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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: Mai 2007

drogenholle.jpgDas sich vor meiner Haustür das wahre ungeschminkte Leben abspielt, ist mir schon länger klar. Im Burgenlandpark gegenüber sitzen am Tage die arbeitslosen Alkoholiker, die in den angrenzenden heruntergekommenen Sozialwohnungen leben. Kids hängen dort abends in kleinen Gruppen herum. Aus Langeweile werfen sie schon mal rohe Eier gegen den vorbeifahrenden Bus. Und in der nahegelegenen Taunusstraße leben Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zusammen, was sicherlich auch nicht immer konfliktfrei abläuft. Mein konservativer Nachbar schaut mich ja auch schon immer böse an ob meines offen homosexuellen Lebenswandels. Seit Donnerstag weiß ich, es ist alles ganz ganz schrecklich hier, denn ich lebe in „Kölns schlimmster Drogenhölle Humboldt-Gremberg.“ So sieht es der Express. Was ist passiert? Der 8-jährige Jazin bekam vor einer Woche in eben jenem Park von einem Junkie völlig überraschend eine gerade genutzte Spritze in den Arm gerammt. Der Junge erhält nun „schwere Medikamente“. Vermutlich die PEP, also die Aids-Medikamente, die man sonst als HIV-Positiver ein Leben lang einnimmt. Die Kombi für ein paar Wochen kurz nach einer möglichen Infektion mit HIV eingenommen, kann eine Ansteckung verhindern. Leider sind diese Pillen nicht ohne Nebenwirkungen. Eine üble und heftige Geschichte, die leider auch Öl ins Feuer der Bürgerinitiative gießt, die sich bereits in der Vergangenheit mit harschen Worten gegen die Drogenszene aussprach, die sich hier konzentriert. Der Junkie-Bund hat in der Taunusstraße seine Anlaufstelle für Beratung und Spritzentausch. Entsprechend wird im Umfeld auch gedealt und gefixt. Wo die Prostitution stattfindet, wie immer wieder behauptet wird und wo die „hunderte von Spritzen“ liegen, die angeblich im Park „täglich“ gefunden werden, das ist mir allerdings ein Rätsel. Wie die Beispiele in anderen Städten zeigen, könnten Fixerräume helfen, dieses Problem von der Straße zu holen. Die Verlagerung des Junkie-Bundes, wie von der grünen Sozialdezernentin Marlies Bredehorst angekündigt, ist weniger als eine Notlösung, denn die Verlagerung der Junkieszene verschiebt die Probleme nur an einen anderen Ort.

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2007 22 Mai

Schuhklimawandel

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hotrub.jpgVon meinen türkischen Nachbarn habe ich es abgeschaut: Die Straßenschuhe werden vor der Wohnungstür ausgezogen und im Flur verstaut. Das schont den empfindlichen quietschorangenen Teppich, der Dreck bleibt draußen. Diese für deutsche Haushalte eher unübliche, doch wie ich finde sehr sympathische Lösung hat jedoch auch Nachteile. Besonders im Sommer und wenn man unter dem Dach wohnt. Denn zu der warmen Luft, die sich im obersten Stock staut, kommt noch der Duft vollgeschwitzter Schuhe dazu. Die Mischung aus günstigen Deichmann-Schuhen der Nachbarn und meinen billigen Sneakern müffelt mitunter deutlich wahrnehmbar vor sich hin.
Und jetzt müssen meine Hausgenossen auch noch einen Anblick ertragen, der offensichtlich über ihre Toleranzgrenze geht. Seit letzten Samstag steht ein neues Paar Turnschuhe vor meiner Wohnung. Ein Converse-Nachbau, angefertigt aus fair gehandeltem Kautschuk, als Werbegag produziert für die Hot Rubber-Kondome, die ab Juni in neuer Verpackung und mit neuen Merkmalen ausgestattet, an den schwulen Mann gebracht werden sollen.
Ich hatte mich zunächst gewundert, das in den vergangenen Tagen immer ein Schuh zur Seite gekippt war, obwohl ich beide aufrecht hingestellt hatte nach dem Ausziehen. Aber kein Wunder. Denn statt des Converse- klebt das Hot Rubber-Logo auf dem blauen Stoff. Wenn meine Nachbarn ihre Wohnungstür öffnen, prangt ihnen ein deutlich erkennbarer stilisierter Dödel entgegen.

