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I guess I just don’t recognize you with your clothes on (madonna – celebration)

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Archiv: Freitag, 11. Mai 2007

maneo2.jpgManeo, das schwule Antigewalt Projekt in Berlin hat zu einer „Werkstatt“ zum Thema „Homophobie und schwulenfeindliche Gewalt im öffentlichen Raum“ geladen. Ein internationales Treffen unter Beteiligung von Vertretern aus Frankreich und Polen. Ein inhaltlich spannender Kongress, der leider schlecht besucht war. Dafür gab es ein Wiedersehen mit Leuten, die ich zum Teil seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe, und die mich allesamt auch nicht mehr auf Anhieb erkannten: Die Wissenschaftler Rüdiger Lautmann und Michael Bochow, der PDS-Politiker Harald Petzold, der „Homo-Beamte“ Claus Nachtwey. Es gab aber auch interessante neue Kontakte am Rande der Workshops und Referate. Zum Beispiel den schwulen Polizisten aus Hannover, der mir erklärte, das die neue dunkelblaue Uniform, die er trägt, von Colani designt und von Tom Tailor geschneidert wurde. In wenigen Jahren werden sämtliche Polizeibeamte in Deutschland wesentlich schicker gekleidet sein. Oder der nette technikbegeisterte junge Mann, der Printproduke kurzerhand für tot erklärte, und die Zukunft der Medien in der Blogosphäre und im Bürgerjournalismus sieht. Der mit Kunstaktionen und Kunstblut gegen das Verbot von Killerspielen demonstriert und Mitglied der Piratenpartei ist, um gegen die Vorratsdatenspeicherung und den gläsernen Bürger zu kämpfen.

Engagiert zeigten sich auch andere Teilnehmer, vor allem beim Outen von Leuten. So wünschte sich der verdi-Vertreter, das sich der derzeitige Bürgermeister von Athen dem anschließen möge, was zwei Amtskollegen anderer Großstädte – exakter Berlin und Paris – ihm bereits vorgemacht haben. An anderer Stelle erfuhr man, das es natürlich sinnvoll wäre, wenn der Chefredakteur von einer großen WochenZEITung ein paar deutliche Worte darüber verlieren würde, warum er offiziell als Single gilt. Das aber im Medienbetrieb Homosexualität noch immer als Karrierehindernis begriffen wird …

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gasteiner.jpgFür eine Nacht wechsle ich doch noch meinen Schlafplatz, nehme ein Zimmer in einer nahe gelegenen Pension. Ich ertrage den Nikotinbelag an sämtlichen Gegenständen dieser Bed & Breakfast-Schlafstelle nicht länger. Dauernd habe ich das Gefühl, meine Hände kleben. Außerdem ist es im Hotel einfacher, sich für ein Date zu verabreden. Beim Frühstück im Gasteiner Hof sitzen ganz gewöhnliche Leute an ihren rustikalen Tischchen und bedienen sich am üblichen Buffet. Die Frau, die am Tisch hinter mir sitzt, hustet immer wieder mal kurz und laut auf. Dann beginnt sie, zu murmeln. Ich nehme sie kurz in Augenschein beim organisieren von frischem Kaffee. Mitte Vierzig, ziemlich groß, graue lange Haare, unauffällig in besch gekleidet. Sie nippt an ihrer Tasse, springt unvermittelt auf, läuft zum kleinen Fernseher an der Wand, den sie lange anstarrt. Dann wendet sie sich an die Gäste neben ihr: „Entschuldigen sie, ist es schon neun Uhr oder zehn Uhr?“ „Es ist halb neun!“ Sie lacht: „Ach das kann doch gar nicht sein, sie leben wohl in einer anderen Zeit, was?“ Die Befragten sind irritiert, das Personal wirft misstrauische Blicke auf die Szenerie. Sie setzt sich wieder, kichert und murmelt weiter in sich hinein, sucht aber immer wieder Kontakt zum Personal. „Mir ist gerade die Gabel auf den Boden gefallen“, lügt sie. „Die gebe ich ihnen und nehme eine neue.“ „Das Frühstück ist sehr lecker. Der Kaffe auch. Und vielen Dank für das schöne Ei“, lobt sie die Bedienung, deren Lächeln immer frostiger wird. Ich beschließe, mein Frühstück zügig zu beenden. Man liest ja immer wieder von verwirrten Personen, die urplötzlich aggressiv werden. Ich will nicht ihre frische Gabel in meinem Rücken stecken haben.

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