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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: Dienstag, 24. April 2007

2007 24 Apr

Vögelmusik – Ich hasse das

Abgelegt unter: Schwul | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

cocon.jpgFünf Tage Krakau, das bietet genug Zeit, Kontakt mit der hiesigen Bevölkerung aufzunehmen. „Du bist aber suss auch mit deine 14 Jahren.“ Ich finde den kleinen Zahlendreher und das merkwürdige Kompliment von R. süß, der mich über gayromeo kontaktiert. Der junge Mann, der im Chat und über seine Bilder eher locker und lustig rüberkommt, entpuppt sich beim Treff in der Pizzeria als introvertierter unsicherer Typ mit depressiven Tendenzen. Sein Studium, die Stadt, das Wasser in den Leitungen, die Musik auf den Schwulenpartys, das Leben in Polen, all das kommentiert er mit seinem Lieblingsspruch: „Ich hasse das.“ Stuttgart dagegen, wo er eine Zeitlang gelebt hat, findet er toll.

Die Spartacus-Sauna befindet sich in einem schnuckeligen alten Haus, die Inneneinrichtung dagegen enttäuscht durch Lieblosigkeit und beginnende Verwahrlosung. Hier treffen sich die älteren Generationen. Männer, die schon mal 200 Kilometer mit dem Auto zurücklegen, um am Wochenende endlich aus ihrem Dorf zu kommen und in der Stadt Spaß zu haben. Der Gedanke, an einer Demonstration teilzunehmen, wie sie am Samstag stattgefunden hat, liegt ihnen völlig fern. Die Ängste sind zu groß. In der Sauna selber geht es ohne Scheu zur Sache. Besonders bedrängend ein Mann vom Typ lustiger Bauer, der beginnt, mich zu begrabbeln. Ich entziehe mich höflich seiner Hartnäckigkeit. Der Bauer versucht sein Glück im Darkroom, wo penetrantes Vögelgezwitscher vom Band zu vernehmen ist. R. hätte jetzt vermutlich formuliert: „Vögelmusik – Ich hasse das.“

Im Club Cocon kann man sich schnell ziemlich alt fühlen, vor allem, wenn man zu früh auftaucht. Ich bin einer der Ältesten inmitten der Kiddies, die zu Madonna tanzen. Glücklicherweise tauchen gegen Mitternacht die anderen Delegationsmitglieder auf, und auch sonst ist der Altersschnitt gestiegen. Der Flirtfaktor geht erst langsam in die Höhe, parallel zum Alkoholpegel. Während der Krakauer vor den ersten Bieren und Wodkas den direkten Blickkontakt vermeidet, werden die Kontaktversuche zu vorgerückter Stunde offener und direkter. Zudem völlig verblüffend für mich: Poppers ist zurückgekehrt auf die Tanzfläche. Mehrere der Kids schnüffeln während des Tanzens an dem Fläschchen mit dem typischen Geruch.

Das Ciemnia ist Krakaus einzige Cruisingbar, so eine Art Kölner Midnight Sun, nur in klein. Also eine Kellerbar mit dunklen Nischen zum Verstecken spielen. Wirklich außergewöhnlich finde den erhöhten Laufsteg, mit einer Löcherwand davor. Anonyme orale Dienstleistungen lassen sich so bequem für beide Beteiligten durchführen. Hier wie in den anderen dunklen Ecken des Ladens sind die Krakauer alles andere als scheu. Und zudem auch noch ausgesprochen höflich. Der Herr in dem weißen Hemd verabschiedet sich mit Handschlag von mir, bevor er wieder die Kabine verlässt. So was ist mir noch in keiner Bar passiert.

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