Was tut die Menschheit nicht alles, um irgendetwas der Nachwelt zu hinterlassen: Höhlen vollmalen, große Kirchen bauen oder Kinder zeugen sind übliche Tätigkeiten in diesem Sinne. Schwule haben mit dem Kinder zeugen so ihre Schwierigkeiten. Sie werden deshalb lieber Superstars. Oder sie schreiben Bücher. Blöd nur, dass all diese Ersatz-Tätigkeiten eine sehr kurze Halbwertszeit haben. Der Superstar ist wahrscheinlich in einem Jahr wieder in der Versenkung verschwunden, und all unsere bisherigen Veröffentlichungen interessieren in Bälde ebenfalls kein Schwein mehr.
Die Chancen, zumindest den künftigen Historikergenerationen erhalten zu bleiben, steigen allerdings mit einem Eintrag in den Plenarprotokollen des Deutschen Bundestages. So geschehen am 21. Juni 2007. Der 16. Deutsche Bundestag beriet am Vormittag in seiner 105. Sitzung in einem Rutsch drei unterschiedliche Anträge der Oppositionsparteien FDP, Bündnis 90 / Die Grünen sowie der Fraktion der LINKEN zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft.
Barbara Höll (DIE LINKE) sprach: „Fremdgehen macht glücklich!“ – so der Titel eines Buches, das Micha Schulze und Christian Scheuß zusammengestellt haben. In diesem Buch fand ich die Lebens- und Liebesgeschichte von Fritz und Josef.“ Die Story von Fritz und Josef nutzte sie, um ganz plastisch darzustellen, dass zum Beispiel im Erbschaftssteuerrecht noch immer Ungleichbehandlungen zwischen verheirateten Heteros und verpartnerten Schwulen oder Lesben bestehen. Die Anträge wurden wie erwartet, in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Das davon irgendetwas beschlossen wird, ist unwahrscheinlich. Dafür endete Barbara Hölls Redebeitrag dann aber ganz poetisch mit einem Gedicht von Erich Fried: „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“
