Die Kaczynski-Brüder haben offiziell Hausverbot im „Flower Power“, einer netten alternativen Seventies-Retro-Bar in Krakau, in der man sich auf Kissen fläzen und Wasserpfeife rauchen kann. Ein Sticker in Form eines Verkehrsschildes am Eingang weist auf das politische Statement zur aktuellen polnischen Regierung hin: Die ungeliebten Politiker werden hier gern als dicke Enten dargestellt. Die Bar ist Hauptquartier der Veranstalter des „Festivals für Toleranz“. Hier laufen die Infofäden zusammen, hier kann man sich mit Stickern und dem hübschen Plakat eindecken, gegen Spende, versteht sich. Plakativ ist wie im letzten Jahr die Botschaft der rechtsradikalen Gruppierungen in dieser Stadt. Auf vielen Litfass-Säulen prangen gelbe Plakate, die einen „Stop der Förderung von Homosexualität“ fordern. Wo immer es ging, haben Schwule und Lesben die Pamphlete überklebt mit der Adresse ihrer Website oder sie mit dem deutschen „Nazi Raus!“ übersprüht. Neu ist in diesem Jahr die Reaktion der Sozialdemokraten. Sie haben ebenfalls Plakate kleben lassen. „Stop Homophobie“ ist die Botschaft, drastisch bebildert mit Stacheldraht und dem Rosa Winkel, der an die Verfolgung und Ermordung Homosexueller während der Nazi-Zeit erinnert.
Im Flower Power wird am Freitagnachmittag ordentlich gepinselt, Stoffbanner in den polnischen Nationalfarben werden kunterbunt mit dem Wort „Tolerancja“ bemalt. Emanzipation in Polen scheint stets eingebettet zu sein in ein Stück Patriotismus.
