Donnerstag Mittag, die elfköpfige Delegation aus Köln landet auf dem Flughafen Johannes Paul II. in Krakau. Die polnische Stadt macht es den Besuchern des 4. schwul-lesbischen „Festiwal dja Tolerancja“ nicht ganz einfach. Der Zug in die Innenstadt kommt nicht. Stattdessen werden wer in mit Dutzend anderen in einen Bus gepfercht. Immerhin, die Sonne scheint.
Ich bin einem Apartment untergebracht, das schwule Historie in sich birgt. „In den Achtzigern wurden die Räume als Fotostudio für schwule Pornomagazine in den Niederlanden genutzt“, erzählt der Gastgeber. Ein paar alte Kameras an der Decke erinnern noch an das lustvolle Arbeiten in dem ehemaligen Lagerraum. Am Samstag wird der Marsch für Toleranz durch die Innenstadt ziehen, die rechtsradikale „Allpolnische Jugend“ hat bereits offen gedroht: "Wir werden nicht gestatten, dass die Sodomiten den Rathausplatz erreichen". Sie wollen sich mit einer Gegendemonstration den Schwulen und Lesben entgegen stellen.
Alexander vom Schwulen Netzwerk kennt die Situation aus dem vergangen Jahr. Vereinzelt sind Flaschen, Steine und Eier geflogen, trotz massivem Polizeiaufgebots, erzählt er. Jetzt verstehe ich auch, warum er die Regenschirme mit dem Regenbogenmuster mitgebracht hat. Sie sollen nicht vor Nässe schützen. Auf dem historischen Marktplatz zaubert ein junger Mann riesige Seifenblasen, die regenbogenbunt schillern. Werten wir das mal als gutes Omen.