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2007 17 Mai

Wissenschaft im Dirndl

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dirndl.jpgDer Deutsche Bundesdrogen- kongress ist eine etablierte Veranstaltung, Zum 30. Mal fand er dieses Jahr statt. Mediziner, Wissenschaftler, Politiker und Menschen aus Drogenberatungen und –hilfen kamen am 14./15. Mai im edlen Tagungsort Schloss Waldhausen in Mainz zusammen. Und ich war unter ihnen, als „bunter Exot“, wie es Dr. Karl Wassenberg so treffend beschrieb. Wassenberg lehrt und forscht an der Magdeburger Uni, und jedes Jahr lädt er für sein Seminar Leute mit ungewöhnlichen Themen als Referenten ein. Die „schwule Sexdroge Poppers“ ist unter all den Vorträgen zur Eindämmung von Drogenkonsum oder Behandlung von Sucht auf jeden Fall ungewöhnlich. Aber ich war nicht der einzige bunte Vogel. Spannend waren auch die anderen Themen in diesem Seminar. Zum Beispiel die „Alltagsgeschichte des Trinkens in der frühen Bundesrepublik“ oder das Referat „Zur Funktion von Trinkliedern“. Am buntesten war jedoch die Psychologin Brigitte Veiz (Foto), die ein Buch über das „Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual“ geschrieben hat und sich für ihren Beitrag gleich ins Dirndl geschmissen und einen Bierkrug als Requisite mitgebracht hatte.

Für leisen Schrecken beim Gastgeber sorgte mein Aufruf nach einem Freiwilligen, der Poppers inhalieren sollte und dessen Blutdruck ich zur Demonstration der Wirkungen messen wollte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht erwähnt, das der Besitz und die Nutzung legal sind. Doch niemand schritt ein, eine Frau machte alles ganz brav mit, und der leise Nervenkitzel unter den Zuhörern war garantiert. Hinterher meinte jemand zu mir, das sei verdammt mutig gewesen. Mir war klar, das ich an einem Tabu gekratzt hatte, aber mutig?

Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Wenn mich jemand buchen möchte, ich stehe gern für weitere Vorträge samt Poppersverkostung bereit :-)

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2007 13 Mai

Rudi Völler von hinten

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rudivoeller.jpgWie kommen eigentlich Profifußballer nach Hause? Mit Germanwings. Kurz vor dem Boarding stehen Guru und ich vor dem Terminal in Berlin-Schönefeld. Ein Reisebus fährt vor: „Bayer Leverkusen“ steht in großen Lettern darauf. Junge Typen in Einheits-Anzügen klettern heraus, unter ihnen ein älterer Mann mit unverwechselbarer Frisur: dauergewellte halblange weiß-graue Haare. „Bravo!“ rufen mehre Männer mit bunten Schals neben uns und beklatschen die Jungs mit ihren Taschen von Adidas. Guru freut sich, schließlich ist er begeisterter Fußballfan. Das Auftauchen der Mannschaft, die mit einem 3:2-Sieg gegen Hertha nach Hause fliegt, sorgt insgesamt für ordentliche Unruhe in der Abflughalle. Schnell wird beim Sicherheitscheck noch ein Schalter aufgemacht. Wartende Fluggäste zücken ihre Fotoapparate, lassen sich gemeinsam mit ihren Stars ablichten. Rudi Völler wird von allen Seiten geknipst. Routiniert werden Autogramme verteilt, sobald jemand mit Zettel und Stift anrückt. Ich unterhalte mich mit einer jungen Frau, die neben mir sitzt und genauso wenig Ahnung von Fußball hat wie ich. Ich erzähle ihr die Anekdote, wie ich mich einmal in einem Bewerbungsgespräch völlig blamiert hatte, weil ich nicht wusste, von wem der Spruch „Schaun wer mal!“ stammt. Nach der Landung in Köln werden beim Aussteigen Werbegeschenke verteilt. Rosa Wasserbälle von der Telekom. Ob sich die Leverkusener darüber auch freuen?

