon bitte im Dezember 2007!
Die Tatsache das 2006 mein persönliches Krisen- und Katastrophenjahr war. Das aber – wie Mutti in ihrem Neujahrstelefonat sagte – es jetzt nicht noch schlimmer kommen kann. Der Meinung bin ich allerdings auch, schließlich bin ich Anhänger einer optimistischen Lebenshaltung.
Ein kleines Herz auf dem Badezimmerspiegel, das man nur sieht, wenn nach dem Duschen das Glas beschlagen ist. Das ist zwar nicht viel, was da zurück bleibt von den schönen Tage zwischen den Jahren. Aber es ist doch auf jeden Fall ein guter Start für 2007 …
Zweimal droht mir der Cherie-Status aberkannt zu werden. Beim ersten Mal äußere ich im Scherz meine Zweifel, das ich wirklich K‘s Liebling bin, worauf er tödlich beleidigt ist. Beim zweiten Mal klärt sich auf, das er – typisch Thai – seine Rückkehr ohne Absprache für den 2. Januar statt für den Neujahrstag geplant hat, was organisatorisch einfach nicht geht. Beide Male straft er mich mit stundenlangem Schweigen und bösen Blicken. Ich scheine offensichtlich gern an Männer zu geraten, deren Fähigkeit zur Konfliktbewältigung schwer gestört ist.
Am Samstag zeige ich ihm die Szenekneipen in der Altstadt, mit all seinen Absonderlichkeiten (also inklusive der ranzigen Stricherbar „Hühnerfranz“. Allerdings lassen wir das „Timp“ mit seiner Travestieshow aus). In der Cruisingbar „Deck 5“ gesellt sich ein Herr an unseren Tisch, der mir bereits nach einer Minute erklärt, das er noch ziemlich neu in der Szene sei, eigentlich auf Transen in kurzen Röcken stehe und ob wir nicht noch einen Mitspieler für heute Nacht bräuchten. Ich wünsche ihm lieb und freundlich einen Guten Rutsch. K findet eine kleine Regenbogenfahne auf der Straße, die jemand verloren hat. Er nimmt sie mit heim und hält sie dabei in den Sturm, der gerade über die Stadt hinweg fegt.
Die Silvesternacht beginnt bei leichtem Regen auf der Deutzer Brücke. K springt wie ein irres Huhn hin und her, während uns die Raketen um die Ohren fliegen und die Böller vor unserer Nase explodieren. „It’s beautiful“ kommentiert er das Feuerwerk und zuckt schon wieder zusammen. Diese Nacht ist die Neustadt dran, und meine Vorwarnung, das er heute hemmungslos begrabbelt und geküsst wird, ist berechtigt. Trotzdem überfordert ihn die Bützerei und das Sirtaki tanzen im knallvollen "Ex-Corner" etwas. K. fällt auf, das es besonders viele Lieder gibt, in denen das Wort Köln, Kölle oder Colonia vorkommt, bei denen alle mitgröhlen. Auch im "Clip" ist es rammeldicht, und wir merken, das wir zu spät mit dem Kölsch trinken begonnen haben. Alle anderen taumeln bereits. Aber wir holen auf. Beinahe chillig ist es zum Abschluss gegen vier Uhr morgens im Midnight Sun. K. hat seine Kölntaufe bestanden.
