Das sich vor meiner Haustür das wahre ungeschminkte Leben abspielt, ist mir schon länger klar. Im Burgenlandpark gegenüber sitzen am Tage die arbeitslosen Alkoholiker, die in den angrenzenden heruntergekommenen Sozialwohnungen leben. Kids hängen dort abends in kleinen Gruppen herum. Aus Langeweile werfen sie schon mal rohe Eier gegen den vorbeifahrenden Bus. Und in der nahegelegenen Taunusstraße leben Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zusammen, was sicherlich auch nicht immer konfliktfrei abläuft. Mein konservativer Nachbar schaut mich ja auch schon immer böse an ob meines offen homosexuellen Lebenswandels. Seit Donnerstag weiß ich, es ist alles ganz ganz schrecklich hier, denn ich lebe in „Kölns schlimmster Drogenhölle Humboldt-Gremberg.“ So sieht es der Express. Was ist passiert? Der 8-jährige Jazin bekam vor einer Woche in eben jenem Park von einem Junkie völlig überraschend eine gerade genutzte Spritze in den Arm gerammt. Der Junge erhält nun „schwere Medikamente“. Vermutlich die PEP, also die Aids-Medikamente, die man sonst als HIV-Positiver ein Leben lang einnimmt. Die Kombi für ein paar Wochen kurz nach einer möglichen Infektion mit HIV eingenommen, kann eine Ansteckung verhindern. Leider sind diese Pillen nicht ohne Nebenwirkungen. Eine üble und heftige Geschichte, die leider auch Öl ins Feuer der Bürgerinitiative gießt, die sich bereits in der Vergangenheit mit harschen Worten gegen die Drogenszene aussprach, die sich hier konzentriert. Der Junkie-Bund hat in der Taunusstraße seine Anlaufstelle für Beratung und Spritzentausch. Entsprechend wird im Umfeld auch gedealt und gefixt. Wo die Prostitution stattfindet, wie immer wieder behauptet wird und wo die „hunderte von Spritzen“ liegen, die angeblich im Park „täglich“ gefunden werden, das ist mir allerdings ein Rätsel. Wie die Beispiele in anderen Städten zeigen, könnten Fixerräume helfen, dieses Problem von der Straße zu holen. Die Verlagerung des Junkie-Bundes, wie von der grünen Sozialdezernentin Marlies Bredehorst angekündigt, ist weniger als eine Notlösung, denn die Verlagerung der Junkieszene verschiebt die Probleme nur an einen anderen Ort.
Archiv: Sonntag, 27. Mai 2007
2007 27 Mai
Die schlimmste Drogenhölle
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