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2007 12 Mai

Mein Guru

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onkelgugu.jpgSeine Freunde nennen ihn so: Guru. Nicht mal ein Jahr lebt der junge Mann aus Asien in Berlin und lernt die deutsche Sprache. Für diese kurze Zeit ist er schon ziemlich fit in dieser komplizierten Materie. Das blaue Einwohnermeldeamt hat uns vor Wochen zum regelmäßigen Chat zusammengeführt. Wir haben auf Anhieb eine Gesprächsebene, die prima funktioniert. Mein Aufenthalt in Berlin gibt uns die Gelegenheit, uns real zu sehen. Er kennt noch nicht so viel von der Stadt, fühlt sich häufig unsicher. Als wir uns zum Abendessen in der Oranienstraße treffen, stoßen wir auf eine nicht weiter ungewöhnliche Demo von Linksautonomen, die gegen das Übliche protestieren: Immobiliengeschäfte mit besetzten Häusern. Guru will einen großen Bogen schlagen um die schwarz gekleideten Demonstranten. Zudem ist er konditioniert darauf, nach außen hin alles zu tun, um straight zu wirken. Er will nicht, das irgendjemand sieht, das er schwul ist. Die Szeneorte meidet er, es könnte ihn ja einer seiner Heterofreunde dort sehen. Umarmungen in der Öffentlichkeit fallen sehr kumpelig aus, lieber begrüßt er einen mit einem freundschaftlichem Knuff in die Seite. Berührungen und Küsse gibt es nur, wenn keine Zeugen da sind. Dann aber gibt es kein Halten. Ich zeige ihm, wie man Poppers nutzt, worauf er total abfährt. Ich bin verblüfft, wie schnell er lernt, es einzusetzen, als sei er ein langjähriger Profi. Guru ist aufgeschlossen, lässt sich auch auf der Toilette am Flughafen für ein kurzes „Zwischenspiel“ kurz vor meinem Abflug zurück nach Köln, verführen. Ich liebe diese erotischen Kicks im Alltag! Und ich mag Guru. Nicht nur wegen seiner Abenteuerlaune.

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maneo2.jpgManeo, das schwule Antigewalt Projekt in Berlin hat zu einer „Werkstatt“ zum Thema „Homophobie und schwulenfeindliche Gewalt im öffentlichen Raum“ geladen. Ein internationales Treffen unter Beteiligung von Vertretern aus Frankreich und Polen. Ein inhaltlich spannender Kongress, der leider schlecht besucht war. Dafür gab es ein Wiedersehen mit Leuten, die ich zum Teil seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe, und die mich allesamt auch nicht mehr auf Anhieb erkannten: Die Wissenschaftler Rüdiger Lautmann und Michael Bochow, der PDS-Politiker Harald Petzold, der „Homo-Beamte“ Claus Nachtwey. Es gab aber auch interessante neue Kontakte am Rande der Workshops und Referate. Zum Beispiel den schwulen Polizisten aus Hannover, der mir erklärte, das die neue dunkelblaue Uniform, die er trägt, von Colani designt und von Tom Tailor geschneidert wurde. In wenigen Jahren werden sämtliche Polizeibeamte in Deutschland wesentlich schicker gekleidet sein. Oder der nette technikbegeisterte junge Mann, der Printproduke kurzerhand für tot erklärte, und die Zukunft der Medien in der Blogosphäre und im Bürgerjournalismus sieht. Der mit Kunstaktionen und Kunstblut gegen das Verbot von Killerspielen demonstriert und Mitglied der Piratenpartei ist, um gegen die Vorratsdatenspeicherung und den gläsernen Bürger zu kämpfen.

Engagiert zeigten sich auch andere Teilnehmer, vor allem beim Outen von Leuten. So wünschte sich der verdi-Vertreter, das sich der derzeitige Bürgermeister von Athen dem anschließen möge, was zwei Amtskollegen anderer Großstädte – exakter Berlin und Paris – ihm bereits vorgemacht haben. An anderer Stelle erfuhr man, das es natürlich sinnvoll wäre, wenn der Chefredakteur von einer großen WochenZEITung ein paar deutliche Worte darüber verlieren würde, warum er offiziell als Single gilt. Das aber im Medienbetrieb Homosexualität noch immer als Karrierehindernis begriffen wird …

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gasteiner.jpgFür eine Nacht wechsle ich doch noch meinen Schlafplatz, nehme ein Zimmer in einer nahe gelegenen Pension. Ich ertrage den Nikotinbelag an sämtlichen Gegenständen dieser Bed & Breakfast-Schlafstelle nicht länger. Dauernd habe ich das Gefühl, meine Hände kleben. Außerdem ist es im Hotel einfacher, sich für ein Date zu verabreden. Beim Frühstück im Gasteiner Hof sitzen ganz gewöhnliche Leute an ihren rustikalen Tischchen und bedienen sich am üblichen Buffet. Die Frau, die am Tisch hinter mir sitzt, hustet immer wieder mal kurz und laut auf. Dann beginnt sie, zu murmeln. Ich nehme sie kurz in Augenschein beim organisieren von frischem Kaffee. Mitte Vierzig, ziemlich groß, graue lange Haare, unauffällig in besch gekleidet. Sie nippt an ihrer Tasse, springt unvermittelt auf, läuft zum kleinen Fernseher an der Wand, den sie lange anstarrt. Dann wendet sie sich an die Gäste neben ihr: „Entschuldigen sie, ist es schon neun Uhr oder zehn Uhr?“ „Es ist halb neun!“ Sie lacht: „Ach das kann doch gar nicht sein, sie leben wohl in einer anderen Zeit, was?“ Die Befragten sind irritiert, das Personal wirft misstrauische Blicke auf die Szenerie. Sie setzt sich wieder, kichert und murmelt weiter in sich hinein, sucht aber immer wieder Kontakt zum Personal. „Mir ist gerade die Gabel auf den Boden gefallen“, lügt sie. „Die gebe ich ihnen und nehme eine neue.“ „Das Frühstück ist sehr lecker. Der Kaffe auch. Und vielen Dank für das schöne Ei“, lobt sie die Bedienung, deren Lächeln immer frostiger wird. Ich beschließe, mein Frühstück zügig zu beenden. Man liest ja immer wieder von verwirrten Personen, die urplötzlich aggressiv werden. Ich will nicht ihre frische Gabel in meinem Rücken stecken haben.

