Ich komme mir vor, wie in einem Comic von Ralf König. Vor meiner Wohnungstür steht der Schornsteinfeger, der die Gastherme kontrollieren will. Dieser Schornsteinfeger ist keiner von der Sorte, dickbäuchig, schütteres Haar und Kassengestell-Brille mit albernem Zylinder auf dem Kopf, sondern ein gut gebauter junger Kerl in Latzhose, raspelkurz geschorene dunkle Haare, süße Segelohren und strahlende stahlgraue Augen. Also eher das Model „Keuch!“ Während er seinen Messfühler in das Abgasrohr der Therme steckt, plaudern wir über belangloses Zeug. Seinen Pocket PC, in den er die Messwerte eintippt und darüber, wie doll sparsam das Gasgerät ist. Ich beobachte ihn. Kein Ring am Finger. Er hat gute Laune und erzählt Anekdoten über den Praktikanten, der seinen schweren Koffer tragen darf. Ich lache etwas zu laut und finde, dass die Luft in der Küche plötzlich stark elektrisiert ist. Aber ich bin mir nicht sicher, ob nur ich gerade diese Hormonausstöße erfahre. Ich weiß, wie es jetzt immer in den Pornos weitergeht, da ist das ja alles kein Problem, aber im wahren Leben? Auf die unverfänglichste Idee, ihn zu einem Kaffee einzuladen, komme ich irgendwie nicht. „Schönen Tag, bis nächstes Jahr,“ sagt er, lächelt und gibt mir zum Abschied noch die Hand. Immerhin, ich habe den Schornsteinfeger angefasst, und der Volksmund weiß: Wenn man jemanden aus dieser Zunft berührt, gehen einem alle Wünsche in Erfüllung. Also, ich wünsche mir, dass der Schornsteinfeger auf der Stelle unter irgendeinem fadenscheinigen Vorwand nochmal an meiner Tür klingelt.