Das schwule Weblog von Christian Scheuss

Gin Tonic und die Toten


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Gin Tonic ist irgendwie ein sehr sehr leckeres Getränk. Aber es hat auch einige seltsame Nebenwirkungen. Zunächst muss ich aber einiges vorausschicken: Wenn Jay, Micha und ich ausgehen, laufen wir der Einfachheit halber meistens in die Silom Soi 4. Die ist gut fünf Minuten vom Appartment entfernt. Der Lifetime-Membership-Karte von Micha – und der damit verbundenen zehn Prozent Rabatt - wegen sitzen wir immer im Balcony, und zwar stets draußen an den kleinen Tischchen. Drinnen kann man nämlich nicht die Männer von der gegenüberliegenden Telephone Bar beobachten, sondern muss dauernd die griesgrämig dreinschauenden Eigentümer anschauen. Und dann bestellen wir, weil es günstiger ist, eine Flasche Whiskey für 900 Baht. Die Softdrinks zum Mixen und das Eis sind im Preis mit drin. Wenn wir die Flasche nicht leeren, wird sie für den nächsten Besuch aufbewahrt. Nach zahlreichen Whiskey-Cokes in den vergangenen Monaten sind wir jetzt mal umgestiegen auf Gin Tonic, den es für den selben Preis gibt. Leider merkt man im Vergleich zum Whiskey nicht so schnell, das man betrunken ist. Man denkt, man ist noch ziemlich nüchtern, in Wirklichkeit ist man aber schon ziemlich stramm. Zweimal ist es mir inzwischen passiert, das ich mein Limit schlicht verpasst habe. Und das merkwürdigste ist: Ich bekomme Albträume danach. In den frühen Morgenstunden bin ich mehrmals mit Herzklopfen wach geworden, weil in meinen Träumen Verwandte und Bekannte gestorben sind und dauernd irgendwelche Toten herumlagen oder –saßen.

17.02.06 @ 01:53 PM MEZ [link] [0 Kommentare]


I've heard it all before


madonna_sorry (9k image)
Es ist mal wieder pickepackevoll im DJ Station. Und das an einem Dienstagabend. Wenige Monate nach dem Umbau ist der schwule Tanztempel in der Silom Soi 2 in Bangkok so angesagt, wie schon lange nicht mehr. Im Erdgeschoss kommt man nach Mitternacht kaum noch durch, und selbst in der dritten Etage, wo sonst immer gähnende Leere herrschte, kann es jetzt eng werden. Eine neue Bar und etwas 70er Retro-Mobiliar bewirken Wunder. Ich weiß nicht, wie oft ich bereits im DJ gewesen bin. In manchen Nächten eher gelangweilt, an anderen Tagen wiederum ekstatisch tanzend. Aber momentan macht der Schuppen wirklich richtig Spaß. Trotz der vorhersagbaren Playlist aus den Dance-Charts und der vielen Leute, die noch öfter als ich hier sein müssen, weil ich sie jedes Mal sehe, wenn ich hier bin. Der verstrahlte Franzose, der uns immer in seiner Sprache anquatscht, ist auf jeden Fall neu. Er lächelt jeden an, und alle lächeln zurück. Das ist das schöne am DJ. Es ist egal, auf wen oder was du stehst, es verkneift sich beinahe niemand einen Flirt mit dem, der einem gerade gegenüber steht. Das macht locker und entspannt. Und wenn auf den Flachbildschirmen plötzlich Madonna auftaucht, und alle zu den ersten Takten von „Sorry“ aufkreischen, kocht die Stimmung auf dem Höhepunkt. „I’ve heard it all before, i’ve heard it all before…“

16.02.06 @ 05:33 AM MEZ [link] [0 Kommentare]


AIDS daheim bekämpfen


fightaids (12k image)
Ich bin ein AIDS-Aktivist! Seit exakt 4 Tagen, 20 Minuten und 42 Sekunden stehe ich in Diensten einer weltweiten Bewegung, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Immunschwächekrankheit zu besiegen. Allerdings bin ich nicht einer der radikalen Sorte, die auf Welt-AIDS-Konferenzen das Pressezentrum stürmen, die wüste Beschimpfungen gegen die Bush-Administration schleudern, oder Kunstblut auf Gängen ausgießen. Nein, ich bin einer von der ruhigen Art. Ich bin ein Couchpotato-Aktivist, ich bekämpfe AIDS von zu Hause aus. Sogar im Schlaf. Ehrlich gesagt, lasse ich eigentlich nur meinen Computer schuften. Ich stelle ihn mit einer kleinen Software in ein weltweites Netzwerk von derzeit rund 260.000 privaten Rechnern, die gemeinsam an einer Aufgabe tüfteln: Herauszufinden, welche Moleküle am besten an Proteine im Körper andocken, um so bessere und wirksamere Medikamente gegen das HI-Virus zu finden. Das Programm zeigt den Fortschritt dieser Test- und Irrtum-Berechnungen mit Diagrammen und einer Grafik verschlungener wurmähnlicher Proteine an. Man muss es nicht verstehen, es sieht aber sehr wichtig aus. Gayromeo promotet das seit längerem bestehende „World Community Grid“, und hat bereits rund 1.000 neue Aktivisten rekrutiert. Allerdings braucht man ziemlich viel freien Arbeitsspeicher, die CPU ist stets bis zum Anschlag ausgelastet und die Lüfter im Computer pusten permanent. Man kann aber per Timer einstellen, wann und wie viel Rechenleistung man zur Verfügung stellen möchte.

07.02.06 @ 06:17 AM MEZ [link] [0 Kommentare]


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