Der Deutsche Bundesdrogen- kongress ist eine etablierte Veranstaltung, Zum 30. Mal fand er dieses Jahr statt. Mediziner, Wissenschaftler, Politiker und Menschen aus Drogenberatungen und –hilfen kamen am 14./15. Mai im edlen Tagungsort Schloss Waldhausen in Mainz zusammen. Und ich war unter ihnen, als „bunter Exot“, wie es Dr. Karl Wassenberg so treffend beschrieb. Wassenberg lehrt und forscht an der Magdeburger Uni, und jedes Jahr lädt er für sein Seminar Leute mit ungewöhnlichen Themen als Referenten ein. Die „schwule Sexdroge Poppers“ ist unter all den Vorträgen zur Eindämmung von Drogenkonsum oder Behandlung von Sucht auf jeden Fall ungewöhnlich. Aber ich war nicht der einzige bunte Vogel. Spannend waren auch die anderen Themen in diesem Seminar. Zum Beispiel die „Alltagsgeschichte des Trinkens in der frühen Bundesrepublik“ oder das Referat „Zur Funktion von Trinkliedern“. Am buntesten war jedoch die Psychologin Brigitte Veiz (Foto), die ein Buch über das „Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual“ geschrieben hat und sich für ihren Beitrag gleich ins Dirndl geschmissen und einen Bierkrug als Requisite mitgebracht hatte.
Für leisen Schrecken beim Gastgeber sorgte mein Aufruf nach einem Freiwilligen, der Poppers inhalieren sollte und dessen Blutdruck ich zur Demonstration der Wirkungen messen wollte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht erwähnt, das der Besitz und die Nutzung legal sind. Doch niemand schritt ein, eine Frau machte alles ganz brav mit, und der leise Nervenkitzel unter den Zuhörern war garantiert. Hinterher meinte jemand zu mir, das sei verdammt mutig gewesen. Mir war klar, das ich an einem Tabu gekratzt hatte, aber mutig?
Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Wenn mich jemand buchen möchte, ich stehe gern für weitere Vorträge samt Poppersverkostung bereit