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asiaimbiss.jpgMittwoch Nachmittag, Berlin Schöneberg. Ich komme bei meinem Privatschlafplatz an, den ich über ebab.de gebucht habe. Mein Gastgeber wirkt leicht zerstreut. „Ach, mir geht es heute gar nicht gut!“ begrüßt er mich. Ich habe die vergangenen vier Tage nicht geschlafen. War nur unterwegs.“ Der gute Herr war auf einem mehrtätigen Drogentrip, und wundert sich jetzt darüber, das ihm schwindelig ist, es ihn fröstelt und er ständig müde ist. „Ich hab sonst noch nie Stress mit Drogen gehabt“, behauptet er. „Ich war nur einmal im Krankenhaus. Zuviel Ketamin.“ Dann erzählt er weiter von seinen Erlebnissen in Köln, als er dort ziemlich breit war. Mein Zimmer ist, wie die gesamte Wohnung nicht im frischesten Zustand, zudem ist es durch ständiges Rauchen vergilbt. Als Nichtraucher fällt einem so etwas extrem auf. Ich überlege kurz, ob ein Risiko besteht, das meine Kamera zu Hehlerware werden könnte, wenn ich sie in der Wohnung liegen lasse. Mein Gefühl sagt mir allerdings, das der Typ einfach nur etwas extrem, ansonsten aber ok ist. Und er scheint keine Geheimnisse zu haben. Auf seinem Rechner, den ich nutzen kann zum Arbeiten, liegen haufenweise Bilder, auf denen er zusammen mit anderen unbekleideten Herren in Action zu sehen ist. Ich bin zu faul, mir auf die Schnelle noch eine Alternative zu suchen. Das Rathaus Schöneberg, wo der Kongress des Antigewaltprojektes Maneo am Wochenende stattfinden wird, ist nur zwei Minuten zu Fuß entfernt.

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2007 4 Mai

Vermiss dich, verpiss dich

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please-go-suck.jpgVier Wochen war der Ex nun in meiner unmittelbaren Nähe, saß tagsüber in meiner Küche, schlief nachts neben mir in meinem Bett. Kein persönlicher Groll störte die gemeinsame Arbeit in dieser Zeit, Pläne fürs Business beflügelten die Fantasie. Den Alltag konnten wir wieder soweit miteinander teilen, das Ausgehen und Treffen von Freunden möglich war. Ein Stück weit war es wie „früher“, als ich das Ex noch nicht vor meinen Freund setzten musste. Fatal nur, das ich erneut den Trugschluss hatte, die neue Nähe erzeuge eine neue Offenheit. Am letzten Abend, als ich den Versuch unternahm, die vergangenen Wochen gemeinsam zu bewerten, wurde ich abgeblockt. Der alte Affe Angst ergriff ihn wieder, wie immer, wenn es ihm zu nah geht. Erneut eine frustrierende Erfahrung für mich, denn ich versuche Offenheit durch eigene Öffnung einzuleiten. Ich habe von meinen heimlichen Tränen erzählt, die ich vergossen habe, als wir gemeinsam „Shortbus“ angeschaut hatten. In der Liebesgeschichte des schwulen Paares hatte mich wiedererkannt. Ich habe auch von der Freude gesprochen, die ich an dem einen Abend empfand, als ich seine Hand beim Einschlafen hielt.

Auch mein Verhaltensmuster ist das alte. Ich lechze nach Nähe, weil ich nur in ihr das Vertrauen in ihn zu finden glaube, das ich suche. Mich mit meinen Wünschen auf Abstand zu halten, ist da aus seiner Sicht nur konsequent. Leider tut mir das Wechselbad aus gewährter Nähe und brüskierender Abwehr nicht gut. Mein in den vergangenen Monaten aufgebauter Schutzschild ist zerbröselt, meine Stimmung im tiefen Keller angelangt. Eigentlich wäre ein konsequenter Schnitt das Vernünftigste …

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